Blick auf den Rohbau mit den unverputzten Wänden: In Gackenbach im Westerwald baut sich ein Koblenzer Ehepaar ein Haus aus Stroh.  (Foto: SWR)

Bauweise soll klimafreundlich sein

Ehepaar baut sich im Westerwald Haus aus Stroh

STAND
AUTOR/IN
Christoph Bröder

Immer mehr Menschen machen sich angesichts des Klimawandels Gedanken um Nachhaltigkeit: Ein Koblenzer Paar hat sich daher für eine in Deutschland noch eher unbekannte Bauweise entschieden.

Teodor Bumb und seine Frau haben lange überlegt, was für ein Haus sie bauen möchten. Als sie sich dann für ein Haus aus Stroh entschieden hatten, ging im Grunde alles ziemlich schnell. In nur einer Woche war der Rohbau des Strohhauses in Gackenbach fertig: 85 Quadratmeter groß ist das neue Haus von Teodor Bumb und seiner Frau, es besteht aus verschiedenen vorgefertigten Elementen. Das sind Holzrahmen, die mit gepresstem Stroh ausgestopft sind. Verputzt wird das Ganze von innen mit Lehm und von außen mit Kalkputz.

Stroh-Haus ungefähr so teurer wie eines in Massivbauweise

"Wir interessieren uns sehr fürs Klima. Deswegen haben wir uns umgeschaut, was für ein Haus wir bauen können, um die Umwelt nicht zu verschmutzen", erklärt Teodor Bumb die Entscheidung für diese Bauweise. Das rechne sich auch für ihn als Bauherren. Was genau sein Haus aus Stroh in Gackenbach kosten wird, sagt er nicht. Nur so viel: Durch die vorgefertigten Module werde die Bauzeit deutlich verkürzt, damit lägen die Kosten für den Rohbau in etwa so hoch wie bei einem Massivbau.

Das Strohhaus in Gackenbach soll tonnenweise CO2 binden

Das klimafreundliche Strohhaus in Gackenbach soll insgesamt 23 Tonnen CO2 binden. Das gibt die Firma an, die es gebaut hat: Das sei in etwa so viel, wie ein Mittelklasse-Auto an klimaschädlichem Kohlendioxid ausstoße, wenn es viermal um den Äquator fahre. "Jedes Gebäude kommt irgendwann mal ans Lebensende. Dann spielt das Strohhaus seine Karten erst richtig aus, denn es ist fast komplett kompostierbar, da bleibt kaum was von übrig", erklärt Moritz Reichert von der Baufirma. Die Schrauben, Nägel und das Dach aus Blech etwa sind nicht kompostierbar, lassen sich aber recyclen.

"Telefonbuch-Effekt" schützt Häuser mit Strohwänden

Schimmel und Ungeziefer seien bei Strohhäusern entgegen mancher Vermutungen kein Problem. Das Stroh werde vor dem Bau gut getrocknet und anschließend von beiden Seiten verputzt und somit regelrecht versiegelt. Auch beim Thema Feuer beruhigt Bauleiter Moritz Reichert: "Wir haben gemeinsam mit einer portugiesischen Universität Brandtests gemacht. Der Test wurde nach zwei Stunden abgebrochen, weil das Haus einfach nicht abgebrannt ist."

Reichert nennt das den "Telefonbuch-Effekt": Weil das Stroh ähnlich dicht komprimiert ist wie die Seiten eines Telefonbuchs, brenne es schlecht. Außerdem verkohle das Stroh nur an der Oberfläche und bilde somit einen Eigenschutz gegen das Feuer.

Video herunterladen (13,2 MB | MP4)

Fachwerkhäuser bestehen seit Jahrhunderten auch aus Stroh

21 Millionen Tonnen Stroh aus Weizengetreide stehen nach Auskunft der Baufirma jedes Jahr in Deutschland zur Verfügung. Stroh habe gute Dämm-Eigenschaften und sei daher für den Hausbau bestens geeignet. Im Winter müsse weniger geheizt und im Sommer weniger gekühlt werden. Der Lehm-Putz sorge zudem für eine natürliche Regulierung der Feuchtigkeit im Haus.

Dabei greife man im Grunde auch auf altes Wissen zurück, erklärt Moritz Reichert: Häuser mit Stroh zu bauen ist nämlich nicht neu, auch Fachwerkhäuser bestehen seit Jahrhunderten aus Stroh.

Ressourcenschonend leben So steuern Menschen aus dem Südwesten in die Zukunft

Klimawandel, Überbevölkerung, Wohnungsnot - das sind unsere aktuellen Herausforderungen. Kann man überhaupt etwas dagegen tun? Diese Menschen haben angepackt statt weggeschaut.  mehr...

STAND
AUTOR/IN
Christoph Bröder