In den Böden im Ahrtal werden belastende Substanzen vermutet (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Thomas Frey)

Laboruntersuchung von Böden im Ahrtal

Keine langfristige Bodenbelastung nach Flutkatastrophe

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Die Flutkatastrophe im Ahrtal hat zu höheren Schadstoffwerten in Wasser, Boden und Luft geführt. Das teilte das Umweltministerium mit. Längerfristige Folgen seien jedoch nicht zu erwarten.

Die Ergebnisse gehen aus einem Zwischenfazit des Sondermessprogramms an der Ahr hervor, das das Landesamt für Umwelt in Zusammenarbeit mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord durchgeführt hat.

"Die Flutkatastrophe hat erwartungsgemäß zu höheren Schadstoffwerten in Wasser, Boden und Luft geführt. Allerdings sind diese Werte derzeit nicht beunruhigend und lassen auch keine längerfristigen gravierenden Belastungen befürchten", sagte Klimaschutzministerin Anne Spiegel (Grüne) bei der Vorstellung des Berichts am Montag.

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Probleme durch zerstörte Kanäle und Kläranlagen

Für die Gewässeruntersuchung seien an 14 Messpunkten entlang der Ahr in bislang vier Durchgängen sowie durch das Messschiff MS Burgund an der Ahrmündung in den Rhein Proben entnommen und analysiert worden.

Als größte Quelle der Belastungen hätten sich dabei zerstörte Kanäle und nur eingeschränkt funktionsfähige Kläranlagen ergeben. Dabei nähmen die Belastungen vom Oberlauf zum Unterlauf zu.

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Neuausrichtung der Abwasserentsorgung könnte Jahre dauern

Bis Jahresende sollten alle Bürgerinnen und Bürger wieder an die Kläranlagen Adenauer Bach im Dümpelfeld, Untere Ahr in Sinzig und an mehrere provisorische Kläranlagen im Bereich der mittleren Ahr angeschlossen sein, so das Ministerium.

Die Sanierung und Erneuerung aller defekten Kanäle und die Neuausrichtung der Abwasserentsorgung insgesamt werde hingegen einige Jahre in Anspruch nehmen. Bis dahin ließe es sich nicht vermeiden, dass Abwasser zum Teil unzureichend behandelt oder sogar unbehandelt in die Ahr gelangt und das Gewässer belastet.

Nach Regenfällen wurden zudem höhere Konzentrationen von Mineralölen und Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gemessen. "Das spricht dafür, dass diese Schadstoffe aus Kanälen und von zerstörten Straßen oder Parkplätzen eingeschwemmt werden", sagte Ministerin Spiegel.

Lebensraum für Kleinlebewesen zerstört - weniger Fischnahrung

Nach ersten Untersuchungen zur Fischfauna schätzt das Ministerium, dass die Hälfte des Bestands in der Ahr noch erhalten ist. Die ökologischen Untersuchungen hätten ergeben, dass die Larven von Eintags- und Köcherfliegen vor allem im Unterlauf der Ahr stark abgenommen haben - dort habe die Hochwasserwelle "wie ein Sandstrahlgebläse alles mitgerissen", sagte Spiegel. Catherine Antoni vom Referat Gewässerschutz im Ministerium zeigte sich zuversichtlich, dass sich die als Fischnahrung wichtigen Larvenbestände im nächsten Frühjahr wieder erholen.

Wenig Belastung im Rhein

Das chemische Monitoring finde momentan alle zwei Wochen statt, weitere biologische Untersuchungen liefen aktuell und seien für das kommende Frühjahr geplant.

Relativ gering sei demgegenüber der Einfluss der Flutkatastrophe auf die Gewässerchemie des Rheins. Aufgrund der großen Verdünnungseffekte seien erhöhte Werte lediglich im Nahbereich der Ahrmündung messbar.

Besonders auch Kinderspielflächen untersucht

Boden- und Staubuntersuchungen hätten keine gesundheitsgefährdenden Verschmutzungen ergeben, so Spiegel. Lediglich der Messpunkt am "Ahrtor" zeige bei den Staubniederschlägen leicht erhöhte Schwermetallwerte (mit fallender Tendenz), die vermutlich auf Abbrucharbeiten und erhöhtes Lkw-Aufkommen zurückzuführen seien. Teilweise seien die gemessenen Werte sogar unterhalb der Nachweisgrenze.

"Bei den Böden haben wir uns auf besonders sensible Bereiche wie Kinderspielflächen und auf Flächen konzentriert, an denen sich viele Sedimente abgelagert haben", erläuterte Spiegel.

Bodenaustausch an einige Stellen nötig

Insgesamt seien rund 120 Flächen in der Westeifel und im Ahrtal erprobt worden. Leicht erhöhte Messwerte bei Schwermetallen oder PCB seien vermutlich gar nicht auf das Hochwasser zurückzuführen. Bei einzelnen Flächen wurden schon vor der Flutkatastrophe bestehende "Alt"-Bodenbelastungen entdeckt.

"Selbstverständlich werden die an wenigen Stellen notwendigen Maßnahmen wie etwa Bodenaustausch durch die zuständigen Behörden auf den Weg gebracht und zusätzliche Untersuchungen im Umfeld von auffälligen Bereichen fortgesetzt", versicherte Ministerin Spiegel abschließend.

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