Bilder von einem Polizeihubschrauber von der Flutnacht im Ahrtal (Foto: SWR)

Konsequenzen wegen Flutvideos

Rücktritt von Lewentz: So reagieren die Politiker im Ahrtal

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Pia Nicoley

Innenminister Roger Lewentz ist als Konsequenz aus Fehlern in Zusammenhang mit der Flutkatastrophe zurückgetreten. Wie kommt diese Entscheidung im Ahrtal an?

Die Landrätin des Kreises Ahrweiler, Cornelia Weigand (parteilos), sieht in dem Rücktritt von Innenminister Lewentz eine Chance, den Katastrophenschutz in Rheinland-Pfalz neu aufzustellen. Das sagte sie dem SWR. Gleichzeitig betonte sie, wie extrem "schmerzhaft und unerträglich" in den letzten Wochen die Aussagen von Roger Lewentz bezüglich der Polizeivideos und -fotos für die Betroffenen gewesen seien.

"Gleichzeitig ist es auch so, dass die Aussagen, die Herr Lewentz zu den Polizeivideos und - fotos getätigt hat, (...) schier unerträglich waren."

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Kommunalpolitiker im Ahrtal: Rücktritt war nötig

Auch der Ortsbürgermeister von Hönningen in der Verbandsgemeinde Altenahr, Jürgen Schwarzmann (CDU), schätzt die Lage so ein, dass die jüngsten Äußerungen von Lewentz für die Menschen im Ahrtal zu viel gewesen seien. Die Flutvideos zu sehen und dann vom Innenminister zu hören, er habe in der Flutnacht keine Katastrophenlage erkennen können - das sei der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe.

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"Die Menschen haben das nicht mehr verstanden. Dadurch ist die Politik insgesamt in ein schiefes Licht gerückt worden."

Für den Bürgermeister von Bad Neuenahr-Ahrweiler, Guido Orthen (CDU), war der Rücktritt unumgänglich. Das scheibchenweise Auftauchen neuer Erkenntnisse nach den Flutvideos habe zu einem Vertrauensverlust geführt. Dem SWR sagte Orthen: "Die Menschen haben das nicht mehr verstanden. Dadurch ist die Politik insgesamt in ein schiefes Licht gerückt worden."

Guido Orthen (CDU), der Bürgermeister von Bad Neuenahr-Ahrweiler, hält den Rücktritt von Innenminister Lewentz für unumgänglich. (Foto: SWR)
Guido Orthen (CDU), der Bürgermeister von Bad Neuenahr-Ahrweiler, sagt: "Der Rücktritt von Innenminister Lewentz war unumgänglich, konsequent und folgerichtig."

Nach dem Rücktritt müsse das Innenministerium jetzt so schnell wie möglich wieder unter neuer Führung arbeitsfähig werden, so Orthen. "Eine tatkräftige Unterstützung des Ahrtals und mutige Entscheidungen sind jetzt wichtiger denn je, damit nach der Flutkatastrophe die Wiederaufbaukatastrophe nicht weiter ihren Lauf nimmt."

Aus dem Rhein-Lahn-Kreis, der Heimat von Innenminister Lewentz, ist unterdessen auch Bedauern zu vernehmen. Landrat Jörg Denninghoff (SPD) sprach gegenüber dem SWR anerkennend über Lewentz' Wirken in der Region.

Jörg Denninghoff (SPD) ist neuer Landrat im Rhein-Lahn-Kreis (Foto: SWR)
Landrat Jörg Denninghoff (SPD) sagte dem SWR: "Ich bedauere den Rücktritt von Roger Lewentz sehr. Wir wissen, was er in all den Jahren seiner Amtszeit für unsere Region geleistet hat. Gerade bei dem Thema BUGA und als Mitkämpfer für die Mittelrheinbrücke war er stets ein guter und verlässlicher Partner. Wir hoffen nun, dass Mainz unsere Region genauso weiter unterstützt wie unter Innenminister Roger Lewentz.“

Lewentz-Rücktritt als Konsequenz aus Flutvideos

Auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Mittwochvormittag verkündete Innenminister Roger Lewentz (SPD) die Entscheidung zu seinem Rücktritt.

"Heute übernehme ich für in meinem Verantwortungsbereich gemachte Fehler politische Verantwortung."

Lewentz bleibe geschäftsführend noch ein paar Tage in Amt, erklärte Ministerpräsidentin Dreyer (SPD). In den nächsten Tagen solle sein Nachfolger bekanntgegeben werden.

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