Geburtsstation im Krankenhaus Bad Honnef: Neugeborenes hält Finger fest (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Neuwieder Landrat Hallerbach fordert mehr Zeit für Gespräche

Krankenhaus in Bad Honnef: Schließung der Geburtsstation umstritten

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Deutschlandweit gibt es immer weniger Kreißsäle. Jetzt trifft es wieder eine Geburtsstation für das nördliche Rheinland-Pfalz. In Bad Honnef - gleich hinter der NRW-Landesgrenze - ist die Geburtshilfe im Cura Krankenhaus geschlossen worden. Das sorgt vor allem im Kreis Neuwied für Unverständnis.

Im Cura Krankenhaus in Bad Honnef kamen nach Angaben des Betreibers bislang jedes Jahr gut 500 Kinder zur Welt. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, hätten es aber doppelt so viele sein müssen, heißt es von den GFO-Kliniken in Bonn. Deshalb wurde die Station geschlossen.

Für werdende Eltern aus dem Siebengebirge oder dem Rheinischen Westerwald hat das Folgen: Schwangere aus Linz oder Unkel am Rhein müssen ihre Kinder jetzt in den bis zu 30 Kilometer entfernten Kliniken in Bonn oder Neuwied zur Welt zu bringen. Im Norden von Rheinland-Pfalz wurden in den vergangenen Jahren mehrere Geburtsstationen in Krankenhäusern geschlossen - unter anderem in Zell, Lahnstein und Diez.

Geburtshilfe im Krankenhaus Bad Honnef - nur ein Verlust-Faktor?

Das Aus für die Geburtsstation in Bad Honnef kritisieren nicht nur viele Bürger, die im Kreis Neuwied an der Landesgrenze nach Nordrhein-Westfalen leben, sondern auch die Landräte der beiden Kreise Rhein-Sieg und Neuwied. Sie fordern, dass die Geburtshilfe in Bad Honnef noch zwei Jahre lang erhalten bleibt. Dann hätten Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen Zeit, eine Lösung finden, damit die Geburtsstation im Cura Krankenhaus kostendeckend arbeiten könne, so die Landräte.

Nach Angaben der GFO-Kliniken Bonn hat die Geburtshilfe in Bad Honnef zuletzt einen Verlust von etwa 700.000 Euro pro Jahr gemacht. Für 2021 wurde sogar ein Minus von über 1,2 Millionen Euro vorhergesagt. Zudem fehle es an Fachpersonal, also an Gynäkologen und Hebammen, teilte der Betreiber mit.

Geburtsstation bei Eltern aus dem Kreis Neuwied beliebt

Im Cura Krankenhaus in Bad Honnef haben nach Angaben der Kreisverwaltung Neuwied viele Schwangere aus dem nördlichen Teil des Kreises ihre Kinder zur Welt gebracht, etwa aus Linz, Unkel oder Rheinbreitbach.

In diesem Zusammenhang sagte der Neuwieder Landrat Achim Hallerbach (CDU), eine gute medizinische Versorgung sei gerade für junge Familien ein Anreiz, in eine ländliche Region zu ziehen und zu bleiben. Es sei jungen Menschen nicht zuzumuten, "bei der Geburt ihrer Kinder derart große Strecken nach Bonn oder Neuwied zurückzulegen. Da dürfen ökonomische Gründe wahrlich keine Rolle spielen." So könne keine sozial verantwortungsbewusste Bevölkerungspolitik gelingen, kritisierte Hallerbach.

Fast 6.000 Online-Unterschriften gegen Schließung der Geburtshilfe

Der Neuwieder Landrat unterstützt deshalb zusammen mit seinem Amtskollegen aus dem benachbarten Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen eine Online-Petition gegen die Schließung der Geburtsstation im Cura Krankenhaus.

Die Online-Petition "Rettet die Geburtshilfestation in Bad Honnef" ist am Freitag an die GFO-Kliniken als Betreiber übergeben worden. Sie wurde von einem Vater aus Unkel im Kreis Neuwied angestoßen, der nach eigenen Angaben in einer Notlage selbst gemerkt hatte, wie wichtig eine Geburtsstation in einem Krankenhaus in der Nähe sei. Die Petition haben fast 6.000 Menschen unterschrieben.

Krankenhaus-Betreiber spricht nur von "Verlagerung"

Der Krankenhaus-Betreiber selbst, die GFO-Kliniken Bonn, spricht im Zusammenhang mit der Schließung nur von einer "Verlagerung" - und zwar an die beiden Standorte in Troisdorf und an das St. Marien-Hospital in Bonn. Weiter heißt es: "Mit der Integration in die vorhandenen großen Geburtskliniken ist zugleich die Chance gegeben, die Qualität der Geburtshilfe weiterhin zu steigern und werdenden Müttern und Eltern eine umfassende Versorgung  anzubieten."

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