Bushaltestelle in Polch (Foto: SWR)

Kreis und VRM sehen keine schnelle Lösung

Bus-Chaos im Kreis Mayen-Koblenz: Rechtsanwalt eingeschaltet

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Vor vier Wochen hat die Transdev den Busverkehr im Kreis Mayen-Koblenz übernommen. Seitdem hagelt es Beschwerden - vor allem von Eltern, die um die Sicherheit ihrer Kinder fürchten.

Vier Wochen nach dem Fahrplanwechsel ist das Vertrauen in das Transportunternehmen Transdev bei den Eltern erschüttert: Nahezu stündlich veröffentlichen sie Beispiele in den sozialen Medien - von Bussen, die falsch in einen Kreisverkehr fahren, gefährlichen Wendemanövern oder Bussen, die mit offener Tür unterwegs sind. Auf eine SWR-Anfrage antwortet das Unternehmen Transdev, dass die offenen Türen ein technisches Problem seien. Der Fahrzeughersteller bemühe sich um eine Lösung.

Schon Dellen und Schrammen in nagelneuen Bussen

Viele der Busse sind nagelneu, sogar Doppeldecker sind im Einsatz, aber einige haben schon Dellen und Schrammen. Da sich die Busfahrer oft verfahren, werden in engen Straßen immer wieder Seitenspiegel von parkenden Autos abgefahren, beim Rangieren Mauern gerammt und in Ochtendung wurde sogar ein Wartehäuschen schon aus der Verankerung gerissen.

"Nach allem, was passiert ist, hatte ich gehofft, dass der Amtsschimmel nicht alles wieder in die Länge zieht."

Kleinere Schäden und einen Auffahrunfall mit Personenschaden bei leerem Bus räumt das Unternehmen ein und führt es darauf zurück, dass die Fahrer noch unerfahren seien. Für die Eltern ein schwacher Trost. Stefan Grove aus Polch hatte gehofft, dass der Landesbetrieb Mobilität (LBM) für eine schnelle Lösung des Problems sorgt. Jetzt ist der Vater zweier Töchter enttäuscht.

VRM: Rechtsanwalt prüft mögliche Vertragskündigung

Der Kreis Mayen-Koblenz und der Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM) kennen das. Sie versuchen, Ordnung ins Bus-Chaos zu bringen. Der VRM hatte zusammen mit dem Kreis den neuen Fahrplan erstellt und den Beförderungsauftrag an die Transdev vergeben. Der Kreis und der VRM haben das Unternehmen bereits ein Mal abgemahnt und eine ganze Liste mit Vertragsverstößen erstellt - etwa Fahrten, die ausgefallen sind. Dabei seien bis jetzt schon Geldstrafen von über 200.000 Euro zusammen gekommen.

VRM-Geschäftsführer Stephan Pauly sagte dem SWR, ein Rechtsanwalt prüfe momentan, ob und wie man den Vertrag mit Transdev wieder kündigen könne. Am Mittwoch gehe aber zunächst ein Schreiben an den Mutterkonzern von Transdev in Berlin und Paris raus, in dem erneut und mit Nachdruck gefordert werde, die mangelhaften Leistungen abzustellen. Jetzt müsse man dem Unternehmen die Möglichkeit zu einer Anhörung geben. Diese müsse in schriftlicher Form erfolgen und bis Ende kommender Woche vorliegen. Eine schnelle Lösung im Bus-Chaos im Kreis Mayen-Koblenz ist damit nicht in Sicht.

Gemeldete Sicherheitsmängel sollen überprüft werden

Bereits am Montag hatte es eine Sondersitzung der Fraktionsvorsitzenden der Parteien im Kreistag Mayen-Koblenz gegeben. Dabei ging es nach Angaben des Kreises vor allem um die Sicherheit im Schulbusverkehr. Dort dürfe es null Toleranz geben, hieß es nach dem Treffen. Nun sei der Landesbetrieb Mobilität (LBM) gefragt, der für die Sicherheit im öffentlichen Personennahverkehr zuständig ist.

Nach Auskunft einer Sprecherin prüft der LBM die gemeldeten Vorfälle. Sollte der LBM dabei zu dem Schluss kommen, dass die Sicherheit der Schüler gefährdet sei, kann er dem Verkehrsunternehmen Transdev verbieten, weiter zu fahren.

Bereits im vergangenen Monat hatte der Kreis Transdev wegen Nichterbringung der vertraglich vereinbarten Leistungen abgemahnt. Die Situation der Ausfälle habe sich aber seit Dezember wesentlich verbessert. Allerdings gibt es nach Angaben des Kreises immer noch Probleme was das Thema Sicherheit angeht.

Neben Ausfällen komme es auch zu gefährlicheren Situationen

Seit Dezember herrscht das Bus-Chaos bereits im gesamten Kreisgebiet. Der Hintergrund: die Fahrplanumstellung und auch der damit verbundene Wechsel der Betreibergesellschaft. Seit dem 12. Dezember ist die Busgesellschaft Transdev dafür zuständig, dass die Schulbusse durch Kruft, Mendig und die weiteren Ortschaften im Kreis rollen.

Seitdem sei es auch immer wieder zu gefährlicheren Situationen gekommen. Eine Mutter aus Kruft erzählte, dass ihre Tochter bereits dreimal in einer Bustür eingeklemmt worden sei, seit Transdev zuständig ist. Seitdem habe ihre Tochter Angst, mit dem Bus zu fahren. "Was bedeutet, dass ich oft fahren muss und es kann auch nicht die Lösung sein, dass ich als Mama jeden Morgen parat stehen muss oder Angst haben muss, ob und wie meine Tochter mit dem Bus mitkommt", sagt die Mutter aus Kruft.

Polizei Mayen verzeichnet mehr Unfälle an denen Busse beteiligt sind

Eine zweite Mutter erzählt, dass ihre Tochter ihr schon panisch Fotos oder Videos aus dem Bus geschickt hat, weil sie nicht wusste, wo sie gerade war. Der Bus sei nicht auf der regulären Strecke unterwegs gewesen, sagt die Mutter. "Unsere Nerven liegen blank."

Diese Erfahrungen decken sich auch mit den Zahlen der Polizei. Die Mayener Polizei verzeichnet nach eigenen Angaben seit Dezember einen deutlichen Anstieg von Verkehrsunfällen im Kreis, an denen Busse beteiligt sind. Bisher ist es nach Auskunft eines Polizeisprechers bei leichteren Unfällen geblieben.

Eine zerstörte Bushaltestelle in Ochtendung (Foto: Andreas Lung)
Das Wartehäuschen in Ochtendung soll ein Bus beschädigt haben. Andreas Lung

Ochtendung: Anwohner beschweren sich über Busverkehr

In Ochtendung haben sich zuletzt Anwohner über Ruhestörungen und gefährliche Situationen durch Busse auf der Hauptstraße beschwert. Das bestätigte Ortsbürgermeister Lothar Kalter (SPD) dem SWR. Die Busfahrer würden auf der neu gebauten Asphaltfläche umständlich und in mehreren Zügen wenden, teils die Straße blockieren oder über längere Zeit mit laufendem Motor warten.

Nach Angaben des Bürgermeisters haben die Fahrer offenbar nicht die richtigen Anweisungen erhalten, wie sie auf der Fläche in einem Zug wenden können. Er habe sich bereits schriftlich an die Kreisverwaltung und die Ordnungsbehörde gewandt. Die Verantwortung liegt laut Kalter aber allein bei dem Verkehrsunternehmer, der seine Fahrer richtig schulen müsse.

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