Die Verbandsbürgermeisterin von Altenahr, Cornelia Weigand, spricht in einer Pressekonferenz. Fast sieben Wochen nach ihrem ersten Besuch im flutgeschädigten Ahrtal ist die Kanzlerin erneut im Katastrophengebiet und informiert sich über die Aufräumarbeiten.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Thomas Frey)

Bürgermeisterin der VG Altenahr zu Kritik an Kandidatur als Landrätin

Cornelia Weigand: "Das Ahrtal verliert mich nicht!"

STAND
AUTOR/IN
Andreas Krisam

Nach der Flut im Ahrtal kritisierte die Verbandsgemeindebürgermeisterin von Altenahr das Krisenmanagement. Jetzt will Cornelia Weigand neue Ahr-Landrätin werden - zum Missfallen der Ortsbürgermeister.

Sie saß mit Alt-Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einer Pressekonferenz auf dem Podium und nahm kein Blatt vor den Mund, sie gedachte gemeinsam mit Bundespräsident Steinmeier (SPD) am Nürburgring der Opfer der Flutkatastrophe. Und sie bat Landes- und Bundesregierung in den Tagen nach der Katatstrophe im Juli immer wieder öffentlich um Hilfe: Wohl kaum eine andere Kommunalpolitikerin war in Sachen Ahrtal so oft zu sehen und zu hören wie die parteilose Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr, Cornelia Weigand.

VG Altenahr: Wie geht es weiter mit Feuerwehrhäusern und Schulen?

Auch jetzt hat sie noch alle Hände voll zu tun, um den Wiederaufbau voranzutreiben. Deshalb sei es keine gute Idee, wenn Cornelia Weigand ausgerechnet jetzt als Bewerberin bei der Landratswahl im Kreis Ahrweiler antrete, kritisiert etwa Rüdiger Fuhrmann der Ortsbürgermeister von Altenahr.

"Bei den Ortsgemeinden gibt es gerade einen riesigen Arbeitsaufwand."

Bislang habe die Zusammenarbeit mit Weigand sehr gut geklappt, sagt er. Seine Kollegen und Kolleginnen in den anderen Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde Altenahr bräuchten sie dringend, um die Arbeiten zu koordinieren.

Ortsbürgermeister kritisieren Bewerbung als neue Ahr-Landrätin

Es müsse geklärt werden, wie die Verbandsgemeinde Altenahr mit ihren eigenen Liegenschaften umgehen wolle, die von der Flut betroffen waren - beispielsweise die Feuerwehrhäuser und die Schulen. Oder das Rathaus, dass bei dem Hochwasser überflutet wurde. Das alles bedeute für die Ortsgemeinden einen riesigen Arbeitsaufwand.

Es sei gut gewesen, dass sich Cornelia Weigand immer wieder öffentlich für die Ahr stark gemacht habe. Dass sie ausgerechnet jetzt als Landrätin in die Kreisverwaltung wechseln wolle, sei kein gutes Signal und sorge für Unruhe, sagt Fuhrmann und spricht damit auch für die anderen Ortsbürgermeister- und bürgermeisterinnen in der Verbandsgemeinde Altenahr: "Ich halte es für einen Fehler, wenn wir durch die Landratswahl gezwungen würden, in eine Bürgermeisterwahl zu gehen. Es wäre schon gut, wir könnten uns das sparen."

Cornelia Weigand: "Als Landrätin könnte ich mehr fürs Ahrtal tun"

Im Gespräch mit dem SWR reagiert Cornelia Weigand auf diese Kritik und sagt, sie habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Sie sei aber fest davon überzeugt, dass sie als Landrätin im Kreis Ahrweiler noch mehr für die von der Flut betroffenen Kommunen erreichen könne als jetzt als Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr: "Ich komme von hier, wir wohnen weiterhin hier und natürlich bringe ich die Innensicht mit." Und dass egal, ob sie im Rathaus der Verbandsgemeinde oder in der Kreisverwaltung sitze.

Audio herunterladen (33,1 MB | MP3)

Landratswahl im Januar 2022 - Ausgang ungewiss

Zudem sei der Ausgang der Landratswahl im Kreis Ahrweiler völlig ungewiss. Am 23. Januar 2022 stellen sich neben Cornelia Weigand auch der Interims-Chef im Kreis Ahrweiler, Horst Gies (CDU) zur Wahl. Außerdem Christoph Schmitt (SPD) und Axel Ritter (parteilos).

Es geht bei der Wahl um die Nachfolge des früheren Ahr-Landrats Jürgen Pföhler (CDU), der nach der Flut vorzeitig in den Ruhestand versetzt worden war. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft Koblenz um zu klären, ob in der Flutnacht die Menschen im Ahrtal möglicherweise zu spät gewarnt wurden.

Rheinland-Pfalz

Die Lage nach der Flutkatastrophe Fluthilfemedaille für Bundeswehrangehörige

In den von der Flutkatastrophe zerstörten Regionen in Rheinland-Pfalz läuft der Wiederaufbau. Viel ist geschafft, viel ist noch zu tun. Hier die aktuelle Lage.  mehr...

Aktuelle Berichte, Videos und Reportagen Dossier: Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz

Unvorstellbare Wassermassen haben in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 die Region Trier und das Ahrtal in der Eifel getroffen. Die Folgen: Viele Tote und Verletzte und Schäden in Milliardenhöhe.  mehr...

STAND
AUTOR/IN
Andreas Krisam