Ein Blick in einen Kinosaal im Kino in Hachenburg. Daneben ist eine Szene aus dem Film "Schindlers Liste" zu sehen. (Foto: Imago, SWR, Montage)

Kehrtwende von Hachenburger Kino Freier Eintritt in "Schindlers Liste" für alle

Ein Kino in Hachenburg wollte AfD-Mitgliedern am Holocaust-Gedenktag freien Eintritt in den Film "Schindlers Liste" gewähren. Das sorgte für Kritik und Lob. Nun gibt es ein neues Angebot.

Das Kino im Westerwald bietet am 27. Januar allen Besuchern der Vorstellung des Hollywood-Films freien Eintritt. Zur Begründung der Kehrtwende teilte die Geschäftsführung des Kinos am Donnerstag mit: "Aufgrund der sogar internationalen hohen Resonanz" habe man sich entschieden, das Angebot zu erweitern. Das Kino übernehme die Eintrittskosten gegenüber dem Filmverleih und biete im Anschluss an die Vorstellung eine Gesprächsmöglichkeit für alle Zuschauer, heißt es. Wer die Aktion unterstützen möchte, könne den regulären Eintritt von sieben Euro bezahlen.

Die Kinobetreiber hatten eingeräumt, dass es auch um eine Provokation gegangen sei. "Das war eine Provokation, wir haben hier schon eine AfD-Szene", hatte Geschäftsführerin Karin Leicher gesagt. "Wir behaupten überhaupt nicht, AfD-Wähler seien Nazis", hieß es bis Donnerstag noch auf der Homepage. "Nach unserer Einschätzung lässt das AfD-Parteiprogramm allerdings doch stark auf eine Verharmlosung der damaligen Ereignisse schließen."

"Unser Hauptanliegen ist aber der Film", hatte Leicher betont. Marketing-Gründe steckten nicht hinter der Idee. "Unser Kino läuft auch so gut." Ziel sei es vielmehr, Spielbergs Meisterwerk jungen Menschen nahe zu bringen - und gerade die hätten auf die Aktion positiv reagiert.

In "Schindlers Liste" geht es um Oskar Schindler (1908-1974), einen deutschen Unternehmer, der während des Nazi-Regimes mehr als 1.000 Juden vor dem Vernichtungslager rettete.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

AfD zum Gespräch bereit

Die rheinland-pfälzische AfD hatte die Aktion des Kinos als "unsäglich" bezeichnet. Landeschef Uwe Junge schreibt auf Twitter von einem "plumpen Versuch", die AfD in die Nähe des Nationalsozialismus zu rücken. Gleichzeitig zeigte sich die Partei zu Gesprächen bereit. Der stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende Joachim Paul will sich der Diskussion stellen. Er sei "sehr gespannt" zu erfahren, welche Passagen im Parteiprogramm die Einschätzung rechtfertige, die AfD würde die Verbrechen des Nationalsozialismus verharmlosen. "Es wäre in der Tat eine mutige Aktion, wenn im Anschluss an die Filmvorführung eine Podiumsdiskussion stattfinden würde, an der nicht nur über die AfD, sondern mit der AfD gesprochen wird", so Paul.

Lob von Hering, Kritik des Bürgermeisters

Der rheinland-pfälzische Landtagspräsident Hendrik Hering verteidigte die ursprüngliche Idee der Kinobetreiber: "Die Botschaft ist doch klar: Wenn eine Partei auftritt, deren Mitglieder zum Teil die Erinnerungskultur in Frage stellen, sie verächtlich machen, dann sind solche Aktionen berechtigt. Und ich finde sie gut und kreativ." Der SPD-Politiker stammt aus Hachenburg.

Runder Glasbau mit Kino-Logo (Foto: SWR)
Das Vorhaben des Cinexx-Kinos in Hachenburg, AfD-Mitgliedern am Holocaust-Gedenktag freien Eintritt für den Film "Schindlers Liste" zu gewähren, hatte teils heftige Reaktionen ausgelöst.

Hachenburgs Bürgermeister Stefan Leukel (CDU) kritisierte hingegen, dass die Kinobetreiber der AfD mit ihrer Provokation eine unnötige Bühne bieten würden. "Mit der Einladung, dass die Parteimitglieder kostenlos den Film schauen können, bringt man natürlich die Partei ins Gespräch, ohne dass sie selbst ein Thema hat." Das finde er "unglücklich". Gut sei hingegen, dass Aufklärungsarbeit mit dem Zeigen des Films geleistet werde.

Polizei prüft Drohvideo

Die Polizei prüft im Zusammenhang mit der Aktion zurzeit ein mutmaßliches Drohvideo gegen das Hachenburger Filmtheater. In dem YouTube-Clip war die Rede von Sprengsätzen, die explodieren könnten.

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