Bahntunnel bei Oberwesel Zug fährt durch (Foto: picture-alliance / dpa)

Streit um drei baufällige Bahntunnel Massive Proteste bei Oberwesel angedroht

In der Verbandsgemeinde Oberwesel haben Politiker und Bahnlärmgegner massive Proteste gegen die Deutsche Bahn angekündigt. Es geht in dem Streit um drei alte Eisenbahntunnel.

Es geht um das Vorhaben der Bahn, drei Tunnel der linksrheinischen Strecke bei Oberwesel nur zu sanieren, anstatt dort einen neuen Tunnel zu bauen. Die Diskussion darum dauert schon fünf Jahre. Die Bahn hatte die Kommunalpolitik damals gebeten, Alternativrouten für den Tunnel zu erarbeiten. Doch vor Kurzem kündigte sie völlig überraschend an: Die alten Tunnel auf der Mittelrheinstrecke bei Oberwesel seien noch gut genug. Sie müssten lediglich saniert werden.

Dazu sagte Verbandsbürgermeister Thomas Bungert, er sei nun an einem Punkt, an dem Proteste wie in Wackersdorf denkbar seien, wo sich Demonstranten an die Bahnschienen gekettet hätten: "Vielleicht können wir die Bahn so dazu bringen, die Region ernst zu nehmen," sagte Bungert gegenüber dem SWR.

Tunnel weisen offenbar große Mängel auf

Die Tunnel nur zu sanieren, sei grob fahrlässig, ist sich Bahnlärmgegner Harald Steppat sicher. Die Tunnel müssten eigentlich geschlossen werden: "Wir wissen aus bahninternen Berichten, dass sich die Innenauskleidung der Tunnel löst." Außerdem seien wichtige Bauteile teilweise verrostet, betont Steppat. Es liege die schlechteste Zustandskategorie vor, die ein Tunnel haben könne.

Die Bahnlärmgegner vermuten, dass die Bahn die Kosten für den Neubau nicht tragen will und deshalb pokert: "Dass das auf dem Rücken der Bürger ausgetragen wird, ist der eigentliche Skandal," sagt Steppat.

Liegt überhaupt eine Baugenehmigung für die alten Tunnel vor?

Die Bahnlärminitiative "Oberwesel 22" will nun juristisch gegen die Bahn vorgehen. Sie vermutet, dass es beim Bau der Tunnel im 19. Jahrhundert keine Baugenehmigung gab. Und diese würde die Bahn heutzutage vermutlich auch nicht mehr bekommen, sagen die Bahnlärmgegner.

Sollte die Bahn tatsächlich keine Baugenehmigung vorlegen können, hätte des weitreichende Konsequenzen, sagt Seppat: "Das würde bedeuten, dass die Strecke womöglich stillgelegt werden könnte. Das wäre zwar der Super-Gau. Aber die Bahn scheint das mit einzukalkulieren."

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