Der junge Ex-Polizist sitzt am Donnerstagvormittag weinend auf der Anklagebank.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Oliver Berg/dpa)

Nach tödlichem Schuss auf Kollegen Bonner Staatsanwalt fordert drei Jahre Haft für Ex-Polizisten

Im Bonner Prozess um den Tod eines 23-jährigen Polizeibeamten hat der Staatsanwalt für den angeklagten Ex-Polizisten wegen fahrlässiger Tötung drei Jahre Haft gefordert.

Der Staatsanwalt warf dem Angeklagten vor, grob fahrlässig gehandelt zu haben, indem er bei einem Training Ende November vergangenen Jahres spaßeshalber mit einer scharfen Waffe auf seinen Kollegen gezielt habe. Anschließend habe der Angeklagte in der Annahme, mit einer Übungswaffe zu hantieren, abgedrückt. Der 23 Jahre alte Beamte erlitt einen Halsdurchschuss und starb am 10. Dezember an den Folgen.

Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Der Beschuldigte bestreitet die Darstellung der Staatsanwaltschaft nach wie vor vehement. Er habe die Waffe überprüfen wollen, weil sie nicht im Holster eingerastet war. Dabei sei er dann durch ein Geräusch aufgeschreckt worden und habe versehentlich abgedrückt.

Mit solchen "Rotwaffen" trainieren Polizisten in Nordrhein-Westfalen ihre Einsätze. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / imageBROKER)
Mit solchen "Rotwaffen" trainieren Polizisten in Nordrhein-Westfalen ihre Einsätze. (Archivfoto) picture alliance / imageBROKER

"Grotesk leichtfertiges" Verhalten

Der Staatsanwalt hält diese Aussage für eine "große Schutzbehauptung", weil der Angeklagte nicht wahr haben wolle, dass er Grundregeln im Umgang mit Waffen verletzt und, dass er absichtlich auf das Tatopfer gezielt habe. Dabei geht der Ankläger nach eigenen Angaben weiterhin davon aus, dass der junge Beamte irrtümlich glaubte, noch die rotfarbene Trainingswaffe in der Hand zu haben. Mit dieser Waffe hatten er und seine Hundertschaft an den Tagen zuvor zahlreiche Einsätze simuliert. Der Grad der Fahrlässigkeit sei immens, so der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Das Verhalten des Angeklagten sei "grotesk leichtfertig." Er fordert eine Haftstrafe von drei Jahren.

Verteidiger fordert Bewährungsstrafe

Der Verteidiger forderte hingegen in seinem Plädoyer ein mildes Urteil, das noch im Bewährungsbereich liegt. In seinem letzten Wort entschuldigte sich der Angeklagte unter Tränen bei den Eltern des Opfers. Sie hatten dem Verfahren als Nebenkläger beigewohnt. Am Montag soll das Urteil fallen.

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