Die Ahrtalbahn fährt wieder auf dem ersten Abschnitt zwischen Remagen und Ahrweiler. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Thomas Frey)

Durch Flut zerstörte Bahnstrecke

Erste Züge der Ahrtalbahn fahren wieder

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Die Flut hat auch bei der Ahrtalbahn schwere Schäden hinterlassen: Bahnsteige und Gleise wurden weggespült. Nun fahren wieder Züge - allerdings noch nicht auf der ganzen Strecke.

Am Montag war es soweit: Vier Monate nach der Flutkatastrophe fuhr die Regionalbahn 39 als erster Zug auf der zwölf Kilometer langen Teilstrecke der Ahrtalbahn von Remagen nach Ahrweiler.

Der erste Streckenabschnitt der stark zerstörten Ahrtalbahn wurde mit einer feierlichen ersten Zugfahrt wieder in Betrieb genommen. An Bord des Regionalzugs war neben Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und der für Infrastruktur zuständige Bahnvorstand Ronald Pofalla.

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"Angesichts der Schwere der Schäden kommen wir gut voran", erklärte Scheuer. "Wir werden zwar noch längere Zeit mit den Langfristfolgen dieser Flutkatastrophe zu kämpfen haben, aber ich versichere Ihnen, dass wir in unserem Engagement beim Wiederaufbau der Infrastruktur nicht nachlassen werden." Die notwendigen Gelder dafür stünden bereit.

Dreyer: Wichtiger Tag für das Ahrtal

Dreyer sprach von einem "wichtigen Tag" für das Ahrtal, der zeige, "dass wir bei der Mammutaufgabe des Wiederaufbaus mit sichtbaren Schritten vorankommen". Für die Menschen bringe die Wiedereröffnung große Erleichterungen im Alltag, weil sie nun wieder jeden Tag gut mit der Bahn unterwegs sein könnten. Ab sofort fahren die Züge nun wieder zweimal pro Stunde und Richtung zwischen Remagen und Ahrweiler.

Schienenersatzverkehr ändert sich

Der Fahrplan sieht zwei Züge pro Stunde und Richtung auf der zunächst eingleisigen Strecke vor, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Deshalb ändert sich laut SPNV-Nord auch das Netz des Schienenersatzverkehrs im Ahrtal. Die SEV-Line 1 nach Mayschoß über Dernau und die SEV-Linie 3 nach Ahrbrück über Altenahr starten ab jetzt beide am Bahnhof Ahrweiler. Vorerst wird auch zwischen Bad Neuenahr und Remagen ein Bus pendeln. Der Grund: Die Bahn fährt den Bahnhof Heimersheim noch nicht wieder an.

Bus des Schienenersatzverkehrs im Ahrtal nach Dernau (Foto: SWR)
Die Schienenersatzverkehr-Route nach Dernau beginnt jetzt am Bahnhof Ahrweiler.

Bahnhof Heimersheim war komplett zerstört

Denn der Haltepunkt war von den Wassermassen Mitte Juli komplett zerstört worden. Hier wurde nach Angaben der Bahn in den vergangenen Monaten ein Gleis in Stand gesetzt. Laut Fahrplan halten hier aber vorerst keine Züge, da der Bahnsteig selbst noch nicht wieder aufgebaut wurde.

Eine Drohenaufnahme vom beschädigten Bahnhof in Heimersheim (Foto: Pressestelle, Deutsche Bahn AG / Patrick Kuschfeld)
Der Bahnhof in Heimersheim wurde von den Wassermassen schwer beschädigt. Pressestelle Deutsche Bahn AG / Patrick Kuschfeld

Eigentlich könnten die Züge auch bis Walporzheim fahren, denn bis dahin ist die Strecke weitestgehend intakt. Allerdings wird laut Kreis Ahrweiler der Bahnhof Ahrweiler Markt aktuell umgebaut. Bis Ende des Jahres sollen die Züge laut Bahn dann auch wieder bis Walporzheim fahren.

Keine offizielle Prognose für Strecke bis Ahrbrück

Für den Wiederaufbau der ersten Teilstrecke wurden nach Angaben der Deutschen Bahn etwa 4.200 Tonnen Kies und 7.800 Tonnen Schotter benötigt. Zuvor sei tonnenweise Schutt entfernt worden. Außerdem hätten fünf Kilometer Kabel, ein Kilometer Schienen, 1.500 Schwellen sowie zwei Bahnübergänge erneuert werden müssen.

Wann auch der restliche Weg bis nach Ahrbrück und damit die komplette 30 Kilometer lange Strecke wieder befahrbar ist, ist noch nicht absehbar. "Unter anderem müssen acht Brücken und sieben Bahnübergänge gebaut werden", sagt Pofalla. Nach Angaben der Deutschen Bahn müssen unter anderem auch zerstörte Stellwerke in Dernau und Kreuzberg wieder instandgesetzt werden.

Experten schätzen eine Bau- und Planzeit von mindestens sechs Jahren

Experten schätzen die Plan- und Bauzeit auf mindestens sechs Jahre - bei optimalen Bedingungen. Auch eine Elektrifizierung ist nach Angaben von Bahn und Kreis Ahrweiler denkbar. Das fordert auch die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr, Cornelia Weigand (parteilos). Sie plädiert außerdem für die Reaktivierung der Strecke bis nach Adenau.

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