Blutkonserve (Symbolbild) (Foto: dpa Bildfunk)

UB-Plasma-Anklage vor 25 Jahren Koblenzer Labor verkaufte HIV-infiziertes Blut

Mit HI-Viren verunreinigtes Blut wurde in den 1980er und 90er Jahren in großen Mengen verkauft. Die Koblenzer Firma UB Plasma war damals beteiligt. Ein Rückblick auf einen der größten Skandale dieser Zeit.

Ab 1986 verkauften UB Plasma und andere Labors in Deutschland die HIV-infizierten Blutprodukte. Betroffen waren laut Aidshilfe etwa 1.500 Menschen, die meisten von ihnen Hämophilie-Erkrankte, auch Bluter genannt. Bei der Krankheit gerinnt das Blut aus Wunden nicht oder nur langsam.

Um Geld zu sparen, hatten die Labors nicht mehr einzelne Blutspenden auf Aids- und Hepatitis-Erreger getestet, sondern jeweils zwei bis drei Spenden in einem Pool zusammengeschüttet und erst dann untersucht. Die Farbreaktionen bei den Test wurden auch nur via Augenschein bewertet. So versuchten die Firmen Geld für die teuren Tests zu sparen und nahmen in Kauf, dass infizierte Blutspenden nicht entdeckt werden. Nach Einschätzung von Experten entsteht beim "Poolen" ein verdünnter Blutmix. Somit steige das Risiko, Infektionen zu spät zu erkennen. Schwach gefärbte Grenzwerte könne man zudem mit bloßen Auge nicht erkennen.

Skandal wird erst nach Jahren aufgedeckt

Obwohl es bereits 1986 Hinweise gab, wurden Politik und Justiz erst 1993 auf den Verkauf der Blutkonserven aufmerksam und gingen gegen die Labore vor. Im Oktober 1993 gerät UB Plasma in den Verdacht, für die HIV-Infektion von drei Patientinnen in Fulda und Frankfurt verantwortlich zu sein. Der Geschäftsführer von UB Plasma, Ulrich Kleist, behauptete damals, es sei kein verunreinigtes Blut verkauft worden.

Kurz darauf entzogen Bezirksregierung und Staatsanwaltschaft dem Koblenzer Labor die Betriebserlaubnis. Mehrere Tausend Plasmabeutel wurden beschlagnahmt. Ein Untersuchungsausschuss im Mainzer Landtag beschäftigte sich mit der Schuldfrage in dem Skandal. Die CDU forderte den damaligen Sozialminister Ullrich Galle (SPD) auf, zurückzutreten. Er wurde Anfang 1995 Bürgerbeauftragter von Rheinland-Pfalz.

Ein Polizist zeigt am 01.11.1993 drei der beschlagnahmten Blutkonserven der Koblenzer Firma UB Plasma. (Foto: picture-alliance / Reportdienste)
Ein Polizist zeigt am 01.11.1993 drei der beschlagnahmten Blutkonserven der Koblenzer Firma UB Plasma.

Haftstrafen für UB-Plasma-Mitarbeiter

Am 10. Februar 1994 wurde Anklage erhoben. Im August begann vor dem Koblenzer Landgericht dann der UB-Plasma-Prozess. Den fünf angeklagten Mitarbeitern der Firma wurde versuchte gefährliche Körperverletzung in 71.303 Fällen vorgeworfen. So viele verunreinigte Plasmabeutel hatten sie verkauft. Hinzu kamen Anklagen wegen gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen.

Das Urteil fiel 1995 am Welt-Aids-Tag, dem 1. Dezember. Nach 96 Verhandlungstagen wurde Geschäftsführer Kleist zu vier Jahren Haft verurteilt. Drei weitere Mitarbeiter erhielten Strafen zwischen zwei Jahren auf Bewährung und vier Jahren Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte deutlich härtere Strafen gefordert.

Konsequenzen für das Gesundheitsamt

Der Skandal hatte auch personelle Konsequenzen in der Politik. Der damalige Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) sorgte dafür, dass der Präsident des Bundesgesundheitsamt, Dieter Großklaus, und ein leitender Ministerialbeamter in den Ruhestand geschickt wurden. Das Amt löste er auf und ersetzte es durch Nachfolge-Institute.

Der Skandal erschütterte damals das Vertrauen der Bevölkerung in das Gesundheitswesen. Die Betroffenen erhielten ab 1995 monatliche Zuwendungen von knapp 800 Euro von Bund, Ländern, Pharmafirmen und dem Roten Kreuz. Seit 2019 trägt ausschließlich der Bund die Kosten. 1998 wurde das Transfusionsgesetz verabschiedet, um Infektionen durch Blutprodukte zu verhindern.

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