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Virtuelle Autorennen Tausende Simracer treffen sich am Nürburgring

Der Nürburgring ist dieses Wochenende Schauplatz für Autorennen der etwas anderen Art: Bei der "ADAC SimRacing Expo" treten die besten Simulationsrennfahrer der Welt gegeneinander an.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Simracer fahren Autorennen - ein echtes Auto brauchen sie aber nicht. "SimRacing" ist die englische Kurzform für Simulationsrennsport. Das heißt: Die Fahrer messen sich auf virtuellen Strecken. Dafür brauchen sie ein Lenkrad und am besten auch einen Rennsitz: Je näher das Renngeschehen der Wirklichkeit entspricht, desto besser.

Denn der sogenannte eSport SimRacing ist für die Fahrer viel mehr als ein Computerspiel zum Zeitvertreib. Tausende Menschen fahren jede Woche Rennen, viele Wettbewerbe werden live bei Youtube und der Online-Spieleplattform Twitch übertragen. Die besten Fahrer ringen um Weltmeisterschaftstitel der großen Simulationsanbieter. Solche Live-Events wie die "SimRacing Expo" am Nürburgring sind aber selten. 40 Fahrer sind im Rennen um die SimRacing Trophy mit dabei.

Die Detailaufnahme zeigt die Hände eines SimRacers an einem Lenkrad. Entstanden ist das Foto bei der ADAC SimRacing Expo am Nürburgring im Jahr 2017. (Foto: ADAC SimRacing Expo)
Beim Simracing werden Autorennen möglichst wirklichkeitsgetreu simuliert - gesteuert wird mit einem Lenkrad. ADAC SimRacing Expo

Teilnehmer aus Russland, Australien, den USA - und Rheinland-Pfalz

Einer von ihnen ist Sebastian Schmalenbach aus Ingelheim. "Das Treffen am Nürburgring ist ein echtes Mekka für Simracer", erzählt der 33-Jährige Wirtschaftsinformatiker SWR Aktuell. "Einmal im Jahr trifft sich hier die gesamte Community: Es kommen sogar Leute aus Russland, den USA und Australien."

Schmalenbach selbst gehört zu den besten Simracern der Welt: Er fährt bei einem Profi-Team, vor zwei Wochen erst hat sein Pure Racing Team die VRS GT iRacing World Championships gewonnen, die Teamracing-WM eines der wichtigsten Simulationsanbieter.

Vom Plastiklenkrad zur millimetergenau vermessenen Rennstrecke

Angefangen mit dem SimRacing hat der Rheinland-Pfälzer schon 1998. "Grand Prix 2" hieß seine erste Simulation. "Am Anfang hatte ich nur eine Maus und eine Tastatur, irgendwann dann ein einfaches Plastiklenkrad", erinnert sich Schmalenbach. Mit dem heutigen SimRacing hat das nicht mehr viel zu tun. Millimetergenau haben die Simulationsanbieter fast alle Rennstrecken der Welt inklusive aller Bodenwellen vermessen, auch Lenkrad und Pedale verschiedener Rennautos werden im Profi-Bereich wirklichkeitsnah nachgestellt.

Sebastian Schmalenbach aus Ingelheim nimmt an den Wettbewerben der
Sebastian Schmalenbach aus Ingelheim gehört zu den besten Simracern der Welt. privat / ADAC SimRacing Expo / Montage: SWR

"Man macht also exakt die gleichen Bewegungen wie im echten Motorsport", erklärt Schmalenbach seine Faszination. "Das Auto verhält sich genau so wie in der Realität. Man kann also nicht wie bei alten Computerspielen mit 300 Sachen in eine Mauer reinfahren und dann geht es weiter."

Formel-1-Teams nutzen SimRacing zum Training

SimRacing ist nach wie vor ein Nischensport - inzwischen nutzen aber sogar Formel-1-Fahrer die Simulationen zum Training. Unternehmen wie McLaren, Porsche und Mercedes sind längst in den eSport eingestiegen. "Für die meisten normalen Menschen ist es aus finanziellen Gründen vollkommen ausgeschlossen, echten Motorsport zu betreiben", sagt Informatiker und Weltmeister Schmalenbach, der im echten Leben fest im Beruf steht. "Beim SimRacing ist man aber sehr nah an der Realität."

ADAC SimRacing Expo (Foto: Besucher bei der ADAC SimRacing Expo am Nürburgring im Jahr 2017)
Die Veranstalter der "ADAC SimRacing Expo" erwarten bis zu 15.000 Besucher auf dem Nürburgring - tausende weitere sollen die Rennen per Livestream verfolgen. Besucher bei der ADAC SimRacing Expo am Nürburgring im Jahr 2017

SimRacing Expo erwartet bis zu 15.000 Besucher

Der 33-Jährige freut sich auf seine Wettkämpfe am Samstag und Sonntag und auf die Kombination aus virtuellem und echtem Motorsport: Neben der SimRacing Trophy und einem Team-Wettbewerb wird am Nürburgring auch ein reales GT3-Rennen ausgestragen. Außerdem präsentieren internationale Aussteller ihre neuesten Simulatoren.

Es ist bereits das fünfte Mal, dass die "ADAC SimRacing Expo" am Nürburgring stattfindet. 10.000 bis 15.000 Zuschauer erwarten die Veranstalter. Viele tausend weitere werden die Wettbewerbe per Livestream verfolgen. 187.000 Zugriffe gab es im letzten Jahr. In diesem Jahr könnten es noch mehr werden. Zum ersten Mal gibt es auch einen englischsprachigen Stream für eSport-Begeisterte im Ausland.

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