Arbeiter vor einer Wasserstoff-Produktionsanlage - auch Bendorf will künftig im Hafen Wasserstoff produzieren (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Daniel Bockwoldt/dpa | Daniel Bockwoldt)

Neues Zukunftskonzept vorgestellt

Bendorf plant Wasserstoff-Produktion im Rheinhafen

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Bendorf hat einen schmerzhaften Strukturwandel hinter sich. Moderne Wasserstoff-Technologie könnte die Stadt nun aus der Klima- und Strukturkrise führen.

Wenn es um die Energiewende geht, ist Wasserstoff gerade der Renner bei den alternativen Energieträgern. Denn Wasserstoff verbrennt einfach zu Wasser. Dabei entsteht im Idealfall kein klimaschädliches Kohlenstoffdioxid. Somit gilt Wasserstoff mittlerweile als klimafreundlicher Energieträger, in dem auch viel wirtschaftliches Potential steckt. Das haben die Verantwortlichen in Bendorf nun für ihre Stadt entdeckt.

Viele Menschen sitzen im Publikum beim Bendorfer Wirtschaftstag in der Sayner Hütte (Foto: SWR)
Bendorfer Wirtschaftstag in der Sayner Hütte

Stadt Bendorf hofft auf neue Perspektive für die Wirtschaft

"Wir erhoffen uns, dass wir wirklich eine Perspektive schaffen können für unsere Wirtschaft hier vor Ort", sagte Bendorfs Bürgermeister Christoph Mohr (SPD) auf dem traditionellen Wirtschaftstag der Stadt am Mittwochabend. Die Stadt stehe durch den Klimawandel vor einem großen Strukturwandel. "Das Ende des fossilen Brennstoffes ist beschlossene Sache. Und da gerade fossile Brennstoffe hier im Bendorfer Hafen ein großes Thema sind, wäre es geradezu töricht, nicht daran zu gehen", so Mohr.

Wasserstoff-Produktion im Bendorfer Hafen geplant

Das genauere Vorhaben erläuterte Werner Prümm von der Wirtschaftsförderung der Stadt Bendorf im SWR-Interview. Demnach soll mit Hilfe von Windenergie Wasserstoff in einer Produktionsanlage im Bendorfer Hafen hergestellt werden. Dort wird bereits seit Jahren Öl verladen. Jetzt könne auch Wasserstoff als alternativer Brennstoff hinzukommen, erklärte Prümm. Das Vorhaben werde derzeit bereits in den zuständigen Ausschüssen der Stadt und den Ratsfraktionen erörtert.

Wasserstoff auch als Bus-Antrieb denkbar

Denkbar sei auch, den so produzierten Wasserstoff für den Antrieb der Busse im öffentlichen Nahverkehr oder zum Heizen öffentlicher Gebäude zu nutzen, sagte Bürgermeister Mohr. "Das ist zwar noch Zukunftsmusik, in der aber viel Musik drinsteckt."

"Das ist zwar noch Zukunftsmusik, in der aber viel Musik drinsteckt"

Nachdem in der traditionellen Industriestadt 1993 die letzte Eisenhütte geschlossen hatte, durchlebte Bendorf mit seinen etwa 17.000 Einwohnern einen schmerzlichen Strukturwandel. Gut 1.000 Menschen verloren damals ihren Arbeitsplatz. Bis heute leidet die Stadt und ihre Wirtschaft unter dem Wandel. Mit der neuen Wasserstoff-Technologie soll sich das ändern.

Bendorfer Idee gewinnt Wettbewerb der Bundesregierung

Mit der Idee hat die Stadt Bendorf inzwischen einen Wettbewerb der Bundesregierung gewonnen. Die fördert mit ihrem Programm "HyLand" verschiedene Modellregionen, in denen die Wasserstoff-Technologie als alternative Energieform weiterentwickelt wird. "Da stecken Milliarden von Euro im Fördertopf", sagt Nadine Hölzinger. Die Wasserstoffexpertin und Unternehmensberaterin soll die Stadt Bendorf nun im Auftrag der Bundesregierung im kommenden Jahr bei der Entwicklung eines Konzeptes unterstützen.

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