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Die Initiative "Pro Rheintal" aus Boppard hat am Donnerstag eine Zusammenarbeit mit Bahnlärmgegnern in Österreich begonnen. Das länderübergreifende Bündnis fordert, dass der Güterverkehr in Wohngebieten langsamer fahren soll.

Geht es nach dem Bündnis, sollen Güterzüge entlang der Bahnstrecken am Mittelrhein, im Rheingau und am Wörthersee in Österreich künftig auf 50 Kilometer pro Stunde heruntergebremst werden, wenn sie durch ein Wohngebiet fahren. Solche Lärmschutz-Zonen sind nur eine der Forderungen, die das Bündnis aus vier Initiativen gegen Bahnlärm am Donnerstag vorgestellt haben.

"Seit zwei Jahrzehnten versprechen Bund und Bahn, die Pegel zu senken, doch es bleibt laut", erklärte Frank Gross von der Initiative "Pro Rheintal" aus Boppard während einer gemeinsamen Videokonferenz der Bahnlärmgegner aus Deutschland und Österreich. Statt weiter auf Lärmschutzmaßnahmen zu warten, wolle das Bündnis nun mit seiner Forderung von Tempolimits und Nachtfahrverboten für laute Güterzüge einen Anfang machen, teilte Gross mit.

Aus Sicht der Bahnlärmgegener trübt der Zugverkehr in seiner jetzigen Form die Idylle im Mittelrheintal. (Foto: Pro Bahn)
Aus Sicht der Bahnlärmgegener trübt der Zugverkehr in seiner jetzigen Form die Idylle im Mittelrheintal. Pro Bahn

Lärmschutzzonen sollen Anwohner schützen

Die Initiative "Pro Rheintal" aus Boppard hat sich nach eigenen Angaben bereits im vergangenen Jahr mit drei Initiativen entlang der Wörthersee-Strecke in Österreich zusammengeschlossen. Angesichts des international zunehmenden Güterverkehrs wollen sich die Initiativen so auch über nationale Grenzen hinweg mehr öffentliches Gehör verschaffen.

"Güterzüge dürfen nicht lauter sein als Lkw!"

Frank Gross, Pro Rheintal

Bahnlärm laut WHO großes Gesundheitsproblem

Die Bahnlärmgegner berufen sich bei ihren Forderungen auf die Lärmrichtlinien, die 2018 von der Weltgesundheitsorganisation WHO erarbeitet wurden. Die "WHO-Lärmrichtlinie Schienenverkehr 2018" sei für alle Nationen bindend, sagte Frank Gross. "Sie muss kurzfristig in nationalen Gesetzen umgesetzt werden."

Lärm und Bahnlärm sind laut WHO das zweitgrößte Gesundheitsproblem in Europa. Grundsätzlich müssten daher für Bahnstrecken in Städten und Wohngebieten die gleichen strengen Lärmgrenzwerte gelten wie für den Lkw-Verkehr und für das Arbeitsrecht.

Nun seien Regierung und Industrie gefordert, den Lärmschutz unverzüglich umzusetzen, auch durch Tempolimits und Nachtfahrverbote, bis die WHO-Werte eingehalten werden. Die WHO-Richtlinie empfiehlt entlang von Bahnstrecken einen Lärmgrenzwert von 44 Dezibel in der Nacht und 54 Dezibel am Tag.

Frank Gross von der Initiative "Pro Rheintal" kämpft gegen Bahnlärm im Mittelrheintal. (Foto: Frank Gross)
Frank Gross von der Initiative "Pro Rheintal" kämpft gegen Bahnlärm im Mittelrheintal. Frank Gross

Bahnlärmgegener wollen sich europaweit vernetzen

Neben der Initiative "Pro Rheintal" in Deutschland sind an dem neuen Bündnis die österreichischen Initiativen "Stopp Bahnlärm Klagenfurt", "Stopp den Bahnlärm - Pörtschach" und "Stopp Bahnlärm Krumpendorf" beteiligt. Ihre gemeinsame Erklärung soll nur der Aufschlag der Zusammenarbeit von Bahnlärmgegnern aus ganz Europa sein.

Im Laufe des Jahres sollen aber noch weitere Initiativen zu dem Bündnis stoßen. Zudem planen die Bahnlärmgegner einen internationalen Kongress und wollen ein Buch für betroffene Anwohner herausgeben.  

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