Ein Fußballtor mit zerrissenem Netz auf einem überfluteten Sportplatz (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Fast vier Monate nach der Flutkatastrophe

Viele Sportvereine an der Ahr vor ungewisser Zukunft

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Die Flutkatastrophe Mitte Juli hat auch auf den Sportplätzen an der Ahr große Schäden angerichtet. Fast vier Monate später wissen viele Vereine noch nicht, ob und wie es für sie weiter geht.

Christian Keuler ist Geschäftsführer des Sportvereins ABK 54 Ahrbrück, er wird täglich mit den Folgen der Flutwelle konfrontiert: "Uns sind unsere Kabine, Bälle und andere Trainingsutensilien abgesoffen." Und vielen anderen Sportvereinen in der Region gehe es noch viel schlimmer, sagt er, etwa dem Turn- und Sportverein (TuS) Ahrweiler 1898. Dessen Geschäftsführerin Sabine Schenke stellt fest: "Wir beginnen praktisch nach fast 125 Jahren Vereinsgeschichte von ganz vorne."

Fast 400 Sportvereine in RLP und NRW von Flut betroffen

In Rheinland-Pfalz und im benachbarten Nordrhein-Westfalen sind etwa 400 Vereine von den Zerstörungen durch das Juli-Hochwasser betroffen, der Schaden wird auf 118 Millionen Euro geschätzt, wie der Sportbund Rheinland und der Landessportbund (LSB) NRW mitteilen.

Die Kosten für den Wiederaufbau der Sportinfrastruktur dürften aber noch über die reine Schadensmeldung hinausgehen, da sind sich die beiden Verbände sicher. Denn die Anlagen vor allem im Ahrtal seien häufig total zerstört. Somit fielen höhere Kosten als bei einer regulären Sanierung an, betont die rheinland-pfälzische LSB-Präsidentin, Monika Sauer.

Trainingsmöglichkeiten im Ahrtal fehlen nach dem Hochwasser

Vielen Sportfreunden - wie auch denen des ABK 54 Ahrbrück - fehle es etwa immer noch an Trainingsplätzen, erklärt Geschäftsführer Keuler. Wo früher gekickt wurde, stehen jetzt Container für Aufräumarbeiten und Duscheinrichtungen für Anwohner. "Wir rechnen damit, dass das noch die nächsten eineinhalb Jahre so bleiben wird." Für das Training stünden zwar Ausweichmöglichkeiten in weniger betroffenen Nachbarorten zur Verfügung. Für viele Eltern sei es aber eine zusätzliche Belastung, ihre Kinder dorthin zum Training zu fahren.

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Eine besonders große Herausforderung sei laut Susanne Weber von der Sportjugend Rheinland auch der bevorstehende Winter: "Viele Vereine haben in den vergangenen Wochen den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen - vor allem mit Outdoor-Angeboten." Die kalten Monate schränken die Sportmöglichkeiten jetzt aber wieder ein, denn nicht alle Sportarten könnten auch bei kalten Temperaturen draußen erfolgen und einzelne Rasenplätze seien im Winter nicht bespielbar.

Viele Menschen an der Ahr haben weder Zeit noch Kraft für Sport

Wegen der Aufräumarbeiten falle es den Leuten momentan generell schwer, Zeit für den Sport zu finden. Nicht nur die Vereinsmitglieder, sondern auch viele Übungsleiter seien von der Flut extrem betroffen. Nur ein Bruchteil könne bisher wieder motiviert werden Trainingsstunden anzubiete, bedauert Sabine Schenke, die Geschäftsführerin des TuS Ahrweiler 1898. Darunter leide der Verein sehr. Daher stelle auch der Mitgliederverlust für viele Vereine eine große Gefahr dar, erklärt der Sprecher des LSB Rheinland-Pfalz, Dominik Sonndag.

Geld für Sportinfrastruktur aus Wiederaufbaufonds und Spenden

Finanzielle Hilfe erhalten die Vereine etwa durch den Nationalen Wiederaufbaufonds. Dadurch sollen Kommunen und Vereinen 30 Milliarden Euro zugutekommen, wie es auf der Sportministerkonferenz in Koblenz hieß. Spendengelder werden etwa vom Deutschen Olympischen Sportbund zusammengetragen und in gleichen Teilen an die betroffenen Bundesländer aufgeteilt.

Unterstützung kommt aber auch von kleinen Vereinen sowie den großen Clubs: Bei einem Benefizspiel zwischen dem Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05 und Drittligist 1. FC Kaiserslautern etwa kamen Spenden in Höhe von 150.000 Euro zusammen. Der FC Bayern München spendete gleich mehr als eine Million Euro. Der Sportbund Rheinland sowie die Stiftung des Fußballverbands Rheinland unterstützen Vereine mit einem Maximalbetrag von 12.000 Euro für neue Sport- und Technikgeräte.

Trainingsmöglichkeiten dringend gesucht

Aus Sicht des Geschäftsführers des ABK 54 Ahrbrück machen solche Förderungen bislang aber keinen Sinn. Denn was den Vereinen am meisten fehle seien nicht neue Sportgeräte, sondern schlichtweg Platz für Trainingseinheiten, sagt er.

Trotz der großen Herausforderung lassen sich viele Sportvereine wie der TuS Ahrweiler 1898 aber nicht unterkriegen: "Wenn der Wiederaufbaufond das hält was er verspricht, sehen wir optimistisch in die Zukunft. Allerdings werden wir Jahre zum Aufbau brauchen", sagt die Geschäftsführerin des Vereins.

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