Eine temporäre Kläranlage des Deutschen Roten Kreuz an der Ahr bei Mayschoss (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Thomas Frey)

Mayschoß statt Uganda

Kläranlage für Krisengebiete wird im Ahrtal eingesetzt

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Für ferne Krisengebiete hat das Deutsche Rote Kreuz temporäre Kläranlagen entwickelt. Nun ist eine der Anlagen unverhofft im flutgeschädigten Ahrtal gelandet. Eine weitere soll folgen.

Die Sturzflut im Ahrtal mit 133 Todesopfern hat im Juli auch zahlreiche Kläranlagen in dem Rotweinparadies zerstört. Bis heute fließt daher viel Abwasser ungeklärt in die Ahr. Das schürt Ängste vor Seuchen. Glück hat das teilzerstörte Dorf Mayschoß: Eine laut ihrem Entwickler Kurt Saygin ursprünglich für Uganda bestimmte temporäre Kläranlage des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) reinigt hier nun das Abwasser.

Sie tue dies sogar noch etwas besser als die zerstörte vorherige Anlage, sagt Ortsbürgermeister Hubertus Kunz (CDU). Eine weitere temporäre Kläranlage des DRK, die nach Saygins Worten eigentlich für den Libanon bestimmt war, ist für einen anderen Ort im Ahrtal im Gespräch. Details sind hier vorerst noch nicht bekannt.

Anlagen normalerweise in armen Ländern im Einsatz

Die zwei ersten Anlagen dieser Art laufen laut dem Chemieingenieur Saygin in Bangladesch in einem großen Camp mit Flüchtlingen der muslimischen Rohingya-Minderheit aus dem mehrheitlich buddhistischen Nachbarland Myanmar. DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt betont, dass die dritte temporäre Kläranlage ihrer Hilfsorganisation "nun erstmals im Inland gebraucht werden würde, hätte wohl niemand für möglich gehalten. Das zeigt, dass solche Katastrophen überall auftreten können - auch vor der eigenen Haustür." Saygin sagt, das Hochwasser habe das Ahrtal "abwassertechnisch um 100 Jahre zurückversetzt".

Eine zerstörte Kläranlage bei Mayschoß an der Ahr (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Die Kläranlage bei Mayschoß wurde durch die Flut verwüstet. Derzeit sind alle Anlagen an der Ahr defekt. Picture Alliance

Die Flutkatastrophe hat in der Nacht zum 15. Juli auch die Kanalisation von Mayschoß teils weggeschwemmt und verstopft. Nach der Reinigung von Rohren sind laut Ortsbürgermeister Kunz im Wasser verdünnte Fäkalien wenigstens nicht mehr im Dorf geblieben, sondern mangels Alternative vorerst in der fließenden Ahr gelandet. Umso willkommener sei für die etwa 600 verbliebenen von fast 1.000 offiziell gemeldeten Einwohnern die neue Lösung des Roten Kreuzes.

Angebot des Roten Kreuzes kam unverhofft

Mayschoß mit einer der ältesten Winzergenossenschaften der Welt gehört zur besonders flutgeschädigten Verbandsgemeinde Altenahr. Deren Bürgermeisterin Cornelia Weigand (parteilos) erzählt, sie habe unverhofft ein Angebot des Roten Kreuzes bekommen: Es habe nicht nur Pflaster und Spritzen im Angebot, sondern auch noch "was anderes". In nur etwa einer Woche nach kurzer Vorbereitung sei dann die Kläranlage bei Mayschoß aufgebaut worden. "Das ist natürlich für uns ein ganz positives Signal", freut sich Weigand.

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Deutschlands erste mobile Kläranlage in Mayschoß, die von einem großen Lastwagen oder notfalls auch von Mulis transportiert werden könnte, besteht laut dem DRK aus sieben Tanks mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 334.500 Litern. Auch Büro- und Laborcontainer gehören dazu. Ihr Berliner Entwickler Saygin erklärt: "Wir haben es mit einer größtenteils biologischen Aufbereitung zu tun. Aber selbstverständlich haben wir auch noch Pumpen, Filter, Vorklärung - das sind dann mechanische Aufbereitungsverfahren."

Gerät kostet 200.000 Euro - in der Grundversion

Geplant worden ist die bei Bedarf erweiterbare Anlage ursprünglich in Koordination mit der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften für Auslandseinsätze. Finanziert worden ist die Kläranlage mit einem Wert von rund 200.000 Euro in der Grundversion vom Auswärtigen Amt, das die Organisation normalerweise bei deren humanitären Hilfe in anderen Staaten unterstützt. Das DRK erläutert: "Um wieder für die Auslandsarbeit einsatzklar zu sein, wird die komplexe Anlage nun aus den eingehenden Spenden nachbeschafft."

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Laut DRK-Generalsekretär Christian Reuter sichert die erste derartige Kläranlage im Ahrtal "die Abwasseraufbereitung in Mayschoß für zwei Jahre". So solle das Risiko von Krankheiten und Umweltschäden gemindert werden. Saygin sagt: "Das Problem bei potenziellen Seuchenkrankheiten ist, dass man sie zwar mit Ärzten bekämpfen, aber nur mit Ingenieuren besiegen kann." Die dauerhafte Erneuerung der gesamten Klärung des Abwassers im Ahrtal wird nach seinen Worten "unter Garantie mehrere Jahre in Anspruch nehmen".

Mayschoß sucht noch nach Standort für neue Anlage

Verbandsgemeinde-Bürgermeisterin Weigand erklärt, die beste Lösung für eine neue ständige Kläranlage in Mayschoß müsse erst geprüft werden. Sie einfach wie zuvor an derselben Stelle zu bauen, das sei nicht die Frage. Man könne überlegen, "wie man optimiert". Experten warnen davor, neue Kläranlagen in mögliche Überschwemmungsgebiete zu bauen.

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SWR