Warnschild mit der Aufschrift "Vorsicht Rattengift" (Foto: Imago, imago images/Christian Ohde)

Wissenschaftliche Untersuchungen Rattengift in Rhein, Mosel und Lahn

Fast jede Stadt hat Probleme mit zu vielen Ratten. Deswegen werden überall Giftköder verteilt. Eine Koblenzer Wissenschaftlerin hat untersucht, was passiert, wenn deren Reste ins Abwasser gelangen.

Ratten in der Kanalisation - das ist für fast jede Stadt in der Region ein Problem, egal ob über 100.000 Einwohner wie in Koblenz oder knapp 5.000 wie in Cochem. Die Lösung sieht überall gleich aus: Rattengift, meistens an Köderhaken unten im Kanal.

Erstmalige Forschung zu Giftködern

Es ist das erste Mal überhaupt, dass wissenschaftlich untersucht wird, was mit den großen Restmengen an Gift aus Ködern passiert, die nicht von den Ratten gefressen werden. Julia Regnery war selbst ein bisschen überrascht, wie eindeutig ihre Ergebnisse sind. Die junge Frau arbeitet als Umwelt-Forscherin an der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz. "Wir konnten zeigen, dass die Stoffe in der Kläranlage nicht abgebaut und zurückgehalten werden, sondern direkt in die Flüsse gelangen", sagt sie.

Rückstände in Rhein, Mosel und Lahn

Im Norden von Rheinland-Pfalz sind Rückstände deshalb unter anderem im Rhein, in der Mosel und der Lahn zu finden. Die klassischen Gift-Köder sind so konzipiert, dass sie am Haken knapp über der Wasseroberfläche hängen und eigentlich gar nicht mit dem Wasser in Berührung kommen. Inzwischen werden die Köder aber immer öfter weg gespült. Das sei ein Problem, sagt Julia Regnery. Die Stoffe würden sich in der Umwelt anreichern. Sie seien sehr langlebig und giftig.

Julia Regnery arbeitet als Umwelt-Forscherin für die Bundesanstalt für Gewässerkunde.  (Foto: SWR)
Julia Regnery arbeitet als Umwelt-Forscherin für die Bundesanstalt für Gewässerkunde.

Bei Starkregen zum Beispiel kommen die Köder mit Abwasser in Kontakt und genau das sollte vermieden werden, weil das zur Freisetzung der Wirkstoffe aus den Ködern führen kann. Betroffen seien nicht nur Wasserflöhe und Algen, sagt Julia Regnery, sondern auch Fische.

Entweder sollten sie nur in Kanalschächten ausgebracht werden, die nicht rückstaugefährdet seien oder es sollten mechanische Fallen verwendet werden, so die Umwelt-Forscherin.

Keine akute Gefahr für Menschen

Akute Gefahr für den Menschen besteht laut Regnery nicht, weil sich der Giftstoff in der Leber ansammele und diese ja nicht mit gegessen werde. Für die Fische sehe das aber anders aus. Für den "Lebensraum Fluss" seien die Auswirkungen noch gar nicht absehbar. Die Koblenzer Forscherin der Bundesanstalt für Gewässerkunde fordert deswegen auch ein generelles Umdenken bei den Kommunen.

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