Füße einer Prostituierten (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Zehn Jahre Prostituiertenberatung in Rheinland-Pfalz Koblenzer Sozialarbeiterinnen kritisieren Prostituiertenschutzgesetz

Die Beratungsstelle Roxanne in Koblenz kritisiert das Prostituiertenschutzgesetz. Durch die neuen Vorschriften hätten sich die Lebensbedingungen vieler Frauen verschlechtert.

Das Gesetz sieht vor, dass Prostituierte und Sexarbeiterinnen nicht im selben Raum arbeiten und wohnen dürfen. Damit wollte die Bundesregierung eigentlich die Arbeits- und Lebensbedingungen der Frauen verbessern. Doch das Gegenteil sei häufig der Fall, sagte die Leiterin der Beratungsstelle, Christine Bangert: "Viele kleine Wohnungen, wo die Bedingungen ganz gut waren, sind geschlossen worden. Viele Frauen sind dadurch eher in den Untergrund geraten. Dort können wir ihnen schlechter helfen."

Prostituierte haben mehr Kosten

Auch die rheinland-pfälzische Frauenministerin, Anne Spiegel (Grüne), hält die neuen Regelungen des Gesetzes, das seit 2017 gilt, für falsch: "Ein zweites Zimmer, damit die Sexarbeiterinnen nach der Arbeit auch mal raus können, das war eigentlich gut gemeint. In der Realität führt das aber dazu, dass sie höhere Kosten haben, weil sie jetzt sowohl für ihre Arbeits- als auch für ihre Schlafstätte Miete zahlen müssen."

Forderung nach mehr Akzeptanz

Die Koblenzer Prostituiertenberatungsstelle fordert außerdem mehr Akzeptanz für die Arbeit von Prostituierten und Sexarbeiterinnen. Die Frauen, die in Bordellen oder in Wohnwagen arbeiteten, würden oft als "Menschen zweiter Klasse" betrachtet. Das führe dazu, dass viele der Frauen versuchten, anonym zu bleiben. Eine höhere gesellschaftliche Anerkennung, könnte die Lebensumstände der Frauen auf lange Sicht verbessern.

Die Mitarbeiter der Beratungsstelle in Koblenz kümmern sich seit zehn Jahren um Prostituierte in der Region. 2009 war Roxanne die erste Einrichtung ihrer Art in Rheinland-Pfalz.

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