Die beiden Angeklagten im Mordprozess mit ihren Anwälten auf der Anklagebank im Koblenzer Landgericht (Foto: SWR)

Urteil nach tödlichen Schüssen in Waldesch Lebenslange Haft für Mord an Koblenzer Discobetreiber

Das Koblenzer Landgericht hat zwei Männer für den Mord an einem Koblenzer Discobetreiber verurteilt. Beide bekamen lange Haftstrafen. Der Hauptangeklagte muss lebenslang ins Gefängnis.

Den zweiten Angeklagten verurteilte das Landgericht in Koblenz wegen Beihilfe zum Totschlag zu siebeneinhalb Jahren Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre gefordert. Die Richter sahen es trotz dünner Beweislage als erwiesen an, dass die beiden Männer an der Tat beteiligt waren. Der Betreiber einer Disco im Koblenzer Stadtteil Lützel war im September 2013 vor seinem Haus in Waldesch (Kreis Mayen-Koblenz) erschossen worden.

Gezielte Schüsse auf das Opfer

Die beiden 37-jährigen Männer russischer Herkunft hatten den Discobetreiber nach Ansicht des Gerichts nachts bis zu seinem Haus verfolgt und abgewartet bis er ausstieg. Dann sei der Beifahrer ausgestiegen und habe gezielt sechs Schüsse abgegeben. Anschließend seien die beiden Täter geflohen, hätten das Auto in Frankfurt abgestellt und seien mit dem Taxi nach Bad Ems gefahren.

Männer in Riga gefasst

Eine Sonderkommission war den beiden zusammen mit dem Bundeskriminalamt Ende Januar 2015 auf die Spur gekommen. Sie saßen in der lettischen Hauptstadt Riga wegen einer anderen Straftat im Gefängnis. Der mutmaßliche Täter hatte im Verfahren geschwiegen, sein Komplize dagegen beim Prozessauftakt seine Beteiligung gestanden. Er habe seinen russischen Landsmann zum Tatort gefahren und sei mit ihm geflohen.

Finanzielle Probleme als Motiv?

Zudem sagte der Mann aus, dass er in Moskau aufgewachsen sei, im Import und Export gearbeitet habe und alkohol- und kokainabhängig geworden sei. In Riga sei er "in schwere Kriminalfälle verwickelt" gewesen. Dem nun verurteilten Täter habe er für 5.000 Euro einen gefälschten Ausweis besorgt. Dieser habe von finanziellen Problemen mit einem Mann in Koblenz gesprochen. Ob dies das Motiv für die Tat war, konnte laut Gericht aber nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert, weil vieles in dem Fall unklar geblieben sei. Das 35-jährige Opfer hinterlässt drei Kinder und eine Stieftochter. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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