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Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat neun frühere Mitarbeiter der insolventen Verbände der Arbeiterwohlfahrt im Kreis Westerwald und im Kreis Altenkirchen angeklagt. Sie sollen Geldgeber um mehrere hunderttausend Euro betrogen haben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Koblenz sollen sich die Betrugsfälle von 2011 bis 2015 ereignet haben. Sie hat nun vier ehemalige Vorstandsmitglieder der Arbeiterwohlfahrt-Kreisverbände Westerwald und Altenkirchen angeklagt. Außerdem wurde auch gegen fünf ehemalige Mitarbeiter dieser beiden AWO-Kreisverbände Klage erhoben. Die Angeschuldigten sind zwischen 42 und 79 Jahren alt.

Einige der AWO-Mitarbeiter sollen bei Seminaren immer mehr Teilnehmer angegeben haben als eigentlich dabei waren. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, hatte eine Stiftung diese Seminare finanziell gefördert. Dieser Stiftung sei durch die falschen Teilnehmerzahlen ein Schaden von mehr als 600.000 Euro entstanden.

Es soll dabei um insgesamt 170 Betrugsfälle gehen

Außerdem sollen ehemalige Vorstandsmitglieder der AWO Geld beiseite geschafft haben, als die bevorstehende Insolvenz der Kreisverbände schon absehbar war. Damit sei dieses Geld nicht mit in die Insolvenzmasse geflossen. Im Zusammenhang mit der Insolvenz sollen auch mehrere Handwerker betrogen worden sein. Demnach sollen ehemalige Mitarbeiter der AWO noch Aufträge an Handwerker vergeben haben, als die drohende Insolvenz bereits bekannt war. Die Staatsanwaltschaft sagt, hier soll ein Schaden von 25.000 Euro entstanden sein. Auch die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz soll bei einer Bürgschaft von einem ehemaligen AWO-Mitarbeiter vorsätzlich getäuscht worden sein. Hier beläuft sich der Schaden auf 28.500 Euro.

Anklage erst jetzt - warum?

Seit dem Auffliegen des Betrugsskandals sind vier Jahre vergangenen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sei es schwer gewesen, die genaue Schadenssumme festzustellen, also wie viele Teilnehmerlisten bei den Seminaren gefälscht waren, demzufolge dann die Stiftung zu viel Geld an die AWO gezahlt hatte. Die Stiftung fordert nun ihr Geld von den beiden AWO-Kreisverbänden komplett zurück. Wann der Prozess am Landgericht in Koblenz beginnt ist derzeit aber noch unklar.

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