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Die Koblenzer Apotheke, die wegen ihrer Globuli aus Corona-Impfstoff in die Kritik geraten war, bietet die homöopathischen Kügelchen nicht mehr an. Die Landesapothekerkammer prüft unterdessen, ob die Apothekerin ihre Berufspflicht verletzt hat.

Vergangene Woche hatte es auf der Internetseite der Koblenzer Schloss-Apotheke geheißen: "Wir haben Pfizer/BioNTech Covid-19-Vaccine in potenzierter Form bis D30 als Globuli oder Dilution (zur Ausleitung) vorrätig." Das Angebot, aus Impfstoff ein homöopathisches Mittel herzustellen, hatte in den sozialen Medien in kurzer Zeit einen Shitstorm gegen die Apotheke ausgelöst.

Apothekerin spricht von einem Missverständnis

Die Apothekerin räumt inzwischen ein, dass die Aussage im Internet missverständlich gewesen sei. Sie habe keinen Ersatz für einen Corona-Impfstoff herstellen wollen. Mit dem homöopathischen Mittel hätten bereits verabreichte Corona-Impfungen besser wirken und mögliche Nebenwirkungen reduziert werden sollen. Dazu habe die Apothekerin nach eigenen Angaben Reste aus Impfdosen eines Koblenzer Impfzentrums verwendet. Die Globuli seien nur an wenige Kunden, vor allem Ärzte und Heilpraktiker verkauft worden.

Das rheinland-pfälzische Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung als Apothekenaufsicht hatte den Verkauf des homöopathischen Produkts vorsorglich untersagt. Man prüfe, "ob gegen arzneimittelrechtliche oder sonstige Vorschriften verstoßen wurde".

Hat Apothekerin ihre Berufspflicht verletzt?

Auch die Landesapothekerkammer prüft inzwischen nach eigenen Angaben, ob die Apothekerin ihre Berufspflicht verletzt hat. Der Geschäftsführer der Kammer in Mainz sagte auf SWR-Anfrage, die Apotheke habe nun zwei Wochen lang Zeit, sich zu äußern. Die Landesapothekerkammer könne dann darüber entscheiden, ob sie eine Rüge, eine Belehrung oder Ermahnung gegen die Apotheke ausspreche. Auch eine Geldbuße von bis zu 25.000 Euro sei denkbar.

Apotheke hat übrig gebliebene Impfstoffreste verwendet

Die Impfstoffreste habe die Apotheke in Absprache mit dem Gesundheitsministerium bekommen, bestätigt der Koblenzer Oberbürgermeister David Langner (SPD) auf SWR-Anfrage. Demnach habe die Apotheke übrig gebliebene Kleinstmengen Impfstoff erhalten, um damit versuchsweise homöopathische Mittel herzustellen. Die Apotheke habe sich verpflichtet, alle rechtlichen Aspekte selbst zu klären, sagte Langner.

Der Präsident des zuständigen Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung, Detlef Placzek, hatte zuvor den Koblenzer Oberbürgermeister als Verantwortlichen des Impfzentrums gebeten, die Angelegenheit zu prüfen und nach eigenem Ermessen "geeignete Mittel zu ergreifen".

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Kunden wurden über die Anwendung der Globuli informiert

Die Globuli seien an eine mittlere zweistellige Anzahl an Kunden verkauft worden, teilt die Apothekerin dem SWR schriftlich mit. Diese seien über die Anwendung und Wirkung aufgeklärt worden. Das Mittel sei auch nur an Kunden verkauft worden, bei denen die Apothekerin wusste, dass ihnen die Wirkung klar ist.

Um jeden Zweifel auszuräumen, seien die Käufer bereits vergangenen Freitag nochmals einzeln kontaktiert worden. Die Apotheke hat die Produktion der Globuli, von denen 10 Gramm etwa 15 Euro kosten, nach eigenen Angaben inzwischen eingestellt.

Corona-Globuli kein Ersatz für Impfung

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte teilte mit, es liege in der Eigenverantwortung der Apotheker, auf Wunsch von Ärzten oder Heilpraktikern etwa aus Impfstoffen homöopathische Präparate herzustellen. Kunden müssten darüber aufgeklärt werden, dass solche Präparate kein Ersatz für eine Impfung seien. Immer wieder wird nicht nur in sozialen Medien diskutiert, ob homöopathische Globuli gegen Corona helfen können. Wirksame Vakzine dieser Art gibt es nach Aussage von Experten nicht.

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