Familie Pfanner hat in der Flutnacht ihre Zwillinge bekommen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Thomas Frey)

Frau aus Bad Neuenahr bekommt Babys in Flutnacht

"Diese allererste schöne Zeit mit den Babys ist verloren"

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Mindestens 134 Menschen riss die Ahr-Sturzflut in den Tod. Zugleich gab es neues Leben: Einige Frauen aus dem Flusstal bekamen am 14. oder 15. Juli 2021 ihre Babys. Welche Erinnerungen bleiben an diese Lichtblicke in so dunkler Zeit? Ein Paar blickt zurück.

An Kindern, so heißt es oft, lässt sich gut sehen, wie die Zeit verfliegt. Eineinhalb Jahre alt sind nun etwa Mathilda und Karlotta. Die Zwillinge hat Theresa Pfanner (36) aus Bad Neuenahr in der Flutnacht weiter entfernt in einer Neuwieder Klinik geboren - während in Bad Neuenahr ihre Schwiegermutter, der Bruder der Zwillinge und weitere Familienmitglieder in Lebensgefahr gerieten.

Sie können sich vor den reißenden Wassermassen schließlich ins obere Stockwerk der Nachbarn retten. "Ihnen waren schon Autos entgegengeschwommen", erzählt Tobias Pfanner (35), Vater der Zwillinge, die im Haus der Familie gerade mit bunten Klötzchen und Tiermodellen Zoo spielen.

Vater ist nach der Geburt sofort zurück ins Ahrtal gefahren

Theresa Pfanner sagt: "In der Flutnacht habe ich nach der Geburt einfach nur funktioniert, nachdem sich mein Mann noch nachts, nachdem er im Krankenhaus einen panischen Anruf seiner Schwester erhielt, auf den Weg zurück ins Ahrtal machte. Diese allererste schöne Zeit mit den Babys ist verloren." Aber nun sei sie glücklich, ergänzt die Förderschullehrerin.

"Ach du liebe Zeit: Flutbabys!"

Direkt nach dem extremen Hochwasser sei sie "einfach demütig gewesen. Andere haben alles verloren, und wir haben zwei weitere gesunde Kinder bekommen", sagt die 36-Jährige. Viele hätten sie anschließend auf den Geburtstermin angesprochen: "Ach du liebe Zeit: Flutbabys!", lautet die Reaktion.

Vater hat im Kreissaal versucht die Katastrophe von seiner Frau fernzuhalten

Doch bei der Familie hat laut Theresa Pfanner die Freude überwogen - neues Leben nach der tödlichen Katastrophe. Weil die örtliche Klinik Maria Hilf auch schon vor dem Hochwasser Schwangere mit erwarteter Frühgeburt oder Zwillingen wegen des erhöhten Risikos an Krankenhäuser mit einer Kinderklinik außerhalb des Ahrtals verwiesen hat, sind die Eheleute Pfanner am 14. Juli 2021 sogleich nach Neuwied gefahren. "An Hochwasser haben wir damals überhaupt nicht gedacht", erinnert sich Tobias Pfanner.

Seine Frau Theresa sagt, damals habe ihr am Nachmittag eine Freundin aus Hönningen ahraufwärts geschrieben: "Bei uns hat sich ein neuer Bach gebildet, verrückt!" Tobias Pfanner zeigt ein Handyfoto vom Haus seiner Mutter gegen 1 Uhr in der Flutnacht: Die Wassermassen haben hier die Oberkante der Haustür erreicht. "Sie wohnt näher an der Ahr als wir, das war die Apokalypse", sagt der Unternehmensberater.

"Ich habe das schlimme Ausmaß der Flut erst Tage nach der Geburt realisiert."

In seinem Haus sei das Wasser im Keller einen halben Meter hoch eingedrungen: "Ich habe da noch schnell das Hochzeitskleid meiner Frau gerettet." Er will sie damals nicht mit Katastropheninfos beunruhigen. Tatsächlich sagt Theresa Pfanner: "Ich habe das schlimme Ausmaß der Flut erst Tage nach der Geburt realisiert."

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