Viele Menschen lassen sich typisieren (Foto: Julia Seelbach)

Großer Andrang bei Typsierungsaktion im Rhein-Lahn-Kreis Hunderte wollen todkranken Brüdern helfen

Die Hilfsbereitschaft ist sehr groß: Im Rhein-Lahn-Kreis haben sich am Sonntag rund 1.000 Menschen typisieren lassen. Alle wollen mit einer Stammzellenspende zwei kleine Brüder retten.

Das Ergebnis ist beeindruckend: Bei der Typisierungsaktion der Deutschen Knochenmarkspenderdatei DKMS haben sich am Sonntag in Wasenbach und bei einer zweiten, kleineren Aktion in Oberneisen insgesamt rund 970 Menschen als mögliche Stammzellenspender registrieren lassen.

Schlafendes Baby neben Junge mit Brille. (Foto: Julia Seelbach)
Julia Seelbach

Außerdem kamen insgesamt rund 25.000 Euro an Spenden für die DKMS zusammen. Damit können die Speichelproben darauf untersucht werden, ob sich ein möglicher Stammzellenspender unter den Teilnehmern befindet.

Warten auf die Auswertung der Proben

Eine Sprecherin der DKMS sagte dem SWR am Montagmorgen, es werde vermutlich etwa sechs Wochen dauern, bis die Speichelproben aus Wasenach und Oberneisen ausgewertet sind. Täglich ließen sich auf der ganzen Welt aber Menschen als Spender registrieren - und könnten möglicherweise Nico und Jonah helfen.

Darauf setzen Ralf und Daniela Hannappel aus Wasenbach ihre Hoffnung. Ihre beiden Jungs - der eine sieben Jahre, der andere acht Monate alt - tragen eine lebensbedrohliche Krankheit in sich. "Im ersten Moment ist eine Welt zusammen gebrochen", sagt Vater Ralf.

Diagnose: Seltener Gen-Defekt

Im September musste das Paar mit ihrem sieben Jahre alten Nico plötzlich in die Notaufnahme - er hatte hohes Fieber, berichtet seine Mutter: "Die Ärzte haben dann festgestellt, dass er eine vergrößerte Milz und Leber hat und auch das Blutbild war total durcheinander geraten. Sie haben uns sofort nach Gießen geschickt auf die Onkologie. Sie dachten es wäre Leukämie."

Doch nach drei Wochen und vielen anderen Untersuchungen ist klar: Ihr Sohn Nico hat einen seltenen Gen-Defekt, der sein Immunsystem zerstört. Nur eine Stammzellenspende kann sein Leben retten.

Blutabnahme an Arm (Foto: picture-alliance / dpa, Hendrik Schmidt)
Als Stammzellspender kann sich jeder gesunde Erwachsene ab 18 Jahre registrieren lassen. Mit dem Einverständnis der Eltern kann man sich bereits ab 16 Jahren typisieren lassen. Hendrik Schmidt

Und das ist nur ein Teil der schlechten Nachricht: Auch Nicos acht Monate alter Bruder Jonah ist betroffen. Damit bei ihm die lebensbedrohliche Krankheit erst gar nicht ausbricht, braucht auch er dringend eine Stammzellenspende. "Ich komme gar nicht zum Nachdenken, weil der Kleine so agil ist. Der Große braucht natürlich auch Aufmerksamkeit, aber wenn man mal ein bisschen zum Nachdenken kommt, dann geht es einem schon nicht gut, weil man halt einfach an die Zukunft denkt", erzählt Mutter Daniela.

Nico ist sehr tapfer

Der siebenjährige Nico - so berichten die Eltern - lebt ganz tapfer mit seiner Immun-Krankheit, den ständigen Medikamenten, Ärzten und Untersuchungen. "Er weiß, dass er ein schwerkrankes Kind ist und er merkt auch durch die Einnahme dieser Medikamente, dass es ihm wesentlich besser geht", sagt Ralf Hannappel. Seine Frau fügt hinzu: "Wir sind mächtig stolz auf ihn. Der ist richtig tapfer. Er hat sich einen Arzt-Schreibtisch aufgebaut. Darauf hat er Spritzen liegen, die er im Krankenhaus geschenkt bekommen hat. Dann nimmt er bei uns Blut ab und dadurch verarbeitet er das alles."

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