Tausendfüßler auf dem Hausstein bei Melsbach im Kreis Neuwied (Foto: SWR)

Tausende Tiere in Keller und Schlafzimmer Tausendfüßler-Invasion im Kreis Neuwied

Tausende Tausendfüßler haben sich in Melsbach im Kreis Neuwied zu einer Plage ausgebreitet. Woher die Tiere kommen und wie sie schnell wieder verschwinden, weiß niemand so recht.

Sie sind vier Zentimeter lang, pelzig und kommen in Scharen. Seit gut drei Wochen leidet Familie Roos in Melsbach unter einer massiven Tausendfüßler-Plage in ihrem Einfamilienhaus am Ortsrand. Die Tiere kriechen über Fassaden und kommen auch ins Haus.

Das große Krabbeln beginnt für Ronny Roos und seine Lebensgefährtin immer abends, wenn die Sonne untergeht: "Dann sind sie einfach überall. Sie klettern zu tausenden die Hauswand hoch, hunderte sind aber auch im Schlafzimmer oder im Büro", schildert der Melsbacher die Situation.

Dauer

Mit Bauschaum und Gasbrenner gegen das Krabbelgetier

Er habe sein Haus unter anderem mit Silikon und Bauschaum abgedichtet, um sich vor den Tieren zu schützen, sagt der 25-Jährige. Trotzdem kämen die Tausendfüßler massenweise ins Haus: "Die suchen sich jede kleine Ritze. Da hast du in diesem älteren Haus hier keine Chance."

Er müsse die Tiere jeden Tag eimerweise entfernen und benutze einen Gasbrenner, um sie zu töten, sagt Roos: "Ich selber will kaum noch was essen daheim, weil einfach der Ekel da ist. Es ist so widerlich. Wenn ich nach zwei Tagen in den Keller gehe, dann trete ich wie auf Popcorn, so voll ist der Boden."

Kreisverwaltung nicht zuständig

Der Kreisverwaltung Neuwied ist die Tausendfüßler-Invasion in Melsbach bekannt. Allerdings ist die Behörde nach eigener Aussage nicht zuständig. Ein Sprecher sagte auf SWR-Nachfrage, es seien nur private Grundstücke betroffen, da könne die Kreisverwaltung nichts unternehmen.

Die Ursache der Plage ist noch nicht geklärt. Ein Wissenschaftler aus Bonn sagte, es handele sich um eine Tausendfüßler-Art, die es eigentlich nur in südlichen Ländern gebe. Wie sie nach Melsbach kamen, sei deshalb etwas mysteriös.

Ronny Roos bringt Absperrungen gegen Tausendfüßler in seinem Haus in Melsbach an (Foto: SWR)
Im ganzen Haus hat Ronny Roos Barrieren gebaut. Trotzdem kann er nicht alle Tausendfüßler aufhalten.

Vermutlich wird nur Frost helfen

Einen Kammerjäger zu beauftragen, auch daran habe er schon gedacht, sagt Ronny Roos. Doch der könne ihm auch nicht wirklich helfen. Der Ungeziefer-Spezialist würde das Haus zwar ausräuchern. Es sei aber sehr wahrscheinlich, dass nach einigen Tagen neue Tiere nachkommen würden.

Die letzte Hoffnung setzt Ronny Roos nun in einen frühen Wintereinbruch. Denn Frost überlebe die Tausendfüßler-Art nicht. Wie er es bis dahin schaffen soll, weiß der Melsbacher selbst noch nicht. Eines weiß er aber sicher: Sollten die Tiere im kommenden Sommer zurückkommen, wird er bestimmt nicht mehr da bleiben.

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