Großaufnahme einer biologisch abbaubaren Urne im Friedwald Kirchheimbolanden (Foto: SWR, SWR - Oliver Traut)

Neuer Friedbaum muss keine 20 Zentimeter dick sein

Urteil zu Ersatz für gefällte Bäume auf Waldfriedhof in Bad Breisig

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Ein neuer Friedbaum auf dem Waldfriedhof "RheinRuhe" in Bad Breisig muss keinen Stamm mit mindestens 20 Zentimetern Durchmesser haben: Das hat das Verwaltungsgericht Koblenz entschieden.

Nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts Koblenz hat der Kläger keinen Anspruch darauf, dass ein Baum mit einem mindestens 20 Zentimeter dicken Stamm an einer Grabstelle neu angepflanzt wird. Es wies damit die Klage des Mannes ab, dessen Ehefrau auf dem Waldfriedhof "RheinRuhe" in Bad Breisig in einer Urne beigesetzt worden war.

Etwa 50 Bäume auf Waldfriedhof in Bad Breisig gefällt

Der Mann hatte Anfang 2020 für 50 Jahre das Nutzungsrecht für die Grabstelle und an dem sogenannten Friedbaum gekauft. Er bezahlte dafür mehr als 4.000 Euro. Damals befand sich an der Grabstelle eine Rotbuche mit knapp 60 Zentimeter Stammumfang. Die Buche wurde später von der Stadt Bad Breisig zusammen mit anderen Bäumen gefällt - mit der Begründung, sie seien nicht mehr sicher und gefährdeten die Besucher.

Deshalb wurden eine Zeit lang auf dem Waldfriedhof in Bad Breisig keine Urnen mehr bestattet und Angehörige durften die Grabstellen unter den Bäumen nicht mehr besuchen. Das führte zu massiven Protesten. Seit Ende April 2021 ist der Waldfriedhof wieder ganz geöffnet.

Urteil: Neupflanzung eines großen Baumes zu aufwändig

An der Grabstelle, die der Kläger gepachtet hatte, wurde später ein neuer Baum mit einer Stammdicke von nur 3,2 Zentimetern neu gepflanzt. Der Witwer forderte deshalb, dass der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt werden solle - doch das Verwaltungsgericht Koblenz lehnte das ab: Eine Buche mit dem ursprünglichen Durchmesser zu pflanzen, stelle für die Stadt Bad Breisig als Betreiberin des Waldfriedhofs "Rheinruhe" einen unverhältnismäßigen Aufwand dar und sei "ausnahmsweise unzumutbar", heißt es in dem am Montag veröffentlichten Urteil (Az.: 1 K 504/21.KO).

Kläger kann Berufung beim OVG einlegen

Schon für die Neupflanzung eines Baumes mit 20 Zentimetern Stammumfang hätte ein Bagger oder eine Baumfräse eingesetzt werden müssen. Sonst wäre der Aufwand zu groß gewesen. Dadurch wäre aber die Totenruhe der verstorbenen Ehefrau gestört worden - ihre Urne hätte umgebettet werden müssen. Dies habe der Kläger aber auch abgelehnt, so das Verwaltungsgericht Koblenz. Gegen die Entscheidung ist die Zulassung der Berufung durch das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz (OVG) möglich.

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