Mikroplastik-Partikel auf einem Finger (Foto: picture-alliance / Reportdienste)

Koblenzer Wissenschaftler suchen nach Mini-Partikeln Wie viel Mikroplastik gibt es in Rhein, Lahn und Mosel?

Immer häufiger wird Mikroplastik im Wasser gefunden. Jetzt wollen Wissenschaftler in Koblenz herausfinden, wie stark Mosel, Lahn und Rhein mit den winzig kleinen Plastikteilchen belastet sind.

Das neue Forschungsprojekt der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz solle auch dabei helfen, die Standards bei der Untersuchung von Mikroplastik in Flüssen anzugleichen, sagte eine Mitarbeiterin. Bisher würden die Forscher zum Beispiel mit unterschiedlich großen Netzen arbeiten, um Mikroplastik aus dem Wasser rauszuholen.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Forschungsergebnisse oft schlecht vergleichbar

Außerdem gebe es noch keine einheitliche Auswahl der Orte für Wasser- und Bodenproben, mit denen die Folgen der Plastikflut erforscht werden. Manche Forscher würden Mikroplastik an Mündungen untersuchen, andere an Uferbereichen. Dadurch seien die Ergebnisse bisher oft schwer miteinander zu vergleichen. Nach Angaben der Wissenschaftler dauert die vollständige Zersetzung der Kunststoffe in den Flüssen mehrere hundert Jahre.

Neue Forschung zu Mikroplastik in Flüssen Mikroplastik in Rhein und Mosel

Wissenschaftlerin hält ein feinmaschiges Netz in der Hand, im HIntergrund die Pfaffendorfer Brücke über den Rhein und die Festung Ehrenbreitstein (Foto: SWR)
Friederike Stock auf einem Anleger am Rhein in Koblenz, die Wissenschaftlerin der Bundesanstalt für Gewässerkunde will kleinste Plastikteilchen aus dem Fluss fischen. Bild in Detailansicht öffnen
Die Koblenzer Wissenschaftler "fangen" so Plastik im Rhein. Andere Forscher nehmen andere Netze. Die Forschung nach Mikroplastik in Flüssen ist noch am Anfang. Die Methoden sind nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde noch nicht vereinheitlicht. Bild in Detailansicht öffnen
Im Labor untersucht Friederike Stock Proben aus Rhein, Mosel, Lahn und anderen Flüssen. Die größeren Pastikreste kann sie schon mit bloßem Auge erkennen. Bild in Detailansicht öffnen
Bis zu 500 Jahre kann die vollständige Zersetzung des Kunststoffes dauern. Bild in Detailansicht öffnen
Mikroplastik untersucht Friederike Stock auch mit dem Mikroskop. In der Mosel wurden in Bodenproben 34 Mikroplastikpartikel pro Kilogramm gefunden, im Rhein 32 Partikel pro Kilogramm. "Es sollte nicht da sein", sagt sie. Ob Mikroplastik der Gesundheit schaden kann, werde noch untersucht. Bild in Detailansicht öffnen
Viele Mikroplastikteilchen sind kleiner als 300 Mikrometer. Ein neues Forschungsprojekt der Bundesanstalt für Gewässerkunde startete Anfang des Jahres. In den kommenden Jahren wollen die Wissenschaftler unter anderem am Rhein, in den Staustufen der Mosel und in der Lahn nach Plastikteilchen suchen. Bild in Detailansicht öffnen

Die Koblenzer Wissenschaftlerin Friederike Stock lässt für die Untersuchung ein Netz aus einem gardinenartigen Stoff langsam ins Wasser. Der Stoff hängt an einem großen Trichter, durch den das Wasser fließt. Erst nach 20 Minuten zieht sie ihn wieder heraus.

Die Schwebstoffe im Wasser entpuppen sich oft als Mikroplastik

Die Rückstände im Netz untersucht sie in ihrem Labor. Es ist nicht weit entfernt vom Rhein, im Keller des Bundesamtes für Gewässerkunde in Koblenz. Hier trennen verschiedene Apparate das Plastik aus Wasser- und Bodenproben. Erst seit einigen Jahren untersuchen Forscher überhaupt, wie viel Plastik in Flüssen zu finden ist.

Eingangsschild "Bundesanstalt für Gewässerkunde" (Foto: SWR)

Die Wissenschaftler seien noch ganz am Anfang, sagt Friederike Stock. Doch sicher sei: Es gibt vor allem im Boden der Flüsse kleinste Plastikteilchen, auch in Mosel und Rhein. Über den Nahrungskreislauf nehmen Fische das Plastik auf und schließlich auch wir Menschen.

Risiken noch unbekannt

Mögliche Risiken für Mensch und Umwelt sind bislang nicht ausreichend untersucht. Auch ist nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde bislang keine Lösung in Sicht, wie man Mikroplastik wieder aus dem Wasser herausbekommen könnte.

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