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Weite Teile der Infrastruktur im Kreis Ahrweiler werden auf längere Zeit nicht funktionieren. Der Kreis hat am Montag für Betroffene und Helfer eine Notunterkunftsbörse eingerichtet.

Wenn jemand eine Unterkunft bereitstellen kann oder eben keine Bleibe mehr hat und eine Unterkunft sucht, kann sich im Internet bei einer Börse registrieren, die der Kreis Ahrweiler eingerichtet hat. Die Internetadresse lautet www.kreis-ahrweiler.de/notunterkunft.

Neben der großen Zahl an Toten und Verletzten im gesamten Kreis Ahrweiler zeigte sich am Sonntag langsam auch das ganze Ausmaß der Schäden. Viele Straßen, Brücken und Schienen sind zerstört oder stark beschädigt. Allein in der Kreisstadt würden die Aufräumarbeiten wohl mehrere Monate dauern, so die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Eine Drohenaufnahme vom beschädigten Bahnhof in Heimersheim (Foto: Pressestelle, Deutsche Bahn AG / Patrick Kuschfeld)
Zahlreiche Bahnstrecken sind durch die Folgen des Unwetters beschädigt worden - hier der Bahnhof von Heimersheim bei Bad Neuenahr-Ahrweiler. Pressestelle Deutsche Bahn AG / Patrick Kuschfeld

Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser im Ahrtal

Bagger heben Autos an, die sich in den Gassen verkeilt haben, vor den Häusern stapeln sich Tische, Stühle und anderer zerstörter Hausrat. Anwohner wie Thomas Bähr schaufeln Schlamm aus ihren Häusern. "Das haben wir gerade erst gekauft", erzählt der Besitzer eines 300 Jahre alten Hauses.

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Peter Geller wohnt direkt an der Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert. In seinem Hof wurde eine Tote angeschwemmt. Erst nach vielen Stunden seien die alarmierten Rettungskräfte gekommen, um die Leiche abzuholen. "Die kommen mit den Toten nicht nach", berichtete Geller am Samstag. Anwohner Karl-Heinz Conradt weiß von fünf Bekannten sicher, dass sie tot sind.

75 Personen arbeiten am Stromnetz

Das Strom- und Telefonnetz ist auch am Sonntag in vielen Orten noch ausgefallen. Frei liegende Stromleitungen gefährdeten die Menschen, warnt die Polizei. Allein die Wiederherstellung der Stromversorgung beansprucht laut Stadt einige Wochen, weil sämtliche Trafostationen und Kabelverteiler gereinigt, getrocknet und in Betrieb genommen werden müssen.

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Vor Ort seien mehr als 75 Personen ausschließlich mit der Wiederherstellung des Stroms beschäftigt. Wie die Ahrtal-Werke als örtlicher Stromversorger mitteilte, werden sie von Unternehmen aus ganz Deutschland unterstützt.

Wiederaufbau der Gasleitung dauert wohl Monate

Der Energieversorger evm bezeichnete die Lage am Sonntag nach der Hochwasserkatastrophe im Kreis Ahrweiler als "dramatisch": Ein Unternehmenssprecher sagte, eine Gasleitung sei komplett gerissen.

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Vermutlich müsse sie auf einer Länge von mehreren Kilometern neu gebaut werden. Das könne mehrere Monate dauern. Für die Bürger heiße das, dass sie möglicherweise längere Zeit nur kaltes Wasser haben und nicht warm duschen können - und im Herbst und Winter möglicherweise in einer kalten Wohnung sitzen. Die evm sucht nach eigenen Angaben nach einer Lösung. Möglicherweise könne man den Menschen mit Notaggregaten helfen.

Auch Trinkwasser fehlt an vielen Orten im Kreis Ahrweiler

Die Wasserversorgung im Kreis Ahrweiler ist nach wie vor nicht gesichert, weil viele Leitungen zerstört sind. Wie der örtliche Wasserversorger mitteilte, sind mittlerweile auch die Wasserhochbehälter von Gemeinden leergelaufen, die nicht vom Hochwasser betroffen waren - wie etwa der Hochbehälter von Reifferscheid. Die Hochbehälter müssten laut Versorger mit Wasser von außerhalb wieder befüllt werden.

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Außerdem sollen Wasseraufbereitungsanlagen organisiert werden und alte Brunnen reaktiviert werden. Das Technische Hilfswerk hat im Kreis mehrere Aufbereitungsanlagen für Trinkwasser aufgestellt - unter anderem in Bad Neuenahr-Ahrweiler am Krankenhaus Maria Hilf. Anwohner können dort an einer Zapfstelle frisches Wasser bekommen.

Trinkwasseraufbereitungsanlage des THW in Bad Neuenahr-Ahrweiler (Foto: SWR)
Das Technische Hilfswerk hat eine Trinkwasseraufbereitung am Krankenhaus Maria Hilf in Bad Neuenahr-Ahrweiler installiert. Anwohner können dort an einer Zapfstelle frisches Wasser bekommen.

Ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen sei auch das Abwasser-Kanalnetz, so die Stadt. Hier werde durch die Experten die Funktionsfähigkeit überprüft.

Der Friedhof am Ahrtor in Bad Neuenahr-Ahrweiler ist völlig zerstört.  (Foto: SWR)
Der Friedhof am Ahrtor in Bad Neuenahr-Ahrweiler ist ebenfalls völlig zerstört. Bild in Detailansicht öffnen
Das Hochwasser hat in Bad Neuenahr-Ahrweiler ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Bild in Detailansicht öffnen
Plastik, Holz, Geröll, Müll - das Hochwasser hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. picture alliance / photothek | Ute Grabowsky Bild in Detailansicht öffnen
Autos wie Spielzeug: Die Wassermassen haben große Teile der Bad Neuenahrer Innenstadt verwüstet. Bild in Detailansicht öffnen
In Bad Neuenahr-Ahrweiler haben erste Aufräumarbeiten begonnen. Entlang den Straßen stapeln sich die Schuttberge. Bild in Detailansicht öffnen
Die Schäden in Bad Neuenahr-Ahrweiler sind verheerend. Meterhoch türmen sich die Trümmerberge. Bild in Detailansicht öffnen
Die Wucht der Flutwelle war in Bad Neuenahr-Ahrweiler so groß, dass das Wasser auch Autos und Bäume mitgerissen hat. Bild in Detailansicht öffnen
Große Schäden in Innenstadt von Bad Neuenahr-Ahrweiler. Viele Brücken, Straßen und Häsuer sind zerstört. Bild in Detailansicht öffnen
In Bad Neuenahr-Ahrweiler sind mehrere Brücken komplett zerstört. Bild in Detailansicht öffnen
Die Helfer und Helferinnen bereiten alles vor für die Menschen, die in die Notunterkunft in Ringen kommen werden. Bild in Detailansicht öffnen
Jetzt stehen die Betten bereit. Bild in Detailansicht öffnen
Diese Feldbetten mit Decken sind in der Notunterkunft in Ringen vorbereitet worden. Bild in Detailansicht öffnen
In der Turnhalle in Ringen wird eine Notunterkunft für Menschen aufgebaut, die nach den Überflutungen ihre Wohnungen verlassen mussten. Bild in Detailansicht öffnen

Brücken im Kreis Ahrweiler zerstört - Gebiet weiträumig umfahren

Durch das Hochwasser sind im Kreis Ahrweiler so gut wie alle Brücken über die Ahr zerstört worden. In Bad Neuenahr-Ahrweiler sei lediglich eine Brücke noch intakt, heißt es am Samstag. Viele liegen, wie zum Beispiel die Kurgartenbrücke, zerstört mitten im Fluss. Nach Angaben der Kreisverwaltung Ahrweiler plant die Einsatzleitung den Bau von Behelfsbrücken. Wann diese gebaut werden können, sei aber noch unklar.

Außerdem wurden viele Straßen teilweise sehr schwer beschädigt. Das Ahrhochwasser hat auch Uferbreiche in Bad Neuenahr-Ahrweiler an vielen Stellen mitgerissen und viele Straßenbeläge zerstört. Die Polizei bittet darum, die betroffenen Ortschaften nicht aufzusuchen und die Rettungswege für die Einsatzkräfte frei zu halten.

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