Eine Frau und ihre Mutter halten in einer Wohnung die Haende (gestellte Szene). (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa Themendienst | Silvia Marks)

Viele Angebote rund um das Thema Demenz

Tabu-Thema Demenz: Höhr-Grenzhausen startet Aktionswochen

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Constantin Pläcking
SWR-Reporter Constantin Pläcking aus dem Studio Koblenz. (Foto: SWR)
Bruno Nonninger
Bruno Nonninger, Referent Verein und Finanzen (Foto: Stephan Dinges)

In Deutschland gibt es etwa 1,8 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Dennoch ist das Thema oft ein Tabu. Die Aktionswochen Demenz in Höhr-Grenzhausen wollen das ändern.

Demenz ist eine schleichende Krankheit. Das erlebt auch Karen Probst-Bayer hautnah mit als pflegende Angehörige. Sie lebt in Vallendar und hat eine 76-jährige Mutter, die an Demenz erkrankt ist. "Die Mama, die man manchmal auch als erwachsene Frau noch bräuchte, ist nicht mehr immer verfügbar", sagt sie.

Schon als Probst-Bayer noch ein Kind war, lernte sie, was Demenz bedeutet. Denn ihre Großeltern, die Eltern ihrer Mutter, waren ebenfalls an Demenz erkrankt. "Wir wissen also wo die Reise hingeht", sagt Probst-Bayer. Ihre Mutter habe ihre Eltern bis zum Tod gepflegt.

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Häusliche Pflege von Demenzpatienten ist Herausforderung

Jetzt ist die 76-jährige selbst betroffen. Ihr 86-jähriger Mann pflegt sie hauptsächlich, aber auch Tochter Karen ist immer mehr in die Pflege eingebunden. Glücklicherweise wohnen ihre Eltern nur im Nachbarort. "Ich glaube die Auseinandersetzung, dass irgendwann ein Bruch kommen könnte, dass sie nicht mehr zuhause bleiben kann, das macht meinem Vater schon zu schaffen", sagt sie.

Und auch für sie selbst ist der Gedanke schwer: "Es ist meine Mutter, und meine Mutter ist die, die mich groß gezogen hat und immer für mich da war", sagt sie. Oft erwische sie sich dabei, wie sie den Gedanken an die Zukunft wegschiebt.

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Aktionswochen in Höhr-Grenzhausen wollen Betroffene vernetzen

Demenz sei für viele immer noch ein Tabu-Thema, sagt Olga Ganis vom Demenznetzwerk Höhr-Grenzhausen. Deshalb sollen die Aktionswochen der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen auch dazu beitragen, die Menschen im Westerwald früher im Alltag zu unterstützen und sie für das Thema Demenz zu sensibilisieren.

Die Aktionwochen finden vom 21. September bis zum 7. Oktober statt. An Demenz erkrankte Menschen und ihre Angehörigen können zum Beispiel gemeinsam töpfern, malen oder musizieren. Auch Museums- oder Kinobesuche und Autorenlesungen stehen auf dem Programm. Nach Angaben der Initiatoren sollen die Aktionen dabei helfen, im Alltag besser mit einer Demenz umgehen zu können.

Betroffene wenden sich erst spät an Beratungsstellen

Die Organisatoren hoffen nach eigenen Angaben, dass Betroffene und ihr Angehörigen so eher Kontakt zu den Beratungsstellen bekommen und von den möglichen Angeboten hören. "Viele Menschen rufen uns erst im allerletzten Moment an, wenn es nicht mehr geht. Und dann ist es oft schon zu spät", sagt Olga Ganis.

Lokale Anlaufstellen bieten Unterstützung im Westerwald

Deshalb sei unter anderem die "Lokale Allianz" entstanden. Ein Netzwerk, das sowohl Betroffenen, als auch pflegenden Angehörigen von Demenzkranken eine ganz persönliche Unterstützung im Alltag anbietet. Diese Hilfe steht allen Menschen aus der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen offen.

Das AWO Seniorenzentrum Kannenbäckerland ist die zentrale Anlauf- und Beratungsstelle in der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen und hilft bei Fragen zum Leben und Wohnen mit Demenz.

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