Menschen in Warnwesten stehen in den Lavakellern unter Mendig (Foto: SWR)

Sicherung des unterirdischen Höhlen-Systems Sechs Häuser in Mendig müssen geräumt werden

Der Basalt-Abbau hat Spuren hinterlassen: Unter der Stadt Mendig gibt es ein weit verzweigtes Höhlensystem. Jetzt ist klar, wo es Risiken im Untergrund gibt - und was man dagegen tun muss.

70 Bürger aus Mendig wollten am Dienstagabend bei der Infoveranstaltung wissen, wie der Untergrund unter ihren Häusern aussieht. Seit sich 1988 plötzlich ein Loch auf einem Sportplatz aufgetan hatte, haben viele Mendiger Angst, dass sich der Untergrund unter ihren Häusern bewegt. Für die Bewohner von sechs Häusern steht bereits fest, dass sie zumindest zeitweise ihre Wohnungen räumen müssen, damit Hohlräume darunter aufgefüllt werden können.

"Sind wir wirklich nicht gefährdet mit unserem Haus?"

Eine Bürgerin bei der Info-Veranstaltung in Mendig

Umfangreiche Untersuchung in Mendig

In den vergangenen fünf Jahren untersuchte deshalb das Landesamt für Geologie und Bergbau in Mainz (LGB) das rund drei Kilometer lange Netz aus unterirdischen Höhlen und Felsenkellern unter der Stadt. Zwischen 2012 und 2016 kartierte das LGB Hohlräume auf einer Fläche von 200.000 Quadratmetern unter Mendig und schätzte ihren Zustand ein. Das Ergebnis:

Blick in die Lavakeller unter Mendig,  (Foto: Verbandsgemeinde Mendig)
Die Lavakeller unter Mendig sind etwa drei Quadratkilometer große Felsenkeller und das ehemals größte Basaltlava-Bergwerk der Welt Verbandsgemeinde Mendig

Mit Bohrungen wurden acht Hohlräume entdeckt, die bislang nicht zugänglich waren. Das Netz von Messpunkten zur Kontrolle der Stabilität wurde deutlich vergrößert. Und es wurden Karten erstellt, die die Stabilität der einzelnen Hohlräume zeigen. Die Kosten für diese Untersuchung von rund 1,5 Millionen Euro trug das Land.

Das Landesamt für Geologie und Bergbau hat auf dieser Gefahrenkarte besonders risikoreiche Zonen aufgelistet (Foto: SWR)
Das Landesamt für Geologie und Bergbau hat auf dieser Gefahrenkarte besonders risikoreiche Zonen aufgelistet

Wie werden die Hohlräume unter Mendig gesichert?

Ansgar Wehinger vom LGB zeigte den Bürgern am Dienstagabend viele Fotos von den Basaltsäulen in den Felsenkellern. Etliche habe über die Jahrhunderte Risse bekommen. Nach der Untersuchung ist klar, wo es Gefahren im Untergrund unter Mendig gibt, wo im schlimmsten Fall ein Haus in einem Hohlraum verschwinden könnte und wo noch weiter nachgeforscht werden muss.

Die Sicherungsmaßnahmen sind umfangreich und haben schon begonnen. Zwei kleinere, überbaute Hohlräume sollen noch in diesem Jahr verfüllt werden. Zu einem dritten, der bislang nicht zugänglich ist, wird ein neuer Schacht gebaut. Das alles kostet schätzungsweise 2,5 Millionen Euro.

Sechs Häuser müssen zeitweise geräumt werden

Während der Sicherungsmaßnahmen müssen auch die Bewohner von sechs Häusern in Mendig zeitweise ihre Wohnungen räumen, zu ihrer eigenen Sicherheit. Die Hohlräume unter ihren Häusern werden dann ganz langsam mit einem speziellen Material verfüllt. Sie werden während der Evakuierung auf Kosten der Stadt und der Verbandsgemeinde in Ersatzunterkünften untergebracht.

Markierungen auf zwei tragenden Säulen in einem Hohlraum unter der Stadt Mendig (Foto: Landesamt für Geologie und Bergbau in Rheinland-Pfalz)
Nach fünf Jahren ist klar, dass die Hohlräume unter sechs Häusern verfüllt werden müssen Landesamt für Geologie und Bergbau in Rheinland-Pfalz

Eigene Webseite bei der SGD Nord

Nach der Infoveranstaltung am Dienstag in Mendig waren die Besucher froh zu wissen, wie die Experten die Lage einschätzen. Auch die Stadt Mendig weiß jetzt, wo sie sicherheitshalber in Zukunft kein neues Wohngebiet ausweisen sollte.

Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord in Koblenz hat zu dem Projekt eine eigene Webseite erstellt, auf der alle Informationen und Fortschritte dokumentiert werden.

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