Mann in den Trümmern vor einem Haus in Ahrweiler (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Boris Roessler)

Folgen der Hochwasserkatastrophe

Bad Neuenahr-Ahrweiler könnte nach Hochwasser 10.000 Einwohner verlieren

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Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde schwer durch die Hochwasserkatastrophe getroffen. Jetzt befürchtet der Bürgermeister, dass die Stadt ein Drittel seiner Einwohner verlieren könnte - allerdings nur vorübergehend.

Bis zur Sturzflut nach extremem Starkregen Mitte Juli im Ahrtal wohnten rund 30.000 Menschen in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Nach den Zerstörungen des Hochwassers rechnet der Bürgermeister von Bad Neuenahr-Ahrweiler, Guido Orthen (CDU), mit dem Wegzug von einem Drittel der Einwohner. "Ich bin sonst ein hoffnungsloser Optimist. Aber ich glaube, Ende des Jahres werden wir noch 20.000 Einwohner haben", so Orthen.

Der Kurort Bad Neuenahr der Doppelstadt habe bis zur Flut sehr viele ältere Menschen von woanders angezogen, "die hier ihren Lebensabend verbringen wollten". Aber mit 70 wird sich nun laut dem Bürgermeister kaum mehr jemand in einer Kommune mit einem fünf- bis zehnjährigen Wiederaufbau niederlassen. Alte Menschen mit Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg würden sich nicht erneut in kriegsähnliche Verhältnisse begeben wollen.

Ein Schild inmitten zerstörten Stadtbilds "Zum Kurpark" (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Thomas Frey)
Auch der Kurpark von Bad Neuenahr ist vom Hochwasser verwüstet. picture alliance/dpa | Thomas Frey

73 Tote und massive Schäden durch die Flut

Allein in Bad Neuenahr-Ahrweiler seien 73 Bürger durch die Flutkatastrophe ums Leben gekommen. Die Zerstörungen von Häusern, Schulen, Firmen, Straßen, Brücken und Versorgungsleitungen sind massiv. Viele betroffene Bürger seien zumindest vorübergehend außerhalb der Stadt untergekommen, sagte Orthen. Viele würden wohl "dauerhaft weggehen".

Bürgermeister blickt optimistisch in die Zukunft

Hoffnungsvoll mache ihn jedoch, dass die jahrzehntelang im eigentlich malerischen Bad Neuenahr-Ahrweiler verwurzelten Bürger hier auch bleiben wollten. Sehr viele Menschen hätten sich schon jetzt daran gemacht, ihre Häuser und Wohnungen wieder herzurichten, sagte Orthen dem SWR. Sie investierten viel Geld und Zeit, um dort wieder wohnen zu können. Orthen ist sich sicher, dass auch neue Bewohner ins Ahrtal ziehen werden. Die Zahl der Einwohner könnte in etwa fünf Jahren wieder auf dem alten Stand sein.

Im Wiederaufbau des zerstörten Ahrtals sieht der Bürgermeister auch Chancen. Orthen glaubt, dass sich das gesamte Ahrtal dann von seiner besten Seite präsentieren und viele Menschen anlocken könne. Auch einige der zahlreichen Helfer aus ganz Deutschland könnten über kurz oder lang entscheiden, sich hier niederzulassen. Denn schon jetzt seien viele intensive Freundschaften entstanden.

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