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Im Norden von Rheinland-Pfalz sorgt ein desaströses Feuerwehrhaus für Schlagzeilen. Der Landesfeuerwehrverband ist wenig überrascht darüber, dass es im Land ein Feuerwehrgebäude ohne Dusche gibt.

Keine Toilette oder Dusche im Feuerwehrhaus - das sei noch bis vor wenigen Jahren nach Einschätzung des Landesfeuerwehrverbandes in Gebäuden der Freiwilligen Feuerwehren kein Einzelfall gewesen. "Das sind Fälle aus der Praxis, die vorgekommen sind in Rheinland-Pfalz und das nicht vor allzu langer Zeit", sagt Frank Hachemer, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Rheinland-Pfalz. Zuweilen hätten die ehrenamtlichen Brandschützer aber auch in Eigenleistung nachgerüstet.

In Rheinland-Pfalz gibt es sechs Berufsfeuerwehren im Land, den Rest der Arbeit übernehmen Ehrenamtliche. Etwa 51.000 Männer und Frauen sind laut Landesfeuerwehrverband als Freiwillige im Einsatz. Verantwortlich für die Feuerwehren sind die Kommunen, doch die zahlen nicht alles alleine. Sie sind zum Beispiel zuständig für Ausrüstungen. Dafür bekommen sie Spenden und Förderungen vom Land. Muss ein neues Gerätehaus gebaut oder ein neues Fahrzeug gekauft werden, teilen sich Kommune, Landkreis und Land die Kosten.

Selbstfinanzierte Feuerwehr-Ausstattung

"Die Feuerwehr ist ein Problemlöser", sagt Hachemer. Da warte man nicht lange ab. Er wisse auch von Feuerwehrleuten, die marode Brandschutzstiefel oder -Handschuhe aus dem eigenen Geldbeutel ersetzten. Auch verschimmelte Feuerwehrkleidung in Spinden sei ihm schon gemeldet worden. "Es gibt schon noch Fälle, wo das im Argen liegt." Aber an die große Glocke werde das in der Regel nicht gehängt.

Kritik der Feuerwehrleute an ihren Einsatzbedingungen Fotos aus dem Feuerwehrgerätehaus in St. Goarshausen

Zwei Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr stehen dicht nebeneinander im maroden Gerätehaus in St. Goarshausen. (Foto: SWR)
Der Platzmangel ist in St. Goarshausen ein großer Kritikpunkt der Freiwilligen Feuerwehr. Bild in Detailansicht öffnen
Nur ein paar Zentimeter bis zur Wand - hier kann im Notfall keiner schnell einsteigen. Bild in Detailansicht öffnen
Das Feuerwehrgerätehaus in St. Goarshausen stammt aus den 1940er Jahren. Bild in Detailansicht öffnen
Bislang vorgesehener Standort für das neue Feuerwehrgerätehaus in der Forstbachstraße, der nach dem Veto des Landesrechungshofes nicht genutzt werden darf. (Archivbild) Mike Weiland/ SPD-Fraktion im Verbandsgemeinderat Loreley Bild in Detailansicht öffnen
Die Wände im Feuerwehrgerätehaus in St. Goarshausen sind teilsweise verschimmelt. In der blauen Rinne werden die Schläuche nach dem Einsatz getrocknet. Bild in Detailansicht öffnen
Mit dieser uralten Konstruktion werden die Schläuche in dem Schacht in die Höhe gezogen, damit sie nach dem Einsatz schon mal trocknen können. Bild in Detailansicht öffnen
An der Treppe sind bei einigen Stufen kleine Stücke abgebrochen. Bild in Detailansicht öffnen

Rechnungshof stoppte Neubau-Pläne in St. Goarshausen

Besonders im Argen liegt die Situation in St. Goarshausen im Rhein-Lahn-Kreis. In dem alten Feuerwehrgerätehaus von 1940 herrscht absoluter Platzmangel. Wenn hier zum Einsatz ausgerückt wird, bekommt der Fahrer des Löschzugs nach eigenen Angaben nur schwer seine Tür auf. Der Rest der Brandhelfer steigt erst vor der Garage ein. 39 Männer und Frauen teilen sich eine Umkleide und ein Waschbecken. Duschen, um nach einem Brand Dreck und Geruch abzuwaschen - Fehlanzeige. In einem Brief haben sich die Ehrenamtlichen daher vor kurzem an die Öffentlichkeit gewandt.

Der Landesfeuerwehrverband möchte den Fall in St. Goarshausen nicht bewerten. Hier gibt es nämlich die Besonderheit, dass es schon ein Grundstück für einen Neubau gab, doch der Landesrechnungshof stoppte den Kauf. Der erwartete finanzielle Verlust sei zu hoch, hieß es auf SWR-Nachfrage. Das Innenministerium sagt, dass der Entscheid des Rechnungshofes zu respektieren sei. Die Behörde sei eine wichtige Kontrollinstanz im Land.

Dauer

Verband: Kein Notstand, aber "Wunden"

Der Landesfeuerwehrverband will an der Aufteilung der kommunalen Selbstverwaltung auch nichts ändern. Es gebe kein Chaos oder einen Notstand, betont Vereinspräsident Hachemer. "Aber es gibt durchaus Wunden, wo man den Finger reinlegen kann." Er würde sich wünschen, wenn es zum Beispiel zu mehr Sammelbeschaffungen kommen und nicht jede Kommune ihr eigenes Feuerwehrauto bestellen würde. Außerdem gingen die meisten Freiwilligen Feuerwehren nicht mit ihren Problemen hausieren. Wenn früher zum Beispiel ein Einsatz mit 20 Personen geleistet worden sei, könne es heute vorkommen, dass ein ähnlicher Einsatz dann nur mit 15 Freiwilligen gemacht würde. Er befürchtet, dass eine schlechte Situation auch auf die Motivation der einzelnen Brandhelfer Auswirkungen habe.

In St. Goarshausen soll es mit allen Beteiligten in der kommenden Woche ein Treffen geben. Mit dabei ist auch ein Vertreter der Aufsichtsbehörde ADD.

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