Impfpflicht für Erzieher (Foto: IMAGO, IMAGO / Lobeca)

Impfdruck am Arbeitsplatz

Warum sich eine Erzieherin aus dem Raum Koblenz extra mit Corona infiziert hat

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Weil ihr der Druck auf der Arbeit zu groß wurde, hat sich eine Erzieherin aus dem Raum Koblenz extra mit dem Coronavirus angesteckt. Eine Impfung kam für sie nicht in Frage.

Anja Hofmann (Name von der Redaktion geändert) ist Corona-positiv. Was für viele Menschen einen Schlag in die Magengrube bedeutet, ist für die Mittvierzigerin ein Grund zur Freude. Denn Hofmann hat sich gezielt selbst angesteckt - in der Hoffnung, ihren Job als Erzieherin wieder wie gewohnt ausüben zu können.

Tägliche Tests und FFP2-Maske am Arbeitsplatz

Seit am Arbeitsplatz die 2-G-Regel gilt, hat sich der Alltag für Hofmann verkompliziert. Eine FFP2-Maske habe sie ohnehin freiwillig getragen, jetzt musste sie ihrem Arbeitgeber zusätzlich jeden Tag einen negativen Corona-Test vorlegen. Das aber sei nicht das Schlimmste gewesen: "Die Kollegen haben mich gemieden, für gruppenübergreifende Aktivitäten wurde ich nicht mehr eingesetzt, und immer wieder musste ich mich dafür rechtfertigen, nicht geimpft zu sein", sagt sie.

Gewerkschaften unterstützen Ungeimpfte bei Bedarf

Nach Angaben der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) führt die Umsetzung der 3G-Regelungen am Arbeitsplatz in allen Branchen, in denen die Beschäftigten vor Ort sein müssen, zu Problemen. Bei Ungeimpften entstehe mitunter ein Gefühl des "Ausgegrenztseins". Mitglieder der GEW könnten eine rechtliche Beratung in Anspruch nehmen, und erhielten dort, "wo die Regelungen von Arbeitgebern nicht richtig umgesetzt werden", auch Unterstützung.

Anfragen aus Kitas seien bei der GEW bislang aber nur sehr vereinzelt eingegangen. Eine Sprecherin erklärte in dem Zusammenhang, dass die Gewerkschaft an die Beschäftigten im Bildungswesen stets appelliert, sich impfen zu lassen. "Dies ist in unseren Augen nicht nur mit Blick auf den Arbeits- und Gesundheitsschutz ein effektives Instrument, sondern auch ein Akt der gegenseitigen Solidarität."

"Ich habe den Druck einfach nicht mehr ausgehalten und dachte mir: Dann hast du es hinter dir."

Anja Hofmann konnte sich zur Impfung nicht durchringen. Um dem "Mobbing auf der Arbeit" zu entgehen, wählte sie einen anderen Weg: Sie besuchte nach eigenen Angaben einen Bekannten, der an Corona erkrankt war, und nutzte ein kontaminiertes Teststäbchen, um sich damit selbst zu infizieren. "Ich habe den Druck einfach nicht mehr ausgehalten und dachte mir: Dann hast du es hinter dir", sagt sie.

Verband der Kita-Fachkräfte kennt keine weiteren Fälle

Dass Erzieher einen solchen Weg einschlagen, ist dem Verband der Kita-Fachkräfte in Rheinland-Pfalz mit Sitz in Boppard neu. Die Vorsitzende, Claudia Theobald, sagt jedoch, dass es immer noch einige Erzieher gibt, die eine Impfung ablehnen oder dem Beruf den Rücken kehren wollen, wenn eine Impfpflicht kommt. "Solange es die nicht gibt, steht auch jeder Kita-Fachkraft frei, ob sie sich impfen lässt oder lieber die Einschränkungen in Kauf nimmt, die aus ihrem Status als ungeimpfte Person entstehen."

Theobald verweist auch auf Fälle aus der Zeit vor der Impfkampagne, in denen Erzieher oder Erzieherinnen mit schweren Verläufen zu kämpfen gehabt hätten und zum Teil auch immer noch an den Folgen einer Corona-Infektion zu leiden hätten.

Keine Angst vor der Corona-Infektion

Angst vor der Corona-Infektion und ihren möglichen Folgen wie Long-Covid oder Post-Covid hatte Anja Hofmann nicht. Sie begründet das mit eigenen Erfahrungen mit Corona-Erkrankungen in ihrem Umfeld und verweist auf Aussagen von umstrittenen Wissenschaftlern wie Wolfgang Wodarg, der im Zusammenhang mit der Pandemie immer wieder von Panikmache sprach. Hofmann glaubt deshalb nicht, dass Corona für sie gefährlich ist: "Ich ernähre mich gesund und bin viel an der frischen Luft. Ich vertraue da auf mein Immunsystem."

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In die Impfung hingegen hat sie kein Vertrauen - sie lehnt sie genauso ab, wie zum Beispiel Antibiotika. Bisher sei sie auch gut ohne "Chemiekeulen" durchs Leben gekommen. Sie ärgert sich deshalb auch über "Pauschalaussagen" wie, dass sich Impfkritiker "vor dem Pieks fürchten, aber die Pille nehmen" würden. Angesichts der hohen Zahl an Impfdurchbrüchen bei Geimpften und Geboosterten kann sie auch nicht verstehen, warum gerade sie eine Gefahr für andere darstellen sollte.

Ausgrenzung führte zu Depression

Hofmann ist enttäuscht von ihren Mitmenschen - aber auch von der Regierung, die durch ihre Maßnahmen zur Spaltung der Gesellschaft beigetragen habe. "Ich weiß nicht, was mich mehr schockiert. Dass unsere Freiheitsrechte so einfach beschnitten wurden, oder dass die Leute das alles mit sich machen lassen." Die Ausgrenzung, die sie als Ungeimpfte in den letzten Monaten erfahren habe, hätte sie geradezu in eine Depression gestürzt.

Keine Besuche im Restaurant, keine Shopping-Touren, kein Kino - was für Geimpfte und Geboosterte möglich ist, bleibt Ungeimpften derzeit verwehrt. Hofmann kritisiert die aktuellen Maßnahmen als ungerecht und meint: "Wenn die Regeln nachvollziehbar wären, könnte ich sie auch besser ertragen."

"In dieser Gemeinschaft erfahre ich das, was ich in der breiten Öffentlichkeit nicht mehr finde: Nächstenliebe."

Erzieherin hofft, dass Impfpflicht nicht kommt

Gleichgesinnte habe Hofmann schließlich auf den Demonstrationen gegen die Corona-Politik und über soziale Medien wie Telegram gefunden. "In dieser Gemeinschaft erfahre ich das, was ich in der breiten Öffentlichkeit nicht mehr finde: Nächstenliebe", betont sie. Natürlich gebe es auch schwarze Schafe unter den Demonstranten, die seien aber eine kleine Minderheit - auf die sich "die Medien stürzen" würden.

Hofmann hofft, dass die Proteste dazu führen, dass die Impfpflicht in Deutschland nicht kommt. Denn auch wenn sie jetzt Corona hat - ihr Genesenenstatus wird sie nicht lange davor bewahren, sich wieder mit der Impfung auseinandersetzen zu müssen. Vor Kurzem wurde die Zeitspanne, in der ein Genesener die gleichen Vorteile wie ein Geimpfter hat, von sechs auf drei Monate verkürzt. Auf die Frage, was sie in drei Monaten macht, meint Hofmann: "Ich weiß es nicht."

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