Ein Haus im Ahrtal ist auch ein Jahr nach der Flutkatastrophe noch mit Schlamm verschmiert. (Foto: SWR)

ASB spricht von Scham bei Flutbetroffenen

Menschen im Ahrtal leben teilweise noch immer im Schlamm

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Sabrina Droste

Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) hilft nach der Flutkatastrophe weiter im Ahrtal. Dabei treffen die Mitarbeitenden immer wieder auf Menschen, die in Häusern wohnen, die eigentlich unbewohnbar sind.

Auch über ein Jahr nach der Flut gibt es betroffene Menschen im Ahrtal, die in einem einzelnen, intakten Zimmer im obersten Stock leben, während der untere Bereich ihres Hauses nach wie vor komplett zerstört ist. Bianca Jochen vom Arbeiter-Samariter-Bund trifft immer wieder Familien oder Senioren, die lange nicht nach Hilfe fragen wollten.

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"Erst wenn Strom und Wasser abgestellt wird, sagen die Menschen: Jetzt bin ich obdachlos - jetzt brauche ich Hilfe."

Die Menschen würden so lange in ihren eigenen unbewohnbaren vier Wänden warten, bis Handwerker endlich anfangen könnten zu sanieren, sagt Jochen: "Erst wenn Strom und Wasser abgestellt wird, sagen die Menschen: Jetzt bin ich obdachlos - jetzt brauche ich Hilfe."

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ASB-Containerdorf: Erste Rettung und letzter Ausweg

Besonders schlimm sei es, wenn die Häuser der Menschen nach langer Ungewissheit am Ende doch abgerissen werden müssten, sagt Jochen. "Einige haben monatelang in den nach Öl riechenden, mittlerweile schimmelnden Häusern ausgeharrt und ihr Zuhause dann doch verloren."

Selbst 14 Monate nach der Flutkatastrophe kommt es vor, dass Bianca Jochen und ihre Kollegen zum ersten Mal Menschen begegnen, die eine Unterkunft in einem Übergangsdorf des ASB benötigen. Immer wieder würden nicht die Betroffenen selbst, sondern Nachbarn oder Freunde beim ASB anrufen und sagen: 'Meine Nachbarin braucht Hilfe, können Sie da was tun?' Die Mitarbeitenden des ASB machen sich dann auf den Weg und hören vorsichtig nach, wie es der Person geht und bieten Hilfe an.

Bewohnerin Gisela Schmidt und ASB-Mitarbeiterin Bianca Jochen sitzen auf einer kleinen Container-Terrasse  (Foto: SWR)
Bewohnerin Gisela Schmidt (li.) und ASB-Mitarbeiterin Bianca Jochen im Containerdorf für Flutbetroffene

ASB hilft Betroffenen im Ahrtal bei Wohnungssuche

Den Menschen wird nicht nur eine Wohnung in einer der Tinyhouse- oder Containersiedlungen angeboten, sondern auch anderweitige Hilfe: zum Beispiel beim Ausfüllen der Anträge, bei der Wohnungssuche oder mit entlastenden Gesprächen.

Gisela Schmidt aus Walporzheim hat sich zum Beispiel so helfen lassen und kann die Unterstützung jedem Betroffenen ans Herz legen. Ihr Mann ist bei der Flut ums Leben gekommen, sie hat ihr Haus und alles was darin war verloren. Bei der Suche nach einer neuen Unterkunft hatte sie die Stadtverwaltung an den Arbeiter-Samariter-Bund verwiesen.

"Alle sind so nett. Wer Hilfe braucht, sollte sich trauen danach zu fragen."

Wohncontainer sind beliebte Übergangslösung

Binnen kürzester Zeit konnte die 76-Jährige in einen der Container in Bad Neuenahr-Ahrweiler einziehen. Die Mitarbeitenden des ASB hätten ihr unter anderem beim Umzug geholfen. Viele in dem kleinen Dorf seien glücklich und freuen sich über die Unterstützung: "Alle sind so nett. Wer Hilfe braucht, sollte sich trauen, danach zu fragen."

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Seit Februar lebt Gisela Schmidt nun auf den knapp 40 Quadratmetern und wartet darauf, dass ihre neue Wohnung in Walporzheim bezugsfertig wird. Sie sagt, dass es auch für sie zunächst nicht leicht gewesen sei, nach Hilfe zu fragen. Dennoch möchte sie allen, die sich bisher nicht getraut haben, raten, sich zu überwinden.

Wer noch Hilfe benötigt, kann sich telefonisch oder persönlich beim Arbeiter-Samariter-Bund im Ahrtal melden.

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Sabrina Droste