Ein Leichenwagen im Hochwassergebiet (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa / Sven Hoppe)

Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz

Probleme mit Bestattungen im Kreis Ahrweiler

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Nach der Flut im Ahrtal ist es im Kreis Ahrweiler aufgrund zerstörter Friedhöfe noch schwierig, Tote beizusetzen. Bei mehreren Bestattungsinstituten wurden auch Leichenwagen und Büroräume schwer beschädigt.

"Grabmonumente wurden verschoben, Trümmer und Schlamm konnten zum Teil noch nicht komplett beseitigt werden", sagte Christian Jäger, der als Geschäftsführer die beiden Bestatterverbände Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vertritt. Aktuell stehe oftmals noch nicht fest, wo Verstorbene überhaupt beigesetzt werden könnten. "Da muss natürlich auf die Angehörigen Rücksicht genommen werden. Es macht ja keinen Sinn, die gestorbenen Menschen in weit entfernten Orten beizusetzen", sagte Jäger.

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Bestattungsfahrzeuge bei Hochwasser zerstört

Mit Blick auf die Bestattungsunternehmen selbst habe es im besonders betroffenen Kreis Ahrweiler drei Unternehmen gegeben, bei denen die Betriebe sowie die Fahrzeuge durch die Überflutung in Mitleidenschaft gezogen wurden. Gleichwohl würden sich die Betriebe in der Region solidarisch gegenseitig helfen.

Viele der betroffenen Fahrzeuge standen etwa bei den verheerenden Fluten in Garagen der Bestattungsinstitute und seien dann mit Wasser vollgelaufen. Einigen von ihnen fehlt es nun an Transportwagen. "Es gibt nur eine sehr begrenzte Anzahl von Bestattungsfahrzeugen. Die sind erst mal unersetzlich", heißt es vom Bestatterverband. Die Fahrzeuge seien Einzelanfertigungen und würden nur auf Anfrage hergestellt. Deshalb sei es schwierig, diese zu ersetzen. Man könne sich untereinander aber gut unterstützen, indem Kollegen etwa unbeschädigte Transportwagen ausleihen.

Kühlräume oder dort untergebrachte Verstorbene seien aber nicht von der Flut getroffen worden. In Orten, die von Stromausfällen betroffen waren, hätten Kollegen die Verstorbenen zum Beispiel abgeholt und bei sich in den Bestattungshäusern untergebracht, um sie zu kühlen.

Der Friedhof am Ahrtor in Bad Neuenahr-Ahrweiler ist völlig zerstört.  (Foto: SWR)
Auch Friedhöfe wurden vom Hochwasser zerstört - so wie hier am Ahrtor in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Gesetzliche Bestattungsfristen können nicht eingehalten werden

Durch die Probleme in den Bestattungsinstituten können zurzeit die gesetzlichen Bestattungsfristen nicht eingehalten werden, so Jäger. In solchen Fällen könnten die Behörden sie aber relativ problemlos verlängern.

Normalerweise müssen Verstorbene spätestens zehn Tage nach dem Tod bestattet werden; bei Urnenbestattungen gilt eine Frist von sechs Wochen nach der Einäscherung.

Einige der Todesopfer, die durch das Hochwasser gestorben sind, seien noch nicht identifiziert und können daher noch nicht zur Bestattung freigegeben werden. Ihre Leichname befänden sich derzeit in Kühlräumen, so Jäger zur "Bild am Sonntag".

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Keine Massenbestattungen der Opfer der Flutkatastrophe geplant

Der Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler, Jörg Meyrer, sagte der Zeitung, dass der Plan, alle Todesopfer einzuäschern, auch wegen kirchlicher Intervention zurückgenommen worden sei. Derzeit könnten sich die Menschen "nicht mal von ihren Liebsten verabschieden".

Gegen Massenbestattungen hat sich auch das Land Rheinland-Pfalz ausgesprochen. "Wir wollen, dass die Menschen in Würde von ihren Familien verabschiedet werden können", sagte Innenminister Roger Lewentz (SPD).

Friedhöfe im Kreis Ahrweiler mit Schlamm und Geröll überspült

Zerstörung hinterließ die Flut auch auf mehreren Friedhöfen im Kreis Ahrweiler. In manchen Orten an der Ahr, wie in Dernau oder Bad-Neuenahr-Ahrweiler, sind Friedhöfe mit Schlamm und Geröll überspült. Teilweise liegen oder lagen Autos auf den Gräbern. Beisetzungen seien dort zurzeit nicht möglich, sagte Willi Brandt von der Deutschen Friedhofsgesellschaft in Dachsenhausen dem SWR.

Oft stehe nicht fest, wo Verstorbene nun überhaupt beigesetzt werden könnten. Im Raum der Stille im Krematorium in Dachsenhausen könnten Urnen bis zu einem Jahr aufbewahrt werden. Angehörige würden damit Zeit gewinnen und könnten in Ruhe entscheiden, auf welchem Friedhof die Urne später beigesetzt werden soll. Auch Krematorien im Norden und Osten Deutschlands bieten diesen Service nach Angaben der Deutschen Friedhofsgesellschaft jetzt an.

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