Der Eingang zur Staatsanwaltschaft Koblenz (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Misshandlungsvorwürfe gegen zwei Mitarbeiter Jugendhilfe-Einrichtung in Wanderath zieht Konsequenzen

Nach den Misshandlungsvorwürfen gegen die Jugendhilfe-Einrichtung in Wanderrath verzichtet der Träger künftig auf die Betreuung von Jugendlichen. Sie sollen in anderen Einrichtungen unterkommen.

"Die öffentlichen Diskussionen haben Spuren hinterlassen, weshalb wir es nicht mehr für möglich halten, dass Jugendliche bei uns in Wanderath unbelastet leben können", sagte am Dienstag ein Sprecher des Trägers Case Project der Deutschen Presse Agentur.

"Die in den vergangenen Monaten öffentlich gegen unsere Einrichtung erhobenen Vorwürfe haben uns selbstverständlich sehr betroffen gemacht", erklärte demnach der Sprecher. Die Suche nach neuen Wohnplätzen für die Jugendlichen komme gut voran.

Personal wechselt zur Einrichtung für Erwachsene

Das Personal in der Einrichtung soll nach Einstellung des Betriebs zum Monatsende nach Angaben des Trägers künftig das Team in der Eingliederungshilfe für Erwachsene verstärken.


Am Montag wurde bekannt, dass die zuständige Landesbehörde die Jugendeinrichtung komplett schließen und die Erwachseneneinrichtung an einen neuen Träger vergeben will. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung. Beschuldigt sind zwei Mitarbeiter einer Jugendhilfe-Einrichtung in Baar-Wanderath im Kreis Mayen-Koblenz.

Eine 49-jährige Frau und ein 62-jähriger Mann sollen in mehreren Fällen Bewohner der Einrichtung ohne ersichtlichen Grund in einen verschlossenen und fensterlosen so genannten Deeskalationsraum gesperrt haben. Außerdem sollen sie Jugendliche und junge Erwachsene körperlich misshandelt haben, heißt es von der Staatsanwaltschaft Koblenz. Sie muss jetzt diese Vorwürfe klären.

Die Beschuldigten sagen gegenüber der Polizei nach Angaben der Koblenzer Staatsanwaltschaft im Moment nichts. Der Träger der Einrichtung ließ dem SWR am Montagvormittag durch seinen Medienberater mitteilen, dass man an einem völlig neuen Konzept arbeite und alles neu strukturieren wolle.

Razzia im September

Mitte September wurden sowohl die Einrichtung als auch die Wohnungen der Beschuldigten durchsucht. Dabei wurde umfangreiches Material sichergestellt, das jetzt von Staatsanwaltschaft und Polizei ausgewertet wird. Gleichzeitig werden Zeugen vernommen. Die beiden Beschuldigten hätten sich zu den Vorwürfen nicht geäußert, teilte die Staatsanwaltschaft Koblenz mit.

Die Ermittlungen kamen ins Rollen, nachdem ein Reporterteam des Enthüllungsjournalisten Günter Walraff in einem Fernsehfilm Missstände in der Jugendhilfeeinrichtung angeprangert hatte.

Hatte es Kontrollen von Seiten des Jugendamtes gegeben?

Das Landesamt führt auf, dass es die Einrichtung seit 2008 mehrmals angekündigt und auch unangekündigt überprüft hätten. Aber offensichtlich war den Mitarbeitern dabei nichts Besonderes aufgefallen. Zurzeit wohnen in der Einrichtung in Wanderath sechs Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren und 42 Erwachsene. Die Jugendlichen sollen nun in anderen Einrichtungen untergebracht werden, für die Erwachsenen soll ein neuer Träger und eine neue Hausleitung gefunden werden.

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