Die Löscharbeiten nach dem Großbrand am Bahnhof in Unkel dauerten mehrere Stunden (Foto: Imago, Imago)

Kritik vom Kreisfeuerwehrinspekteur Nach Güterzugbrand: Mehr Bahn-Notfallmanager gefordert

Erst beim ICE-Feuer im Westerwald, jetzt beim Großbrand eines Güterzugs in Unkel: Die Feuerwehr musste auf den Notfallmanager der Bahn warten. Jetzt werden Konsequenzen gefordert.

Der Alarm ging am Mittwochabend um 23:16 Uhr ein, berichtet Werner Böcking, Kreisfeuerwehrinspekteur im Kreis Neuwied. Laut seiner Einsatzdaten hatte die Bahn die Gleise bei Unkel am Rhein bereits drei Minuten später gesperrt. Kurz danach waren die Feuerwehrleute im Bahnhof in Unkel, wo der brennende Güterzug gestoppt worden war.

Löscharbeiten begannen um 0:26 Uhr

Laut Protokoll fing der Notfallmanager der Bahn um 23:53 Uhr damit an, die Oberleitung vor und hinter den brennenden Güterwaggons zu erden. Die Feuerwehrleute mussten laut Protokoll aber bis um 0:26 Uhr warten, bis sie mit dem Löschen beginnen konnten. Erst wenn klar sei, ob und wie stark die Oberleitung möglicherweise noch unter Strom stehe, könne man das Wasser anstellen, erklärt Werner Böcking.

Dauer

Feuerwehrleute können in moralisches Dilemma geraten

Ähnlich lange dauerte es auch wenige Monate vorher, als bei Dierdorf im Westerwald ein ICE mit rund 200 Reisenden an Bord in Brand geriet. Verletzte gab es damals nicht. Aber auch am 12. Oktober 2018 mussten die Feuerwehrleute etwa eine Stunde lang warten, bis der Notfallmanager der Bahn vor Ort war und die Leitung geerdet hatte.

Kreisfeuerwehrinspektor Böcking möchte sich gar nicht ausmalen, wie seine Kollegen reagiert hätten, wenn sich Fahrgäste in einer Notlage in dem brennenden Zug befunden hätten.

Dauer

Keine Ausbildung und keine Ausrüstung

Die Feuerwehrleute selbst sind weder dafür ausgebildet, noch dafür ausgerüstet, eine Oberleitung der Bahn zu erden. Nach den beiden Bränden in nur vier Monaten im Kreis Neuwied fordert er jetzt, dass die Bahn mehr Notfallmanager einstellen solle. Bislang gibt es nach seinen Angaben rund 900 in Deutschland, die innerhalb von einer halben Stunde am Einsatzort sein sollen.

Dauer

Dieses Zeitfenster sei sowohl beim ICE-Brand in Dierdorf als auch beim Großbrand des Güterzuges in Unkel eingehalten worden, betont Böcking. Doch die Erdung selbst habe dann noch mal rund eine halbe Stunde gedauert. Nur deshalb habe sich der Schwelbrand in den Güterwaggons in Unkel zu einem Vollbrand ausweiten können.

Fotos vom Einsatz und der Unfallstelle Lichterlohe Flammen - Großbrand in Unkel

Ein Großaufgebot der Feuerwehr kämpft gegen die Flammen beim Großbrand eines Gützerzuges bei Unkel im Kreis Neuwied (Foto: picture-alliance / Reportdienste)
Ein Großaufgebot der Feuerwehr kämpft gegen die Flammen Bild in Detailansicht öffnen
Die drei Güterwaggons fingen kurz vor Mitternacht Feuer , sagt die Feuerwehr Bild in Detailansicht öffnen
Der Lokführer bemerkte die Flammen nicht selbst, ein entgegenkommender Zugführer löste den Alarm aus Bild in Detailansicht öffnen
Luftaufnahme des Bahnhofes in Unkel im Kreis Neuwied nach dem Großbrand von Güterwaggons Bild in Detailansicht öffnen
Der Bahnhof in Unkel wurde nach dem Großbrand gesperrt Bild in Detailansicht öffnen
Nach dem Brand von Güterzugwaggons sind Bahnmitarbeiter mit der Bergung und der Reparatur der Strecke beschäftigt Bild in Detailansicht öffnen
Die ausgebrannten Güterwaggons blockieren momentan die rechtsrheinische Bahnstrecke Bild in Detailansicht öffnen
Die Feuerwehr hat die drei brennenden Güterwaggons gelöscht Bild in Detailansicht öffnen
Rund um den Bahnhof in Unkel liegen nach dem Großbrand der Güterwaggons viele explodierte Spraydosen Bild in Detailansicht öffnen
Aufräumen am Tag nach dem Brand in Unkel. Die ausgebrannten Waggons werden geleert und müssen abtransportiert werden. Bild in Detailansicht öffnen
STAND