Die Flutkatastrophe hat das Gasnetz im Ahrtal fast vollständig zerstört. Die EVM ist gerade dabei, ein neues Gasnetz aufzubauen. (Foto: SWR, Christian Giese-Kessler)

Wiederaufbau läuft auf Hochtouren

Ahrtal: EVM macht Probebohrungen für neue Gasleitungen

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Bei der Flutkatastrophe im Ahrtal wurden zahlreiche Gasleitungen zerstört. Der Energieversorger EVM macht jetzt nach eigenen Angaben Probebohrungen unter der Ahr, um zu klären, wie der Wiederaufbau laufen könnte.

Die Energieversorgung Mittelrhein (EVM) ist gerade dabei, ein neues Gasnetz im Ahrtal aufzubauen, da das alte bei der Flutkatastrophe fast vollständig zerstört wurde. Um alle Ortschaften zu erreichen, müssen dafür auch Gasrohre unter der Ahr verlegt werden. Mit den Probebohrungen soll getestet werden, an welchen Stellen sich das Erdreich dafür eignet.

Alle 16 Ahr-Kreuzungen bei Flut zerstört

Wie ein Sprecher des Energieversorgers im SWR-Interview erklärt, gab es ursprünglich 16 Ahr-Kreuzungen des Gasnetzes. Alle seien durch die Flut im Juli zerstört worden. Provisorisch werde jetzt an zwei bis drei Stellen wieder eine solche Ahrkreuzung errichtet, um das Netz später wieder zu schließen.

Spühlbohrverfahren wird unter der Ahr angewandt

Der Energieversorger EVM testet nach der Flutkatastrophe in Bad Neuenahr-Ahrweiler mit Probebohrungen unter der Ahr, ob dort neue Gasleitungen verlegt werden können. Die alten wurden vom Hochwasser zerstört. (Foto: SWR, Christian Giese-Kessler)
Mit diesem Bohrer ist die EVM an der Ahr im Einsatz. Das Spühlbohrverfahren gilt als besonders schnell. Christian Giese-Kessler

Das geschieht mit einem so genannten Spühlbohrverfahren. Dabei wird zuerst ein dünnes Rohr unter der Ahr durchgedrückt - die rotierenden Enden des Rohrs fräsen sich quasi durchs Gestein. Diese dünne Öffnung wird dann erweitert. Das erste "Durchbohren" ist dann auch die Testbohrung.

Die Testbohrung ist notwendig, weil die Arbeiter nicht wissen, ob große Gesteinsplatten, Stahl oder andere Hindernisse im Weg sind. Ob etwas im Weg liegt, könne man nur herausfinden, indem das erste dünne Rohr verlegt wird - wenn das klappt, wissen sie, dass sie die richtige Stelle erwischt haben.

Gasnetz kann nicht einfach geflickt werden

Wie der EVM-Sprecher erklärt, gestaltet sich die Reparatur des Gasnetzes an der Ahr schwierig. Das Hauptproblem sei, dass das Netz unter Druck steht. Deshalb könne man nicht einfach einzelne Bereiche reparieren - wie zum Beispiel beim Stromnetz. Das ganze Netz müsse intakt und vor allem dicht sein. Erst dann sei es wieder möglich, Gas hineinzugeben.

Ein Mitarbeiter des Energieversorgers EVM testet nach der Flutkatastrophe in Bad Neuenahr-Ahrweiler mit Probebohrungen unter der Ahr, ob dort neue Gasleitungen verlegt werden können. (Foto: SWR, Christian Giese-Kessler)
Auch an einer neuen Hauptgasleitung ins Ahrtal wird gearbeitet. Von hier aus wird das Gas in das komplette Netz verteilt, wenn es wieder hergestellt ist. Christian Giese-Kessler

Sorge vor kalten Herbst- und Wintermonaten

Die Angst vieler Menschen im Ahrtal ist, dass sie im Herbst und Winter nicht heizen können. Das sei ein großer Druck für die Mitarbeiter, wie der EVM-Sprecher berichtet. Sie würden aber auch sehr viel Hilfe von anderen Energieversorgern, den Stadtwerken sowie dem Technischen Hilfswerk (THW) bekommen.

"Es ist ein Rennen gegen die Zeit und klar, wir stehen enorm unter Druck."

Am Mittwoch will die EVM über den aktuellen Stand informieren. Dabei könnte es auch Informationen darüber geben, in welchen Orten noch vor der kalten Jahreszeit wieder geheizt werden kann und wo nicht.

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