Bundespräsident Steinmeier steht der Ahr und schaut auf die durch die Flut zerstörten Ufergebiete (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Bundespräsident besucht Ahrtal

Steinmeier: "Wir werden euch nicht vergessen"

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Sonntag das Ahrtal besucht. Den zahlreichen betroffenen Menschen und den vielen Helferinnen und Helfern machte er ein Versprechen.

Steinmeiers erste Station am Nachmittag war Ahrweiler, ein Ortsteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler. An der Ahr machte er sich ein Bild vom Ausmaß der Zerstörung durch die Flutkatastrophe sowie vom Stand des Wiederaufbaus.

Beim anschließenden Rundgang durch die Altstadt von Ahrweiler kam er mit Anwohnerinnen und Anwohnern ins Gespräch, hörte sich ihre Sorgen und Ängste an und sicherte weitere Hilfen zu: "Wir werden euch nicht vergessen, das war das Versprechen aus den Tagen der Flut. Ein Versprechen, das wir einhalten müssen", sagte Steinmeier.

Spiegel: Besuch ein "sehr wichtiges Signal"

Begleitet wurde Steinmeier von der stellvertretenden rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin und Klimaschutzministerin Anne Spiegel (Grüne) sowie von Innenminister Roger Lewentz (SPD). Spiegel dankte Steinmeier für den Besuch, der ein "sehr, sehr wichtiges Signal" sei.

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Steinmeier trifft spontan private Helfer

Das Staatsoberhaupt zeigte sich bei einem Gang durch die historische Altstadt von Ahrweiler sichtlich betroffen. "Das Maß der Zerstörung wird erst richtig klar, wenn man hier in den Straßen einen Blick in die Häuser wirft", so Steinmeier. Am Marktplatz ging er spontan auf den Stand der privaten Initiative "Heute für morgen" zu. Helfer aus Münster bieten dort einen Anlaufpunkt für praktische Unterstützung und Gespräche bei Kaffee und Kuchen. Im benachbarten Pfarrbüro der Kirche St. Laurentius traf sich der Bundespräsident mit zwei Ehepaaren, die in der Flut Angehörige verloren haben. Auf dem weiteren Weg wurde er von Bewohnern begrüßt und ins Haus gebeten.

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Trauer und Alltagsbewältigung im Vordergrund

"Es ist wenig von Vorwürfen zu hören", sagte Steinmeier nach den Gesprächen mit Betroffenen. Natürlich sei das System der Katastrophenwarnung ein Thema. Aber im Vordergrund stehe die Trauer - und die Alltagsbewältigung mit Blick auf den nahenden Winter. Er hoffe, dass es wenigstens provisorische Lösungen für alle gebe, die noch ohne Heizung und Stromversorgung seien.

Steinmeier schaffe Aufmerksamkeit für das Ahrtal

Für Gastwirtinnen und Gastwirte und Winzerinnen und Winzer in der Region ist die Lage immer noch desolat. Bundespräsident Steinmeier besuchte daher auch die Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr.

Deren Geschäftsführer, Matthias Baltes, freute sich im Vorfeld auf den Besuch: Steinmeier schaffe Aufmerksamkeit, denn das Ahrtal sei immer mehr von den Titelseiten verschwunden. Der Weinbau im Ahrtal habe es schwer, weil üblicherweise mehr als die Hälfte des Weins direkt im Tal verkauft wurde, in Vinotheken an Touristinnen und Touristen.

Steinmeier dankt Helferinnen und Helfern

Die dritte Station führte Steinmeier zum Helfer-Shuttle in die Gemeinde Grafschaft. Von hier aus werden bis heute freiwillige Helferinnen und Helfer mit Kleinbussen ins Ahrtal gefahren, alles in Privatinitiative. Steinmeier dankte diesen Menschen für ihr Engagement. Nach Angaben des Shuttledienst-Gründers Marc Ulrich sind auch Monate nach der Flutkatastrophe noch etwa 400 bis 500 freiwillige Helfer an jedem Werktag im Einsatz, am Wochenende etwas mehr.

Dass die Helferinnen und Helfer bis heute wichtig sind, das sagt auch Matthias Baltes von der Winzergenossenschaft in Mayschoß. Gerade jetzt würden sie in der Weinlese gebraucht oder zum Reinigen der Flaschen des sogenannten Flutweins, von denen viele noch voller Schlamm seien.

Am 1. September hatte Steinmeier an einem Staatsakt für die Opfer der Hochwasserkatastrophe teilgenommen. Damals sagte er am Nürburgring, es gehe nicht allein um Soforthilfe für den Wiederaufbau. "Sie brauchen unsere Hilfe und unsere Aufmerksamkeit nicht nur jetzt, in der akuten Not, sondern für lange Zeit." Ein Versprechen, das er gegenüber den Menschen bei seinen drei Besuchen am Sonntag erneuerte.

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