Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bei seinem Besuch am Dienstag in Ahrbrück. (Foto: SWR)

Viel politische Prominenz zu Besuch im Ahrtal

Bundeskanzler Scholz spricht im Ahrtal mit Betroffenen der Flut

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Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat am Dienstagnachmittag dem Ahrtal einen kurzen Besuch abgestattet. Er kam in den kleinen Ort Ahrbrück. Dort machte er einen Rundgang und sprach mit Betroffenen.

Scholz machte sich einen Eindruck vom Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe im Ahrtal. Begleitet wurde er dabei den Angaben zufolge unter anderem von Bundsinnenministerin Nancy Faeser (SPD), der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Cornelia Weigand, der parteilosen Landrätin des Kreises Ahrweiler.

Der Bundeskanzler besuchte den Ort Ahrbrück. Das Dorf in der Verbandsgemeinde Altenahr war besonders schwer von der Flut getroffen. Nach seinem Rundgang durch den Ort und Gesprächen mit vom Hochwasser Betroffenen besuchte Scholz noch das Gelände der Firma Brohl Wellpappe in Ahrbrück. Robert Freisberg aus dem Innenministerium in Mainz erläuterte ihm, wie auf einem Fabrikgelände mit rund 4,1 Millionen Euro vom Land rund 150 neue Wohneinheiten entstehen sollen.

Wohnungen, Kitas und Geschäfte auf Ex-Firmen-Areal geplant

Auf dem früheren Areal des Unternehmens Brohl Wellpappe soll laut der Gemeinde ein neuer Ortsteil entstehen. Das sei dringend nötig, da in Ahrbrück viele Häuser nicht wieder aufgebaut werden könnten, die im Überschwemmungsgebiet standen.

Brohl Wellpappe hatte der Gemeinde das Gelände für den symbolischen Preis von einem Euro zum Kauf angeboten. Das Unternehmen habe die Produktion schon vor einiger Zeit an einen anderen Standort verlegt, teilte die Gemeinde mit. Auf dem Areal soll es neben neuen Wohnhäusern auch einen Sportplatz sowie Kitas und Geschäfte geben.

In nur einem halben Jahr habe geklärt werden können, dass dies technisch und wirtschaftlich möglich sei. "Sonst dauert das zwei Jahre", sagt Freisberg. Die Halle werde 2023 abgerissen, 2024 könnten dann voraussichtlich die Bauarbeiten beginnen. Für die Grundstücke auf der Wiese davor könnten noch in diesem Jahr Bauanträge gestellt werden. Für den Wiederaufbau der beiden gemeindeeigenen Brücken übergab Landesinnenminister Roger Lewentz (SPD) Bürgermeister Walter Radermacher (Bürgerverein) 693.000 Euro Fördergeld.

Kommunalpolitiker würdigen Besuch des Kanzlers

Von den bei der Sturzflut rund 750 Verletzten stammten etwa 20 aus Ahrbrück, sagte Radermacher. Dazu kämen aber ganz viele seelische Wunden. "Für alle Bürger und die, die mithelfen, ist es ganz wichtig zu sehen, dass das weiterhin auf dem Tisch liegt - und zwar relativ weit oben", sagte er über den Besuch des Kanzlers.

Landrätin Weigand sieht in der Visite des Kanzlers "ein wichtiges Zeichen" und freut sich über die Aufmerksamkeit für die ganze Region. "Es ist noch so viel aufzubauen, und es gibt noch so viele Fragen", sagte sie. Dazu gehöre etwa eine Sonderbau- und Sonderhandelszone, die so wichtig wären. Ministerpräsidentin Dreyer sagte dem SWR, der Besuch zeige die Wertschätzung des Kanzlers gegenüber den Menschen im Ahrtal.

Die Bundesregierung habe das Ahrtal nicht vergessen, versicherte der Kanzler nach dem Besuch laut einer Mitteilung der Staatskanzlei. Deshalb sei er trotz der angespannten Weltlage in die Flutgebiete von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gekommen.

Scholz zuvor in Nordrhein-Westfalen

Scholz war am Mittag in Bad Münstereifel in Nordrhein-Westfalen eingetroffen. Auch hier hatte er sich ein Bild von der Lage vor Ort und dem aktuellen Stand des Wiederaufbaus gemacht. Die Stadt war bei dem Hochwasser stark zerstört worden.

In beiden Bundesländern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, hatte extremer Starkregen im Juli verheerende Überschwemmungen ausgelöst. In Nordrhein-Westfalen gab es 48 Tote, in Rheinland-Pfalz kamen 134 Menschen ums Leben.

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