Reihe von Raketen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Christophe Gateau)

350 Arbeitsplätze in Gefahr

Feuerwerk 2021: Hersteller Weco geschockt über geplantes Verkaufsverbot

STAND

Der Feuerwerkshersteller Weco in Eitorf hat schockiert auf das angekündigte Feuerwerksverbot reagiert. Das Verkaufsverbot entbehre jeglicher wissenschaftlichen Grundlage, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens.  

Der Hersteller wirft den Politikern Populismus vor. Es gebe keine Studien, die die Gefahr von Feuerwerk für das Corona-Infektionsgeschehen belegen würden. Die Firma nahe der rheinland-pfälzischen Grenze verweist dabei unter anderem auf eine Pressemitteilung des Krankenhausbetreibers „Vivantes“ zum Thema Silvester und Aussagen des Präsidenten der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Demnach seien nur die allerwenigsten Krankenhausbesuche in der Silvesternacht auf Verletzungen durch Feuerwerkskörper zurückzuführen.

Mainz

Corona-Regeln werden erneut verschärft 2G im Einzelhandel und bei Freizeitveranstaltungen in RLP

Bund und Länder haben am Donnerstag schärfere Corona-Regeln beschlossen, darunter eine bundesweite 2G-Regel für Geschäfte und Freizeitveranstaltungen. Rheinland-Pfalz wird die Beschlüsse ab Samstag umsetzen. Außnahmen gibt es für Menschen, die schon eine Booster-Impfung haben.  mehr...

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR Fernsehen RP

"Die Entscheidung zum Verbot scheint vollständig auf subjektiven Empfindungen und Populismus zu beruhen und weder auf wissenschaftlichen Erkenntnissen noch auf Grundlage von Studien", erklärt Thomas Schreiber, Sprecher der Geschäftsführung von Weco.

Erhöht ein Verkaufsverbot die Gefahr für die Menschen sogar?

Nach Ansicht des Feuerwerkherstellers erhöht sich die Gefahr für die Menschen durch ein Verkaufsverbot sogar, weil die Menschen somit eher zu illegalem und gefährlicherem Feuerwerk greifen würden. So habe sich der Bund Deutscher Kriminalbeamter jüngst klar gegen ein generelles Verkaufsverbot ausgesprochen, da bereits durch das Verkaufsverbot im letzten Jahr ein massiver Anstieg bei der Einfuhr von illegalen Feuerwerkskörpern verzeichnet wurde.

"Die Situation jetzt bewirkt doch genau das Gegenteil, was man mit dem Verbot eigentlich erreichen will."

"Die Situation jetzt bewirkt doch genau das Gegenteil, was man mit dem Verbot eigentlich erreichen will. Nämlich, dass viele Menschen illegale und lebensgefährliche Feuerwerkskörper im Ausland oder sogar auf dem Schwarzmarkt kaufen oder im schlimmsten Fall selbst Feuerwerkskörper basteln", so Schreiber.

Unternehmen von Feuerwerksverbot überrascht

Wie Weco mitteilt, sei das Unternehmen von der Entscheidung des Verkaufsverbots überrascht worden. Gesprächsangebote an die Politik seitens der Branchenverbände seien nicht angenommen worden. Seit Anfang Oktober arbeite das Unternehmen daran, die rund 160.000 Paletten Feuerwerksware für den deutschen Einzelhandel zu kommissionieren und auszuliefern. Da es sich dabei um ein vollständiges Kommissionsgeschäft handele, müsse die Ware vollständig und auf eigene Kosten zurückgenommen werden.

Verlust in zweistelliger Millionenhöhe trotz Hilfen

Durch das Verkaufsverbot stünden jetzt 350 Jobs auf der Kippe. So habe das letztjährige Verkaufsverbot das nach eigenen Angaben größte deutsche Feuerwerksunternehmen bereits in seine "schwerste Firmenkrise seit Unternehmensgründung" gestürzt.

Trotz Überbrückungshilfen, die nach Angaben des Unternehmen "nach wie vor keinesfalls vollständig ausgezahlt wurden" sowie Kosteneinsparungen und standortübergreifender Kurzarbeit musste das Unternehmen zum Geschäftsjahresende demnach einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe verzeichnen. Eine Schließung des Freiberger Produktionsstandort habe nicht abgewendet werden können - rund hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien davon betroffen.

Politiker von Bund und Ländern hatten am Donnerstag das Verkaufsverbot verkündet, unter anderem, um die durch Corona schon ausgelasteten Krankenhäuser nicht noch mit Opfern von Feuerwerk weiter zu belasten und Menschenansammlungen an Silvester zu vermeiden.

Regionale Krankenhäuser befürworten Entscheidung

Das Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein erklärt auf SWR-Anfrage, dass es in den Notaufnahmen in Koblenz in den vergangenen Jahren insgesamt keine große Anzahl an Feuerwerksverletzungen gegeben habe. Eine Sprecherin betonte jedoch: "Insgesamt begrüßen wir Entscheidungen, die die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen eindämmen und das Gesundheitswesen nicht ergänzend strapazieren."

Dietmar Bochert, Sprecher der Marienhausgruppe, glaubt, dass fehlendes Feuerwerk dafür sorgt, dass weniger Leute zusammenkommen und die Lage generell entspannter sei. Er berichtet davon, dass es an Silvester immer wieder Menschen gibt, die wegen Feuerwerksverletzungen in den Krankenhäusern der Marienhausgruppe behandelt werden müssten. Vor allem an Händen und Augen komme es häufig zu Verletzungen.

Corona Diese neuen Verbote kommen!

Wegen der Corona-Lage wurden neue Regeln beschlossen - unter anderem für Bars, Clubs, Silvester und Shopping.  mehr...

Rheinland-Pfalz

Nach Feuerwerksverkaufsverbot in Deutschland an Silvester Darf man Böller im Ausland kaufen und in RLP abbrennen?

Bund und Länder haben beschlossen, dass auch in diesem Jahr wegen Corona für Silvester in Deutschland kein Feuerwerk verkauft werden darf. Feuerwerk aus dem Ausland zu kaufen und zu zünden, ist in Rheinland-Pfalz erlaubt - aber es gibt gesetzliche Hürden dafür.  mehr...

STAND
AUTOR/IN