Die Angeklagten im Prozess um den Überfall auf eine Koblenzer Shisha-Bar stehen im Gerichtssaal vor der Urteilsverkündung (Foto: SWR)

Racheakte zwischen Rockern Haftstrafen und Freisprüche nach Überfall auf Koblenzer Shisha-Bar

Im Prozess um den Überfall auf eine Shisha-Bar in Koblenz im Januar 2018 wurden die Urteile verkündet. Zehn junge Männer wurden verurteilt. Zwei wurden freigesprochen.

Der Schuldspruch bei den verurteilten zehn Männern lautete laut einer Gerichtssprecherin auf gefährliche Körperverletzung und Landfriedensbruch oder Beihilfe beziehungsweise Anstiftung dazu. Ein Mann bekam unter Einbezug eines früheren Urteils zwei Jahre und neun Monate Haft. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er einen Mitarbeiter der Shisha-Bar mit einem Messer schwer verletzt hatte. Die anderen neun Männer wurden zu Sozialstunden, Dauerarresten oder Jugend- beziehungsweise Bewährungsstrafen verurteilt.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
16:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Ursprünglich 14 Angeklagte

Ursprünglich waren 14 Beschuldigte wegen besonders schweren Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung angeklagt worden. Zwei von ihnen wurden bereits vorher freigesprochen. Für die übrigen zwölf Angeklagten hatte die Staatsanwaltschaft in ihren Plädoyers Jugend- und Haftstrafen sowie Freisprüche gefordert.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Beschuldigten vorgeworfen, mit Schlagstöcken, Baseballschlägern und Eisenstangen bewaffnet eine Shisha-Bar in der Koblenzer Altstadt gestürmt zu haben. Fünf der Täter waren nach Angaben des Gerichts in die Bar eingedrungen und hatten dort auf zwei Mitarbeiter und auch Gäste eingeschlagen. Dabei wurde ein Mitarbeiter der Bar mit dem Messer verletzt.

Handyvideos als Beweismittel

Der Rest der Angreifer hatte von außen auf Fenster und die Fassade eingeschlagen. Einer von ihnen hatten den kompletten Überfall mit dem Handy gefilmt. Die Videos waren im Prozess wichtige Beweismittel dafür, wie genau der Überfall abgelaufen war. Der vorsitzende Richter sprach in seiner Urteilsbegründung von einem martialischen Auftreten der Schläger, die nicht nur Gäste und Mitarbeiter, sondern auch Passanten in Angst und Schrecken versetzt hätten.

Streit zwischen Rockern

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft waren Revierstreitigkeiten der Rockergruppen "Hells Angels" aus Boppard und der "Guerilla Nation" aus Neuwied Grund für den Überfall. Nach Ansicht des Gerichts war der Überfall auf die Koblenzer Bar eine Racheaktion, nach Übergriffen der "Hells Angels" auf ein Bandenmitglied der "Guerilla Nation". Die überfallene Bar gehört dem Sohn des "Hells Angels"-Präsidenten.

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