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Die Familie Sayn-Wittgenstein-Sayn aus Bendorf zählt zum deutschen Hochadel. Schillernder Mittelpunkt ist Fürstin Marianne - international bekannt als Fotografin des Jetset. Am Montag wird die "Mamarazza" 100 Jahre alt.

Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn hatte sie alle vor der Kamera: den britischen Kronprinzen Charles, die Star-Sopranistin Maria Callas, den berühmten surrealistischen Künstler Salvador Dalí, James-Bond-Darsteller Sean Connery und viele mehr. Vertreter des Hochadels, Schauspieler, Musiker, Sportler, Politiker, Künstler lichtete die Fotografin ab - darunter Namen von Weltrang.

100. Geburtstag von Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn Die Jetset-Fürstin mit der Kamera

Der Moderator Thomas Gottschalk und die Gastgeberin Marianne zu Sayn-Wittgenstein-Sayn am 21.07.2010 im Garten ihre Landhauses  am Fuschelsee in Österreich.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa)
Der Moderator Thomas Gottschalk und die Gastgeberin Marianne zu Sayn-Wittgenstein-Sayn am 21.07.2010 im Garten ihre Landhauses am Fuschelsee in Österreich. (Archivfoto) picture alliance / dpa Bild in Detailansicht öffnen
Der verstorbene Unternehmer Gunter Sachs und Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn - Fürstin "Manni" hat 36 Festspielsommer lang berühmte Künstler, Staatsoberhäupter und bedeutende Persönlichkeiten aus aller Welt zu ihren legendären Mittagessen in ihr Landhaus eingeladen und dies mit ihrer Kamera festgehalten. picture alliance / dpa Bild in Detailansicht öffnen
Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn und der deutsche Schauspieler Ben Becker im Juli 2010 in Salzburg. (Archivfoto) picture alliance/APA/picturedesk.com Bild in Detailansicht öffnen
Fürstin Marianne zu Sayn-Wittgenstein-Sayn fotografiert bei der Eröffnung ihrer Fotoausstellung "Sayner Zeit" im Schloß Sayn "Oschatz" Hans-Carl von Friesen, der auch auf dem Foto im Hintergrund als junger Mann auf der linken Seite zu sehen ist. picture alliance/imageBROKER Bild in Detailansicht öffnen
Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn zeigt vom 13. bis zum 24. Dezember 2019 ihre Werke in einer Galerie in München. picture alliance/Ursula Düren/dpa Bild in Detailansicht öffnen
Blick auf das Landhaus von Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, aufgenommen am 21.07.2010 in Fuschel in Österreich. picture alliance / dpa Bild in Detailansicht öffnen
Ein Schrank mit Fotos im Landhaus von Fürstin Marianne zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, aufgenommen am 21.07.2010. (Archivfoto) picture alliance / dpa Bild in Detailansicht öffnen
Das rote Sofa im Wohnzimmer des Landhauses von Fürstin Marianne zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, aufgenommen am 21.07.2010 bei der Präsentation des neuen Bildbandes "ManniFeste" bei Fuschel am Fuschelsee in Österreich. (Archivfoto) picture alliance / dpa Bild in Detailansicht öffnen
Eröffnung der Fotoaustellung "Rennsport Salon" mit Fotografien von Marianne zu Sayn-Wittgenstein-Sayn (M) am 16.04.2014 im Schloss Sayn in Bendorf, zusammen mit Sohn Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn und seiner Frau Gabriela. picture alliance / dpa Bild in Detailansicht öffnen
Marianne Fuerstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn mit ihrer Schwiegertochter, der Schauspielerin Sunnyi Melles, beim Empfang zum Festpielball der Salzburger Festspiele in der Residenz Salzburg im August 2013. picture alliance/Geisler-Fotopress Bild in Detailansicht öffnen

Schon als Kind hat sie gerne fotografiert

Für "Manni" kein Problem, schließlich gehört sie doch selbst zur High Society. "Du bist kein Paparazzo, du bist eine Mamarazza", scherzte Caroline von Monaco bei einer der glamourösen Einladungen. Am Montag, den 9. Dezember, wird "Mamarazza", die selbst ein Promi ist, 100 Jahre alt. "Ich habe ein tolles Jahrhundert erlebt", sagte die Ururururenkelin der österreichischen Kaiserin Maria Theresia einmal in einem Interview.

Dauer

1919, also kurz nach dem Ersten Weltkrieg, wurde sie als Baronesse Mayr-Melnhof geboren, als Älteste von neun Geschwistern. Ein Geschenk in ihrer Kindheit sollte ihr Leben prägen: "Mit neun Jahren habe ich eine Kamera bekommen, die ich mir sehnsüchtig gewünscht habe", erzählt sie. Begeistert knipste sie drauflos. Ihre Gouvernante hielt das Mädchen dazu an, seine Fotos ordentlich ins Album zu kleben und zu beschriften.

1942 kam Fürstin Marianne nach Bendorf

So hielt sie es fortan auch in den folgenden Jahrzehnten. Das Ergebnis: ein gut organisiertes Archiv mit rund 300 000 Bildern. Die Negative lagern im Schloss Sayn bei Koblenz, wo ihr Sohn Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn mit Familie wohnt.

Bilder machte die "Mamarazza" auch während des Nationalsozialismus. 1938 etwa fotografierte sie Frauen an Deck des Passagierschiffs "MS Patria", die Gymnastik machten. Das Schiff war auf Probefahrt nach Norwegen. Auch Sportler der Olympischen Spiele 1936 finden sich auf ihren Bildern. Während des Zweiten Weltkrieges verliebte sie sich und heiratete 1942 Ludwig Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn.

Schloss Sayn in Bendorf-Sayn (Foto: SWR)
Schloss Sayn in Bendorf-Sayn - hier lebte Fürstin Marianne mit ihrem Mann Ludwig, nach dessen Tod kehrte sie nach Österreich zurück.

"Manni" und Ludwig bauten das Schloss wieder auf

Nach dem Krieg baute das Paar in Sayn eine Landwirtschaft mit Gärtnerei wieder auf. Das gesellschaftliche Leben gewann wieder an Fahrt. Man reiste an mondäne Orte wie St. Moritz, besuchte Partys, gab Einladungen, ging Skifahren oder Jagen oder fieberte bei Autorennen mit - am Nürburgring ebenso wie im belgischen Spa oder beim berühmten Mille Miglia in Italien.

Ein Kameramann filmt in der Ausstellung der auch als «Mamarazza» bekannten Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn im Garten der Schmetterlinge in Bendorf-Sayn in der Ausstellung mit dem Titel «We are the champions» Portraits des Rennfahrers Niki Lauda. Die 98-jährige Fotografin zeigt 35 großformatige Einblicke in das Leben von Sportlern aus acht Jahrzehnten. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Thomas Frey/dpa)
In der Ausstellung mit dem Titel "We are the champions" zeigte die adlige Promi-Fotografin 2018 im Garten der Schmetterlinge in Bendorf-Sayn 35 großformatige Einblicke in das Leben von Sportlern aus acht Jahrzehnten. picture alliance / Thomas Frey/dpa

1962 starb ihr Ehemann Ludwig bei einem Verkehrsunfall. Seine Witwe kehrt in ihre österreichische Heimat nach Fuschl zurück, rund 30 Autominuten von Salzburg entfernt. Während der Salzburger Festspiele wurde ihr Haus zum Treffpunkt einer illustren Gästeschar, die zum Teil selbst in der Küche standen, etwa der Entertainer Thomas Gottschalk, den sie beim Kochen fotografierte.

Als Fotografin eine Autodidaktin

Immer hatte Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn die Kamera dabei. Kein langatmiger Bildaufbau sondern ein, zwei Schnappschüsse, fertig. Bilder wie nebenbei entstanden. In den 1970er Jahren fing sie an, Fotos zu verkaufen. Der Vorteil der Autodidaktin: Im Gegensatz zu ihren Fotografen-Kollegen durfte sie überall mittendrin sein, auch in vertrauten Runden.

"Ich habe scheinbar immer gute, nette Bilder gemacht, und es haben sich alle gefreut, wenn ich kam", sagt sie heute und zitiert ihren engen Freund Gunter Sachs: "Die Manni hat keine Ahnung von Fotografie, aber sie hat immer im richtigen Moment drauf gedrückt."

Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn lebt mit seiner Frau in Bendorf. (Foto: SWR)
Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn lebt mit seiner Frau in Bendorf. (Archivbild)

Münchner Galerie stellt ihre Werke zum 100. Geburtstag aus

Einblick in das Schaffen der Fürstin gewährt die Galerie Kronsbein in München: Zum 100. Geburtstag zeigt sie vom 13. bis 24. Dezember eine kleine Auswahl. Neue Werke wird es nicht mehr geben. Vor einigen Jahren hat Fürstin Marianne mit dem Fotografieren aufgehört: Sie sehe schlechter, sagt sie.

Ihren 100. Geburtstag feiert "Mamarazza" mit Familie in Salzburg und deshalb wohl eher nicht im kleinen Kreis. Fünf Generationen umfasst ihre Familie: 5 Kinder, 20 Enkel, 31 Urenkel und 3 Ur-Ur-Enkel. "Ich freue mich sehr mit meiner Mutter, dass sie dieses hohe Alter erreicht hat bei guter Gesundheit. Es gibt mir Hoffnung, dass wir Kinder ihre Gene geerbt haben", meint ihr ältester Sohn Alexander, Familien-Oberhaupt der zu Sayn-Wittgenstein-Sayn in Bendorf.

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