Jürgen von Manger (Foto: SWR)

Vor 25 Jahren starb der Kabarettist Jürgen von Manger Die Koblenzer "Stimme des Ruhrgebiets"

Jürgen von Manger hat dem Ruhrgebiet eine Stimme gegeben. Doch der Mann mit dem Schnauzbart stammte gar nicht aus dem Pott, sondern aus Ehrenbreitstein. Vor 25 Jahren ist er gestorben.

"Also äääährlich" schallte es in den 60er bis 80er Jahren durch die deutschen Wohnzimmer - aus Radio und Fernsehen sowie von der Schallplatte. Die Figur des Adolf Tegtmeier, eines Kleinbürgers aus dem Pott, machte das Ruhrgebiet auch sprachlich salonfähig. Der Mann hinter der Figur, der Kabarettist Jürgen von Manger, wurde zum Synonym für eine Industrielandschaft.

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Doch der Mann mit dem charakteristischen Schnauzbart und der frechen Schnauze stammte gar nicht aus dem Pott. Hans Jürgen Julius Emil Fritz von Manger wurde am 6. März 1923 in Ehrenbreitstein geboren, damals noch eigenständige Stadt, seit 1937 Stadtteil von Koblenz. Als Jürgen zehn Jahre alt war, zog die Familie nach Hagen. Seine Heimat aber wurde später Herne, mitten im Ruhrpott, wo er am 15. März 1994 auch starb.

Sprachbeobachter und Sprachspieler

Von Manger war ein feiner Sprachbeobachter, der den Menschen seiner Umgebung "aufs Maul" geschaut hat. Von Mangers Ehefrau Ruth erinnert sich: "Die Geschichten lagen auf der Straße. Das war seine Formulierung. Da gab es ein Spezialgeschäft für Obst und Gemüse von einer richtigen Ruhrgebietsfrau. Und bei der hat er studiert, mehr oder weniger."

Die Themen seiner Sketche sind die des kleinen Arbeiters und Angestellten: die Tücken des täglichen Lebens rund um Familie, Arbeit, Verein. Der Kleinbürger Tegtmeier spielt dabei virtuos mit Melodie und Struktur der deutschen Sprache. Die Figur war so lebendig, dass sie sich nach und nach verselbständigte. "Frau Tegtmeier sagte man zu mir", so Ehefrau Ruth. "Ich hab' das nicht korrigiert. Und mein Mann hat immer mitgespielt. Wenn jemand sagte, 'Herr Tegtmeier', dann hat er auf Tegtmeier gemacht."

Vorbild für viele Kabarettisten

Von Mangers Sketche liefen in Radio und Fernsehen, er veröffentlichte zwölf Schallplatten. In "Tegtmeiers Reisen" erklärte er für das ZDF die Welt aus der Sicht des Ruhrpotts. Damit wurde er Deutschlands erfolgreichster Kabarettist - und sein Adolf Tegtmeier Vorbild für Else Stratmann (Elke Heidenreich) oder Herbert Knebel (Uwe Lyko).

Ein Schlaganfall beendete 1985 das emsige Wirken des Humoristen. Da auch sein Sprachzentrum nachhaltig geschädigt wurde, konnte Jürgen von Manger nicht mehr arbeiten. Die Stimme des Ruhrgebiets war verstummt.

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