Medikamente gegen Corona (Foto: IMAGO, Lobeca/FelixxSchlikis)

Frühe Therapie für Risikopatienten

Koblenzerin dank Corona-Medikament wieder wohlauf

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Risikopatienten erhalten in Koblenz bei einer Corona-Infektion jetzt möglichst früh antivirale Medikamente. Ziel ist, dass sie nicht ins Krankenhaus müssen. Die erste Bilanz ist positiv.

40 Grad Fieber, schwere Kopf- und Gliederschmerzen - und das über mehrere Tage. So erging es einer 45 Jahre alten Frau Anfang des Jahres. Die Koblenzerin, die unerkannt bleiben möchte, hatte sich bei ihrem Sohn mit dem Coronavirus angesteckt. Die Symptome begannen ihren Worten zufolge zwei Tage, nachdem er positiv auf Corona getestet worden war.

Schwere Corona-Erkrankung trotz Impfung

Sie war doppelt geimpft, die zweite Impfung mit Biontech lag erst zwei Monate zurück, erzählt sie dem SWR. Trotzdem erkrankte sie schwer an Covid-19: "Das lässt sich kaum beschreiben. Es war dreimal schlimmer als eine normale Erkältung", meint sie im Rückblick. Dass sie nicht im Krankenhaus gelandet ist, schreibt sie einem Medikament zu: "Lagevrio".

Die betroffene Frau ist nach Angaben der Leiterin der Koblenzer Corona-Ambulanz, Dr. Astrid Weber, die erste Koblenzerin, die mit dem Medikament behandelt wurde. Das Medikament kann laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung seit Anfang des Jahres verordnet werden. Die Bundesregierung hatte demnach zunächst 80.000 Dosen beschafft.

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Wie die Medizinerin Astrid Weber berichtet, bekommt nicht jeder Infizierte eine Tablette. Das neue Medikament soll nur den Patienten verabreicht werden, die ein sehr hohes Risiko haben, schwer an Corona zu erkranken. Um diese herauszufiltern, sei gemeinsam mit dem Bundeszentralkrankenhaus (BWZK) für die Corona-Ambulanz ein Algorithmus entwickelt worden.

Online-Fragebogen hilft dabei, Risikopatienten zu ermitteln

Auch die 45-Jährige gehörte mit einer Reihe von Vorerkrankungen wie Diabetes zu diesen 0,5 bis 1 Prozent der Patienten mit einem besonderen Risiko. Die Betroffene berichtet, ihre Hausärztin habe sie an eine Koblenzer Klinik verwiesen, wo sie einen Fragebogen ausfüllen musste. "Danach ging alles sehr schnell. Ich habe einen Anruf bekommen und konnte mir die Tabletten abholen", berichtet sie. Fünf Tage lang habe sie acht Kapseln des Medikaments einnehmen müssen - vier morgens und vier abends, alles daheim.

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Direkt am Morgen nach der ersten Einnahme habe sie schon eine erste Wirkung gespürt. "Die Schmerzen waren nicht weg, aber sie waren nicht mehr so agressiv. Sie waren erträglich", erinnert sie sich. Auch das Fieber sei nach und nach gesunken und es habe sich Erleichterung bei ihr breit gemacht. "Das war wie ein Wunder", meint sie. Nebenwirkungen habe sie keine gehabt.

Bereits dreizehn Patienten mit Lagevrio behandelt

Auch andere Patienten konnten nach Angaben von Dr. Astrid Weber berits erfolgreich mit "Lagevrio" behandelt werden. Insgesamt hätten bislang dreizehn Patienten das Medikament erhalten. "Soweit man das bisher sagen kann, geht es allen gut", erklärt Weber dem SWR gegenüber. Sie spricht von einem erfolgreichen Start des Projekts "Frühtherapie".

Die Medikamenteneinnahme der 45-Jährigen ist jetzt einen Monat her. Ganz gesund ist sie immer noch nicht - sie leidet an Long-Covid: "Ich bekomme den Husten nicht weg", sagt sie. Sie weiß aber: Es hätte noch viel schlimmer kommen können. "Ohne das Medikament wäre ich sicher auf der Intensivstation gelandet", glaubt sie.

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