Prozessbeginn am Landgericht Bonn Mann versteckt Gesicht  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Angeklagter war womöglich minderjährig 17-Jährige aus Unkel getötet - Prozess unterbrochen

Das Bonner Landgericht hat den Mordprozess gegen einen Mann, der eine 17-jährige Schülerin aus Unkel im Kreis Neuwied getötet haben soll, nach wenigen Minuten beendet. Der Angeklagte gab überraschend an, zur Tatzeit minderjährig gewesen zu sein.

Der mutmaßliche Täter, der die kenianische und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, sagte zu Prozessbeginn: Er sei nicht 19, sondern erst 17 Jahre alt. Warum das im Ausweis angegebene Geburtsdatum falsch sein soll, konnte auch der Gerichtssprecher nicht sagen. Bis dahin waren alle davon ausgegangen, dass der Mann volljährig ist. Das Gericht will das Geburtsdatum bis Anfang Juni überprüfen lassen. Der Prozess soll am 4. Juni weitergehen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Vergewaltigung und Mord vor. Das Alter zur Tatzeit entscheidet bei dem Prozess mit darüber, ob der mutmaßliche Täter nach dem Jugend- oder nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden kann. Sollte der Angeklagte tatsächlich erst 17 Jahre alt sein, würde die Öffentlichkeit bei dem Prozess ausgeschlossen werden. Außerdem würde das Strafmaß bei einer möglichen Verurteilung deutlich geringer ausfallen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Angeklagte lernte Schülerin wenige Stunden vor der Tat kennen

Die Schülerin soll den mutmaßlichen Täter am Abend ihres Todes Ende vergangenen Jahres in Bonn kennengelernt haben. Nachdem sie mit Freunden durch Kneipen gezogen waren und die junge Frau ihren Zug nach Hause verpasste, habe ihr der junge Mann angeboten, in dessen Unterkunft für Wohnungslose in St. Augustin zu übernachten.

Die Flüchtlings- und Obdachlosenunterkunft in St. Augustin (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Oliver Berg/dpa)
In dieser Obdachlosenunterkunft in St. Augustin soll die 17-Jährige aus Unkel getötet worden sein. picture alliance/Oliver Berg/dpa

Mutmaßlicher Täter wollte Leiche wegschaffen

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft vergewaltigte der Mann dort die 17-Jährige. Als sie anschließend drohte, ihn anzuzeigen, habe er sie erstickt. Zwei Tage lang soll er anschließend versucht haben, die Leiche aus dem Zimmer zu schaffen. Der mutmaßliche Täter war nach Angaben der Stadt in einer der Wohnungen als Obdachloser untergebracht.

Angeklagte bestreitet Vergewaltigung

Der Angeklagte soll nach seiner Festnahme zugegeben haben, Gewalt gegen die Jugendliche angewandt zu haben. Die Vergewaltigung bestreitet der Mann allerdings.

Die Ermittler kamen ihm auf die Spur, weil die junge Frau von ihrem Handy aus noch Nachrichten an Bekannte verschickt hatte.

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