Solaranlage und Windräder (Foto: Energieagentur RLP / Sonja Schwarz)

Einer der ersten Null-Emissions-Landkreise in Deutschland Rhein-Hunsrück-Kreis ist Energiewende-Vorreiter

Der Rhein-Hunsrück-Kreis ist ein Vorreiter der Energiewende in Rheinland-Pfalz. Das haben Umweltministerin Höfken und Landrat Bröhr bei einer Veranstaltung in Simmern mitgeteilt.

Innerhalb von 28 Jahren habe der Rhein-Hunsrück-Kreis seinen CO2-Ausstoß auf Null gesenkt. Er produziere Strom aus Wind, Sonne und Biomasse. Nahwärmenetze, Windenergieanlagen und viele andere Projekte, die teilweise auch von der Landesregierung unterstützt wurden, brächten den Ortsgemeinden viel Geld ein. Die Kommunen seien so gut wie schuldenfrei, sagt Landrat Marlon Bröhr.

Ministerin lobt den Rhein-Hunsrück-Kreis

Temperaturen von 20 Grad im Herbst, Niedrigwasser im Rhein , Überschwemmungen in Venedig - der Klimawandel ist weltweit, aber auch in Rheinland-Pfalz deutlich zu spüren. Deshalb hat sich die Landesregierung auf die Fahnen geschrieben: bis zum Jahr 2050 soll Rheinland-Pfalz klimaneutral werden. Vorbildlich macht das der Rhein-Hunsrück-Kreis, sagt Umweltministerin Ulrike Höfken. Statt wie früher 680.000 Tonnen Kohlendioxid pusten die dortigen Haushalte null Tonnen in die Luft.

Vom Anfänger zum Vorreiter

Vor zwölf Jahren sind Evelyn Brosowski und ihr Mann nach Neuerkirch gezogen. Als sie davon erfuhren, dass im Ort eine Nahwärmeanlage gebaut wird, mit der sie ihr Haus heizen und warmes Wasser bekommen können, rissen sie sofort die alte Ölheizung ab, erzählt Evelyn Brosowski: "Wenn wir kein Öl mehr brauchen, sondern unsere Energie aus der Region selber beziehen, haben wir sofort gesagt - wir sind dabei - ohne lange zu überlegen." Sie hat das bis heute nicht bereut, freut sie sich. Jährlich spare sie zwischen zwei- und dreitausend Euro für Heizöl.

Zwei Männer an Batteriespeicher (Foto: Energieagentur RLP / Sonja Schwarz)
Ortsbürgermeister Volker Härter mit dem Batteriespeicher, der nachts die LED-Straßenbeleuchtung in Horn speist. Energieagentur RLP / Sonja Schwarz

Auch ihre Nachbarn und Bekannten im Dorf haben schnell mitgemacht. Ganz Neuerkirch und das Nachbardorf Külz mit insgesamt gerade mal knapp 800 Einwohnern schwimmen auf einer Öko-Begeisterungswelle: "Dass wir einfach uns auch untereinander austauschen und uns auch Gedanken machen, was wir noch mehr machen können. Wir haben immer wieder neue Ideen und es kommt bei uns von innen raus und das finde ich so toll", sagt Evelyn Brosowski. Soviel Engagement für die Energiewende – vor knapp 30 Jahren war das nicht so. Damals musste Neuerkirchs Ortsbürgermeister Volker Wichter dicke Bretter bohren, denn für die Rohre für die Nahwärme mussten Straßen aufgerissen werden – mit Dreck, Staub, Lkw-Verkehr.

Dauer

Heute sind alle begeistert, auch weil gleichzeitig leistungsfähige Glasfaserkabel fürs Internet mit verlegt wurden. Und weil die Hunsrück-Gemeinde auch noch durch Windräder viel Geld verdient, kann sie auch viel an die Bürger zurückgeben, sagt Ortsbürgermeister Volker Wichter: "Wir haben jetzt in Neuerkirch E-Bikes für die Bürger angeschafft, die sie leihen können. Wir haben ein Lastenbike angeschafft. Wir sind jetzt auch an einem Dorfauto dran und, und, und. Das ist alles Geld aus der Windenergie."

Zahlreiche Energie-Projekte im ganzen Kreis

Wie den Bürgern in Neuerkirch und Külz geht es vielen Hunsrückern. Im ganzen Kreis gibt es zahlreiche Projekte, mit denen vor Ort Energie gewonnen wird. Schon vor drei Jahrzehnten wurden etwa bei Beltheim das erste Windrad aufgestellt, in Schnorbach Sonnenenergie über Photovoltaikanlagen eingefangen und in Simmern und Emmelshausen Strom aus Bioabfällen gewonnen. Die Hunsrücker haben die Energiewende geschafft, lobt die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken: "Hier passt dann eins zum anderen und ich hoffe, das geht dann auch so weiter - im ganzen Land."

Menschengruppe, zwei Frauen mit Blumensträußen (Foto: SWR, Andreas Krisam)
Umweltministerin Ulrike Höfken (rechts) lobt den Rhein-Hunsrück-Kreis als Energiewende-Vorreiter. Andreas Krisam
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