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Im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos sind nach einem Großbrand mehrere tausend Flüchtlinge obdachlos. Alea Horst aus Reckenroth und ihre Tochter waren schon mehrmals auf der griechischen Insel, um den Menschen dort zu helfen. Kurz nachdem die Fotografin von dem verheerenden Feuer erfuhr, ist sie wieder hingeflogen und hat dem SWR von ihren Eindrücken berichtet.

Am Freitag hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ankündigt, bis zu 150 minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland zu holen. Den umgekehrten Weg ist Alea Horst aus dem Rhein-Lahn-Kreis gegangen. Die 38-Jährige flog so schnell es ging nach Lesbos, um zu helfen. Etwa 13.000 Menschen sollen zurzeit nach dem Brand in Moria auf der Straße leben.

"150 Kinder sind nicht genug"

Ihre Eindrücke schickt Alea Horst per Whatsapp-Sprachnachricht nach Deutschland. Sie berichtet, als sie spät am Donnerstagabend in dem zerstörten Flüchtlingscamp ankam, sei sie geschockt gewesen: "Mein Gefühl war pures Entsetzen als ich die Straße entlang gegangen bin. Ich habe viele Menschen getroffen, die ich schon von meinen Aufenthalten im Juli und auch vom März dieses Jahres kenne. Da sind Freudentränen geflossen."

Horst Seehofers Ankündigung, dass Deutschland bis zu 150 minderjährige Flüchtlinge aufnimmt, macht die ehrenamtliche Helferin wütend: "Hier sind über 7.000 Kinder. Was macht man mit dem Rest? Hier sind außerdem Menschen mit Kriegsverletzungen und Behinderungen. Also für mich sind 100 oder 150 Kinder absolut nicht genug, das ist einfach nur lächerlich in meinen Augen."

"Ich möchte für die Menschen da sein"

Bereits zum vierten Mal ist die 38-jährige Fotografin aus dem Taunus auf Lesbos. Dieses Mal hatte sie es besonders eilig, um in das ausgebrannte Camp zu kommen. "Ich schreibe fast jeden Tag mit einem 15-jährigen Mädchen, wo ich mehr und mehr merke, dass sie selbstmordgefährdet ist, weil sie es nicht mehr schafft, weil sie ihr Leben nicht mehr aushält hier. Und ich möchte in diesen schweren Stunden für die Menschen da sein, und mich um sie kümmern."

Zerstörtes Flüchtlingslager Moria nach dem Großbrand (Foto: Alea Horst)
Bis jetzt ist die Ursache des Großbrandes in Moria noch nicht bekannt. Das notdürftigen Behausungen des Flüchtlingscamps wurden bei dem Feuer fast vollstädnig zerstört. Alea Horst

"Unbegreiflich, warum immer noch die Hand auf dem Deckel ist"

Alea Horst hofft, dass Deutschland mehr Menschen aus Moria aufnimmt. Dass sich in den vergangenen Tagen immer mehr Menschen in der Öffentlichkeit für die Aufnahme von Flüchtlingen aussprechen, macht ihr Mut. "Ich finde es fantastisch, dass ganz viele Menschen sich der Initiative Seebrücke angeschlossen haben. Ich finde es toll, dass es Kommunen gibt, Städte gibt, Bundesländer und Länder, die sagen: Wir haben Platz und wir können die Menschen aufnehmen und wir können sie versorgen. Es ist für mich unbegreiflich, warum da immer noch die Hand auf dem Deckel ist."

Am 1. Oktober fliegt Alea Horst wieder zurück nach Hause in den Rhein-Lahn-Kreis. Bis dahin hofft sie, dass sich die Lage auf Lesbos wieder einigermaßen stabilisieren wird.

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