Eine Fahne mit der Aufschrift "Oberes Mittelrheintal - UNESCO-Welterbe" weht am 27.07.2009 über der Marksburg in Braubach bei Koblenz, während im Hintergrund ein Frachtschiff auf dem Rhein zu sehen ist. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance/ dpa | Uwe Anspach)

Gartenschau soll Tal nach vorne bringen

BUGA 2029: Neue Chance für das Welterbe Oberes Mittelrheintal

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Seit 20 Jahren ist das Obere Mittelrheintal jetzt Welterbe. Die Bundesgartenschau 2029 soll frischen Wind ins Tal bringen. Doch bis dahin ist noch einiges zu tun.

Schlimmer Start ins Jahr 2022 für die BUGA

2022 sollte das Jahr werden, in dem Berthold Stückle als Geschäftsführer der Bundesgartenschau Oberes Mittelrheintal 2029 gGmbH anfängt und die BUGA-Pläne vorantreibt. Doch Anfang des Jahres kommt die Schocknachricht: Berthold Stückle stirbt völlig unerwartet. Die BUGA braucht einen neuen Chef. Interimsmäßig hat Rainer Zeimentz von der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz die Leitung übernommen.

Das Auswahlverfahren für die neue BUGA-Geschäftsführung läuft noch. Potenzielle Kandidatinnen oder Kandidaten sind nicht bekannt. Womöglich könne im Herbst der oder die Neue bekannt gegeben werden, heißt es beim Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal.

Wie sehen die Menschen im Tal die BUGA-Pläne?

Fährmann Klaus Hammerl steht am Rheinufer und blickt in die Kamera. (Foto: SWR)
Klaus Hammerl, Fährbetreiber aus St. Goarshausen: "Ich erwarte mir einen Impuls, der lange nachwirkt. Eine Regionen-BUGA ist sehr ambitioniert. Das wird nicht leicht. Ich hoffe, dass der BUGA Erfolg beschert wird und dass der vor allen Dingen bleibt! Aber es gibt auch viele Probleme für uns: Der Fachkräftemangel und das Niedrigwasser. Und: Für die BUGA brauchen wir Parkplätze. Auch wenn die auf der Höhe liegen, braucht es Bus-Shuttle. Aber wir haben nicht genügend Busse und Busfahrer." Bild in Detailansicht öffnen
Martina Lorenz, Hotel "Zum Landsknecht" in St. Goar: "Ich erhoffe mir für die Buga im Mittelrheintal ähnlich tolle und begeisterte Gäste aus der ganzen Welt wie damals zur BUGA 2011. Ich wünsche mir, dass sich unsere Städte auf die Hinterbeine stellen. Wir brauchen ein breitgefächertes gastronomisches Angebot. Die Menschen wollen nicht nur im Supermarkt und was an der heißen Theke essen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob und wo wir eine Rheinquerung brauchen. Ich bin für einen Tunnel!“ Bild in Detailansicht öffnen
Rainer Weinand, Fahrgastschiffer der Loreley-Linie Kamp-Bornhofen: "Wir erhoffen uns Aufschwung, auch in den kleinen Mittelrheinorten. Für Straßen, Radwege und Uferanlagen muss noch viel getan werden. Ich hoffe, dass wir spätestens zur BUGA wieder zwei Mal die Woche nach Rüdesheim fahren können. Das ist bei unseren Gästen sehr beliebt. Übrigens sind die geplanten Wassertaxis überflüssig: Leute, die zur BUGA nach Koblenz fahren, fahren nicht am selben Tag nach Boppard oder Lahnstein." Bild in Detailansicht öffnen
Arno Geisel, Das Loreley Weinstübchen, St. Goarshausen: "Wir wollen gerne unseren Betrieb erweitern. Dazu haben wir nebenan das Haus gekauft, um 25 Gästezimmer einzurichten. Aber wir kriegen viele Knüppel in den Weg gelegt. Für St. Goarshausen wünsche ich mir, dass zum Beispiel der Hafen umgestaltet wird. An der B42 zur Loreley wird jetzt noch wild geparkt. Und: Die schlimmsten Radwege gibt es rund um St. Goarshausen, das ist ein einziger Rosthaufen!" Bild in Detailansicht öffnen
Marianne Müller, Winzerin aus Spay: "Die Bundesgartenschau bringt uns dazu, im Tal enger zusammenzuarbeiten. Wir sind das zweitkleinste Weinanbaugebiet in Deutschland, aber das einzige, das in einem Welterbegebiet liegt. Ich würde mir wünschen, dass manche Entscheidungen beim Weinbau, etwa beim Bewässern, schneller fallen. So etwas wie ein "Talparlament“ wäre toll." Bild in Detailansicht öffnen
Marcus Fetz, FETZ Das Loreleyhotel in Dörscheid: "Ich erwarte, dass noch mehr Touristen ins Tal kommen. Dabei sind wohl die Erwartungshaltungen von Politikern, Touristikern und Menschen, die im Tal wohnen, gleich. Ich wünsche mir noch mehr Engagement, dass wir das Tal noch besser präsentieren, egal, ob das Infrastruktur oder privates Gelände ist. Dass da wirklich jeder denkt, wir haben jetzt die BUGA, unsere BUGA, dass halt weiter unser Tal entwickelt wird." Bild in Detailansicht öffnen

Das passiert im zweiten Halbjahr 2022 für die BUGA 2029

Der Gestaltungswettbewerb für die BUGA-Flächen wird vorbereitet. Noch in diesem Jahr soll er ausgelobt werden, so ein Sprecher der BUGA 2029. Wesentlich bei dem Wettbewerb ist, dass die eingereichten Ideen welterbeverträglich sein sollen - zum Beispiel bei der Umgestaltung des 20,4 Hektar großen Rhein- und Lahnufer-Areals in Lahnstein oder beim geplanten Klimapark auf dem Loreley-Plateau.

Gestaltungswettbewerb für die BUGA 2029 in Vorbereitung

Der oder die Siegerin des Wettbewerbs soll nach Angaben der BUGA 2029 im Sommer 2023 bekannt gegeben werden. Ab 2025 könne im Mittelrheintal gebaut werden. Ein Großteil des BUGA-Investitionsbudgets ist für diese Umgestaltungen vorgesehen.

BUGA-Budget nach Preissteigerungen noch realistisch?

108 Millionen Euro soll die BUGA in sieben Jahren kosten. Davon sollen maximal 50 Millionen Euro im Vorfeld investiert werden, 58 Millionen Euro soll die Durchführung der BUGA kosten. So ist es in der Verwaltungsvorschrift des Landes nachzulesen.

Welche Auswirkungen die aktuellen Preissteigerungen in der Bau-Branche oder womöglich auch noch der Wiederaufbau des Ahrtals auf die Gestaltungsprojekte und das Budget haben werden, ist noch nicht abzusehen. Ausgeschrieben sei bislang noch nichts, betont die Interims-Geschäftsführung der BUGA 2029. Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass unter anderem wegen Kostensteigerungen die BUGA 2025 in Rostock abgesagt wurde.

Mobilität im BUGA-Tal in sieben Jahren

Neben der bislang viel zu geringen Anzahl von Hotel- und Gästebetten im Mittelrheintal dürfte das Mobilitätskonzept zu den größten Herausforderungen für die BUGA 2029 zählen. Die Bundesgartenschau braucht ein Konzept für Verbindungen von den Höhen des Taunus' und Hunsrücks ins Tal, von Nord nach Süd und von linker zu rechter Rheinseite.

Im Tal lassen sich kaum neue Parkplätze schaffen, das weiß auch die BUGA. Dafür gibt es schlicht keinen Platz und auf den Individualverkehr zu setzen, wäre auch nicht mehr zeitgemäß. Reisebusse mit großen Besuchergruppen brauchen zentrale Anfahrtsstellen, mit Shuttle-Möglichkeiten - wobei auch Schiff oder Bahn eingeplant werden.

Keine Brücke zwischen Koblenz und Bingen

Schließlich ist im BUGA-Konzept auch von Wassertaxis und vom Ausbau der Fährmöglichkeiten die Rede. Doch weder gebe es dafür derzeit die entsprechenden Schiffe oder Fähren im Tal, noch ausreichend Personal. So schätzen es zumindest einige Fahrgastschiffbetreiber auf SWR-Anfrage ein. Bislang gibt es im Welterbetal fünf Fähren.

Für eine sogenannte Querung im Mittelrheintal bei Sankt Goarshausen und Sankt Goar läuft derzeit das Raumordnungsverfahren. Darin werden nicht nur drei verschiedene Varianten für eine seit langem diskutierte Brücke geprüft, sondern ebenfalls eine Lösung mit einem Tunnel und der Ausbau des Fährbetriebs. Nicht jede dieser Lösungen wäre wohl bis zur BUGA 2029 umsetzbar.

Der Treppenaufgang zum Bahngleis in Rhens. 39 Stufen müssen nicht nur Gehbehinderte überwinden, um hoch zu kommen. (Foto: SWR)
Nach Vorstellungen der Bahn bleiben die Haltepunkte Rhens, Kestert und Filsen im Mittelrheintal auch künftig nicht barrierefrei.

Barrierefreie Bahn - nicht überall zur BUGA 2029

Im Mittelrheintal gibt es linksrheinisch zehn und rechtsrheinisch zwölf Bahnhaltepunkte. Einige von ihnen saniert die Bahn bis zur BUGA. Doch die Stationen in Rhens, Kestert und Filsen wird die Bahn nicht barrierefrei ausbauen. Eine Bahnsprecherin sagte auf SWR-Anfrage, die Ein- und Aussteigezahlen seien dort mit weniger als 300 Reisenden am Tag zu gering.

Problem: das schwer erreichbare Loreley-Plateau

Auf dem Loreley-Plateau werden die Parkplätze den Plänen zufolge sehr begrenzt bleiben. Als Ideen, um die Menschen auch ohne Auto hoch auf den Felsen zu bringen, nennt die BUGA 2029 in ihrem Blog - auf der Basis der Machbarkeitsstudie - eine Seilbahn oder einen Schrägaufzug als Beispiele. Solche Leuchtturmprojekte bedürfen mit hoher Wahrscheinlichkeit der Abstimmung mit dem UNESCO-Welterbekomitee. Sieben Jahre bis zur BUGA sind auch hier nicht viel Zeit für Planung, Genehmigung und Bau.

Streit um Freilichtbühne könnte BUGA-Pläne stören

Das BUGA-Konzept sieht vor, dass die Loreley 2029 zur Sommerzeit im Mittelpunkt stehen wird. Doch vielleicht ohne die berühmte Freilichtbühne, denn um die läuft zurzeit ein Gerichtsverfahren. Der Pächter der Loreley-Freilichtbühne und die Verpächterin - die Stadt Sankt Goarshausen - sind zerstritten. Im Rahmen der Verhandlung am Oberlandesgericht in Koblenz sah es zwar einmal nach einer gütlichen Einigung aus.

Bei dem Lösungsvorschlag sollte die BUGA 2029 als Betreiberin einspringen. Doch mit dem Tod von BUGA-Geschäftsführer Berthold Stückle scheiterte der mögliche Vergleich. Nun wird für den Herbst ein Urteil erwartet. Ob Sankt Goarshausen sich bis dahin noch außergerichtlich mit dem Pächter einigen kann, ist fraglich.

Sankt Goarshausen

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