Fährmann Michael Schnaas muss wegen des Niedrigwassers einen Mitarbeiter entlassen. Weitere Kündigungen könnten folgen. (Foto: SWR)

Trockenheit in Rheinland-Pfalz Fährbetreiber entlässt Mitarbeiter wegen Niedrigwassers

Wegen des Rheinniedrigwassers muss der Betreiber der Fähre zwischen Lorch und Niederheimbach an diesem Freitag einen Mitarbeiter entlassen. Weitere Kündigungen könnten folgen.

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Wenn das Wasser nicht bald wieder merklich steige, müsse er sein gesamtes Personal entlassen und abwarten, sagte Fährunternehmer Michael Schnaas. "Notfalls müsste ich die Fähre verkaufen und als Fährführer bei Kollegen unterkommen", ergänzt der 52-Jährige, der seinen kleinen Betrieb in vierter Generation führt. Andere Rhein-Fähren haben ebenfalls zeitweise buchstäblich auf dem Trockenen gelegen - oder tun es noch. Der Deutsche Wetterdienst sagt auch für die nächsten Tage kaum Regen voraus - die Pegelstände verharren vorerst in der Tiefe.

"So ein Niedrigwasser habe ich noch nie erlebt"

Die Betreiber der Fähre zwischen dem pfälzischen Altrip und Mannheim teilen mit: "Noch zwingt uns das historische Niedrigwasser, eine Pause einzulegen. Ein genauer Termin für eine Wiederinbetriebnahme ist leider noch nicht absehbar." Eine Spezialfirma ist laut Geschäftsführer Jürgen Jacob dabei, die Anlegestellen an beiden Ufern an die niedrigen Pegelstände anzupassen - auch um für künftigen Wassermangel gewappnet zu sein. Zudem werde ohnehin in den kommenden zwei Jahren eine neue Fähre mit weniger Tiefgang angeschafft. "Ich bin 62 Jahre alt und am Rhein aufgewachsen - so ein Niedrigwasser habe ich noch nie erlebt", sagt Jacob.

Noch in den 1990er Jahren haben die Fährbetriebe des Rheins eher mit extremem Hochwasser mitsamt Treibgut und überfluteten Anlegestellen gekämpft. 2003 hat sich das zum Niedrigwasser gedreht. Im Winter 2016/2017 hat Fährführer Schnaas schon einmal einen gut fünfwöchigen Ausfall wegen zu niedriger Pegelstände hinnehmen müssen. Mit Blick auf den Klimawandel sagt er: "Das Niedrigwasser kommt immer länger, immer extremer, immer häufiger."

Selbst Flachfähre hat zuviel Tiefgang

Die Fährverbindung Niederheimbach-Lorch ist mit 1.200 Metern laut Schnaas die längste auf dem deutschen Rhein: "Der Fluss ist hier relativ breit, da verteilt sich das Wasser mehr. Über 250 Meter haben wir nur noch 40 Zentimeter Tiefe." Da nützt es auch nichts, dass Schnaas eine Flachfähre betreibt: Trotz ihres im Schiffsboden integrierten Wasserstrahlantriebs hat sie noch einen Tiefgang von 50 Zentimetern. "Dabei haben wir in den letzten Monaten schon über 25.000 Euro in unsere Rampen und Ausbaggern investiert."

Der Chef der Fähre zwischen dem hessischen Oestrich-Winkel und dem rheinland-pfälzischen Ingelheim, Michael Maul, hat nach eigenen Worten in den vergangenen zwei Jahren sogar rund 200.000 Euro unter anderem für Rampenverlängerungen an den Ufern und Baggerarbeiten im Fluss gezahlt: "Wir sind für unsere Fahrrinne selbst verantwortlich." Nun ist diese trotzdem nicht mehr tief.

Fährbetreiber fühlt sich allein gelassen - Behörde kontert

Der Vizechef des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Bingen, Florian Krekel, erläutert: "Wir garantieren eine bestimmte Fahrrinnentiefe für die Längsschifffahrt, nicht aber für Fähren und auch nicht für die Verbindung zu Häfen."

Schnaas, Chef einer privatwirtschaftlichen Fähre, klagt: "Ich fühle mich von der Politik alleine gelassen. Ich wüsste nicht, wen ich um öffentliche Hilfe bitten sollte. Jeder sagt mir: 'Wir sind nicht zuständig.'" Michael Maul fragt: "Wenn ein Bus nicht fahren würde, weil die Busspur nicht mit öffentlichen Mitteln instandgehalten würde, was wäre dann los?" Der stellvertretende Binger WSA-Chef Krekel hält dagegen, Straßen würden nicht für einen einzigen Betrieb gebaut.

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