Die B266 zwischen Heimersheim und Ehlingen wurde durch die Flutkatastrophe stark beschädigt (Foto: SWR)

Stadtrat stimmt für verbesserten Hochwasserschutz

Mehr Platz für die Ahr bei Heimersheim: B266 soll schmaler werden

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Martin Gärtner
Bild von Reporter Martin Gärtner aus dem SWR-Regionalbüro Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. (Foto: SWR)

Durch die Flutwelle im Ahrtal wurden bei der B266 zwei Fahrspuren weggerissen. Jetzt hat der Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler beschlossen, dass die Straße nicht wieder vollständig aufgebaut werden soll.

Die Stadtverwaltung Bad Neuenahr Ahrweiler will sich beim Bund unter anderem dafür einsetzen, dass die Bundesstraße 266 bei Heimersheim zurückgebaut wird. Die dann zweispurige Strecke könne bei Bedarf zusammen mit den Standstreifen vierspurig genutzt werden.

Stadtrat Bad-Neuenahr-Ahrweiler unterstützt Forderungen von Arbeitskreis

Mit seinem Beschluss folgt der Stadtrat der Forderung vieler Bürger. Ein Arbeitskreis hatte vorgeschlagen, auf zwei Fahrspuren der B266 künftig zu verzichten, um der Ahr mehr Platz zu geben.

Zwischen den Ortschaften Heimersheim und Heppingen hat die Ahr nach Angaben des Ortsbeirates Heimersheim und des Aktionskreises Fluthilfe nur 30 Meter Platz. Das Flussbett ist eingezwängt zwischen den Gleisen der Ahrtalbahn am nördlichen Ufer und der vierspurigen B266 am südlichen.

Wassermassen rissen zwei von vier Fahrspuren der B266 weg

450 Kubikmeter Wasser pro Sekunde passen den Angaben zufolge durch das Nadelöhr, doch in der Flutnacht waren es 1.200 Kubikmeter, also fast drei Mal soviel. Erst gab es einen gewaltigen Rückstau bis nach Bad Neuenahr hinein. Dann rissen die Wassermassen zwei Fahrspuren der Bundesstraße sowie die Bahngleise weg.

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Bauingenieur wertete Flächen an der B266 aus

"Dieses Nadelöhr muss aufgelöst werden", sagt Anwohner Günter Odenkirchen aus Heimersheim. Er hat deshalb gemeinsam mit Mitbürgern den Vorschlag entwickelt, die Bundesstraße nur zwei- statt vierspurig wieder aufzubauen. Der Bauingenieur Robert Füllmann lebt im Nachbarort Ehlingen. Er hat Daten zur Flut ausgewertet und vor Ort Flächen ausgemessen.

Er kam nach eigenen Angaben zu folgendem Ergebnis: Am besten wäre es seiner Meinung nach, man würde die zwei weggerissenen Fahrspuren der B266 nicht wieder aufbauen und gleichzeitig auch den Bahnhaltepunkt Heimersheim verlegen. Denn dann könnte die Ahr bei einem neuen Hochwasser deutlich schneller abfließen. Das Durchflussvolumen der Ahr würde auf rund 1.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde steigen.

Unterstützung aus der Kommunalpolitik

Aus dem Rathaus in Bad Neuenahr-Ahrweiler heißt es, dass es bislang noch keinen besseren Vorschlag gebe. Auch der Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats hatte einstimmig für das Konzept gestimmt. "So viel Zustimmung hatten wir zwar erhofft, aber ehrlich gesagt hatten wir nicht damit gerechnet", freut sich Bauingenieur Robert Füllmann.

Bund und Land entscheiden über B266 und die Bahntrasse

Jetzt müsse das Gespräch mit Bund, Land und Bahn gesucht werden, so der Vorsitzende der CDU-Stadtratsfraktion Christoph Kniel. "Doch wenn alle an einem Strang und vor allem gemeinsam in eine Richtung ziehen", so Kniel, "haben wir eine Chance, eine gute Lösung für alle Bürger zu finden - und zu einem besseren Hochwasserschutz zu kommen."

Grundsätzlich müsse auch noch die Frage geklärt werden: Wie wichtig sind die zwei weggerissenen Fahrspuren? Seit dem 14. Juli 2021 liegen sie im Flussbett der Ahr. Der Verkehr rollt über die zwei verbliebenen Spuren und das nach Angaben der Bürger vor Ort ohne Probleme. Allerdings sei die B266 im Bundesverkehrswegeplan als Umleitungsstrecke vorgesehen, sollte die A61 blockiert sein. In diesem Fall könnte es eng werden im Ahrtal.

Inzwischen hat sich auch die Landesregierung in die Debatte eingeschaltet. In einem Brief, den die Leiterin des Bürgerbüros an den Arbeitskreis geschrieben hat, heißt es, die Landesregierung unterstütze die Pläne der Bürgerinnen und Bürger.

Wasser soll durch einen Tunnel in Ehlingen besser ablaufen

Mehr Platz für die Ahr bei Hochwasser soll auch die Verlegung des Bahnhaltepunktes in Heimersheim bringen. Im Ortsteil Ehlingen soll ein neuer Tunnel durch den Straßendamm zukünftig den Ablauf von Hochwasser ermöglichen.

Viele Anwohner in Ehlingen fordern die Untertunnellung des Damms von Bundesstraße und Autobahn. Nach der Flutnacht dauerte es mehrere Tage, bis das Hochwasser aus dem Ortsteil in Bad Neuenahr-Ahrweiler ablief. Der Grund: Der Damm hielt das Wasser nach Angaben der Anwohner im Ort.

Durch den neuen Tunnel könne auch ein Fuß- und Radweg gehen, sagt Bauingenieur Robert Füllmann. Die Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler unterstützt nach eigenen Angaben die Forderung der Bürger nach einem Durchlass durch den Damm und will darüber mit der Autobahn GmbH sprechen.

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